Zustimmung der Eltern und Begleitperson notwendig
Autofahren mit 17: Rege Nachfrage in Hessen

Mit 17 Jahren hinter dem Steuer eines Autos sitzen: Das ist in Hessen seit dem 1. Oktober möglich. Die Nachfrage nach dem Projekt ist fast überall rege, wie eine dpa-Umfrage ergab.

HB FRANKFURT. Die Führerscheinstelle in Darmstadt ist nach Angaben ihres Leiters Ullrich Jorissen von Bewerbern fast überrannt worden. „Wir hatten die Formulare am Freitag, dem 29. September, nachmittags ins Netz gestellt. Am Montag waren bereits 15 Leute mit fertig ausgefüllten Anträgen da.“ Seitdem kommen täglich etwa 10 weitere hinzu, wie Jorissen berichtet. Manche Kandidaten müssen aber wegen fehlender Unterschriften ihrer Eltern wieder nach Hause geschickt werden.

Die Zustimmung der Eltern ist notwendig. Zudem müssen die Jugendlichen mindestens einen Autofahrer als Begleitperson angeben. Schließlich heißt das Projekt auch „Begleitetes Fahren ab 17“. Wer neben den jungen Leute im Auto sitzen will, muss von den Eltern ebenfalls akzeptiert werden. Die Begleiter dürfen nicht unter 30 Jahre alt sein und müssen seit mindestens fünf Jahren einen Führerschein haben und ihr Konto beim Flensburger Verkehrszentralregister darf höchstens drei Punkte aufweisen.

Jorissen rechnet mit Bearbeitungsfristen von zwei bis sechs Wochen, je nachdem ob die angemeldeten Begleitpersonen einen in Darmstadt ausgestellten Führerschein besitzen oder nicht. „Wenn wir bei anderen Behörden nachfragen müssen, kann es bis zu sechs Wochen dauern.“ Bislang habe noch kein Führerscheinkandidat mehr als zwei mögliche Begleiter genannt. Das mag auch an den Gebühren liegen, denn für jeden Begleiter werden 8,40 Euro erhoben.

Neben den Gebühren für den Führerscheinantrag (43,40 Euro plus 8,70 Euro für die Prüfbescheinigung) sind natürlich die ganz normalen Kosten für den Unterricht in der Fahrschule und die vorgeschriebenen Sonderfahrten wie Nacht- oder Autobahnfahrt fällig. Hinzu kommen die Gebühren für die theoretische und praktische Fahrprüfung. „Das ist alles, wie bei einem anderen Führerschein auch“, sagt der Vorsitzende des hessischen Fahrlehrerverbands, Karl Lieb. Der Fahrneuling erhalte eine Prüfbescheinigung und erst zum 18. Geburtstag den normalen Kartenführerschein.

Der Sprecher der Landeshauptstadt Wiesbaden, Siggi Schneider, berichtet von über 20 eingegangenen Anträgen. Meist benennen die Antragsteller zwei Begleitpersonen, und zwar die Eltern. Zu dem Thema werden im Rathaus laut Schneider viele Fragen gestellt. Der Informationsbedarf ist hoch.

Im Landkreis Fulda sind seit Beginn des Modellprojekts 34 Anträge gestellt worden. Der Großteil der jungen Fahrschüler benennt zwei Begleitpersonen - meist die Eltern, wie eine Sprecherin der Zulassungsstelle sagte. Vor Einführung des Projekts sei das Informationsinteresse deutlich höher gewesen: Die Zulassungsstelle musste zahlreiche Anfragen beantworten. „Inzwischen gibt es Flyer in den Fahrschulen und Informationen im Internet“, sagte die Sprecherin.

Im Main-Kinzig-Kreis sind seit 1. Oktober 71 Anträge eingegangen.

Zwei bis drei Begleitpersonen seien in den Anträgen der Regelfall, „aber wir hatten auch schon jemanden, der sieben Begleiter angemeldet hat“, sagte Sprecher John Mewes. Seit etwa einem Jahr sei das Interesse am Führerschein mit 17 sehr groß. Seit Monatsbeginn seien die Anfragen in den Führerscheinstellen in Gelnhausen und Hanau allerdings merklich zurückgegangen.

In Kassel haben bislang 35 Jugendliche den Führerschein mit 17 beantragt. „Wir wissen nicht, ob das der Beginn eines Ansturm ist oder ob das Interesse verhalten ist; das lässt sich noch nicht sagen“, hieß es vom Ordnungsamt. „Bei manch einem ist es aber offenbar ein Problem, eine Begleitperson zu finden, die will und darf.“ Jeder zweite Jugendliche gebe aber immerhin sogar zwei Begleiter an.

Im Kreis Marburg-Biedenkopf werden seit Monatsbeginn zehn bis 15 Anträge pro Tag für das „Begleitete Fahren ab 17“ gestellt. In der Regel benennen die Antragsteller zwei bis drei Begleitpersonen, meistens die Eltern oder Großeltern, wie der stellvertretende Leiter der Fahrerlaubnisbehörde, Harald Rauch, sagte. Flyer oder die Homepage der Behörde informierten über das Modellprojekt.

Im Lahn-Dill-Kreis sind seit dem Start zwölf Anträge gestellt worden. Die meisten Jugendlichen geben vier Begleitpersonen an, nämlich die Großeltern mütterlicher- wie väterlicherseits, wie die Leiterin der Fahrerlaubnisbehörde, Susanne Szabo, erläuterte. Besonders Eltern oder Fahrschulen riefen an, um sich zu informieren.

In den ersten drei Tagen wurden im Kreis Gießen 24 Anträge gezählt. Im Durchschnitt werden zwei Begleiter genannt, nämlich die Eltern, wie der Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung für den Landkreis Gießen, Ulrich Monz, sagte. Der Informationsbedarf halte sich noch in Grenzen. Hin und wieder gebe es telefonische Anfragen.

Bei der Stadt Frankfurt gibt es keine zentralen Angaben über die Nachfrage nach dem Führerschein, da die jungen Leute die Anträge bei den elf Bürgerämtern der Stadt stellen müssen - und die Stadt hat dazu um persönliches Erscheinen gebeten.

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