Zum Tod von Caroll Shelby
Wenn die Cobras Trauer tragen

Brachiale V8-Motoren waren Lebenselixier und automobiles Credo von Caroll Shelby. Der Texaner, erfolgreiche Rennfahrer, Ex-Kampfpilot war der Erfinder der "Cobras". Er starb mit 89 Jahren in Dallas.
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Dallas/USACaroll Shelby erblickte am 11. Januar 1923 als Sohn eines Farmers in Texas das Licht der Welt. Ein angeborener Herzfehler zwang ihn, einen großen Teil seiner Kindheit im Bett zu verbringen. Mit 14 Jahren hatte sich das Loch im Herz geschlossen. Während des Krieges diente der Texaner als Kampfpilot und begann 1952 seine Rennkarriere mit einem geliehenen Auto. Seine größten Rennerfolge feierte Shelby Ende der Fünfzigerjahre. 1958 und 1959 trat er in der Formel 1 an und gewann 1959 auf einem Aston Martin bei den 24 Stunden von Le Mans.

Zur Legende stieg Shelby 1962 auf. Um den filigranen Hightech-Autos von Ferrari, die Anfang der Sechziger der letzten Jahrhunderts vor allem den Langstreckensport dominierten, zu zeigen, was eine Harke ist, formulierte der Texaner die typischste aller möglichen amerikanischen Antworten eines US-Supersportwagens. Er pflanzte riesige V8-Motoren von Ford in die filigranen Roadster der britischen Manufaktur von AC. Fertig war die AC-Cobra.

Das wahrscheinlich männlichste Auto aller Zeiten, kam, brüllte infernalisch und schlug sich so wacker, dass aus dem Stand eine riesige Nachfrage entstand. Von seiner Cobra baute Shelby 655 sogenannte "Small-Block-Versionen" mit 289 Kubikinch Hubraum, was 4,7 Litern entspricht. Zwischen 1965 und 1967 entstanden zudem 348 Cobras mit 427 Kubikinch, also mit sieben Liter Hubraum, die bis zu 349 kW/475 PS über ihre Hinterräder herfallen ließen.

Die Erfolge der Shelby Cobras generierten eine entsprechende Nachfrage durch Sportwagen-Enthusiasten in der Neuen wie der Alten Welt. Und schließlich hat sich Ford mit Shelby verbunden, um ab 1965 für die jeweilige Generation des Mustang einen Leithengst zu züchten. Shelby-Mustangs blieben stets streng limitiert und sind heute entsprechend gesuchte Raritäten.

Den 50. Geburtstag seines berühmtesten Dienstleisters mit Sitz in Las Vegas feierte Ford noch Anfang des Jahres mit großem Aufwand und natürlich mit einem eigenen "Shelby Mustang". Der trug die klassische Zusatzbezeichnung "GT 500" und war so stark wie nie zuvor: 478kW/650 PS.

Für spezielle Freunde des Hauses schob der "PS-Papst", wie ihn seine Fans liebevoll nannten, schließlich noch den GT 1000", eine Version mit 1 100 PS nach; zu einem Preis von 200 000 schlappen Dollars. Eine Summe, für die Bugatti fin ihren schwächlicheren 1001-PS-Veyron nicht einmal ein Getriebe rausrückt. So zeigte Shelby bis zuletzt den übertechnisierten und überteuerten Europäern bis zum Schluss, was Harken sind.

Caroll Shelby hinterlässt seine Frau Cleo, drei Kinder, sechs Enkel und sechs Urenkel.

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