Zweifel an Sportlimousine Quant F : Flusszellen-Flitzer mit ungewissem Schicksal

Zweifel an Sportlimousine Quant F
Flusszellen-Flitzer mit ungewissem Schicksal

Nanoflowcell will mit einem Elektro-Prototypen bis zu 1.090 PS Leistung, ein Spitzentempo jenseits von 300 km/h und über 800 Kilometer Reichweite schaffen. Forscher halten die Angaben für zu gut, um wahr zu sein.
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VaduzDas Liechtensteinische Unternehmen Nanoflowcell stellt nach eigenen Angaben auf dem Genfer Automobilsalon (Publikumstage: 5. bis 15. März) einen annähernd serienreifen Prototyp namens Quant F in Aussicht. Der Antrieb ist eine Besonderheit: Statt herkömmlicher Akkus versorgt eine Flusszelle die vier E-Motoren mit Strom. Durch die Zelle wird Elektrolyt-Flüssigkeit gepumpt, die dort Energie freisetzt und dann verdampft wird.

Die Leistungs- und Fahrdaten, die Nanoflowcell für den viersitzigen Flügeltürer ausweist, sind beeindruckend: bis zu 802 kW/1090 PS Leistung, ein Spitzentempo jenseits von 300 km/h und über 800 Kilometer Reichweite pro Elektrolyte-Tankfüllung. Damit will die Firma zeigen, was technisch machbar ist: Das geplante Serienmodell werde aus ökonomischen Gründen gemäßigter unterwegs sein.

Mit dem 5,25 Meter langen Quant F, der an den 2014 in Genf vorgestellten Prototyp Quant E anknüpft, strebt Nanoflowcell nach eigenen Angaben die Homologation für die Serienproduktion an. Das Exterieur entspreche bereits zu 100 Prozent den Anforderungen, das Interieur zu rund 90 Prozent, teilt die Firma mit.

Für die Entwicklung zeichnet Nunzio La Vecchia verantwortlich, führender Kopf hinter Nanoflowcell und 1965 in der Schweiz geboren. Der Autodidakt, so erfährt man auf der Unternehmswebsite, habe sich sein Wissen in einem vierjährigen Selbststudium angeeignet. Mittlerweile führe er mehrere Unternehmen, darunter ein eigenes Forschungszentrum in Zürich, und halte mehr als 60 länderspezifische Patente in den Bereichen Solarenergie, Plasmaenergie, Digitaltechnik und Elektronik.

Wenn das alles stimmt, ist der Mann so eine Art Universalbegabung, und Themenwechsel sind ihm nicht fremd. So hat er, bevor er sich der Physik zuwandte, und den Antrieb des PKW revolutionierte, auf Youtube zwei Musikvideos veröffentlicht, in denen er gar nicht schlecht singt und sich geschmeidig bewegt.

Am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal sieht man die Ankündigungen von Nanoflowcell skeptisch: «Wir haben in den vergangenen Jahren selbst zu einem mobilen Einsatz der Flussbatterien intensiv geforscht. Der jetzige Stand ist der, dass diese Batterien für den mobilen Einsatz eine zu geringe Energie- und Leistungsdichte haben», berichtet Jens Noack vom ICT. Er könne aber auch nicht ausschließen, dass wirklich ein Durchbruch erzielt wurde.

Details zur Antriebstechnologie gibt Nanoflowcell jedenfalls bislang nicht heraus. «Momentan gibt es dazu nur Marketinginformationen, die leider rein gar nichts aussagen», bedauert Noack. Stutzig macht den Diplom-Ingenieur vor allem, «dass Flussbatterien zu groß und zu schwer sind, um akzeptable Reichweiten erzielen zu können. Für einen Pkw sprechen wir von 50 bis maximal 100 Kilometer mit sehr viel Entwicklung», sagt Noack. Dazu komme der Aspekt der Leistung: «Ich sehe momentan eher nur maximal 20 bis 30 kW, das ist sehr weit entfernt von über 1000 PS wie beim Quant.»

Die Flusszellen-Technologie ist eine Art Mischung aus Batterie und Brennstoffzelle. Sie kommt bereits für das Energiemanagement von Windkraft- und Solaranlagen zum Einsatz. Die beiden Tanks für die ionische Flüssigkeit zur Energiegewinnung im Quant F fassen je 250 Liter, das Auftanken soll nicht länger als bei Benzin- oder Dieselautos dauern.

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