Zweifelhafte Innovationen
Was geht das Auto meine Fitness an?

Messen und Innovationen, dass gehört zwingend zusammen. Neuheiten müssen gezeigt und kommuniziert werden. Ob alles immer sinnvoll ist, was da so erfunden wurde, erscheint uns immer zweifelhafter.

Düsseldorf/GenfBevor wir uns standesgemäß umweltfreundlich per Fahrgemeinschaft auf dem Weg nach Genf machen, um dort die automobile Couture des Frühjahrs zu beurteilen, bleibt Zeit für einen Blick zurück auf das Messeleben wie wir es kennen oder besser kannten.

Anscheinend wandelt sich das nämlich gerade. Schon vor der Detroit Motorshow gab es Premieren und Innovationen auf der Elektronik- und Konsumgütermesse CES zu sehen.

Jetzt, unmittelbar vor dem Genfer Salon, präsentierten einzelne Marken ihre Innovationen auf der Mobile World in Barcelona. Andererseits liebäugeln einige Hersteller wohl damit, ihre Teilnahme an der Pariser Messe im Herbst abzusagen. Und in Deutschland verkündete die Messe Leipzig dieser Tage das Aus für die AMI 2016.

Was lernen wir daraus? Wie es aussieht, ist es gerade modern, neue Vertriebs- und Kommunikationswege zu bestreiten. Das ist aber nur ein Aspekt. Wenn Autos durch neue Auflagen an Sicherheit, Verbrauch und Emissionen technisch auf Dauer immer ähnlicher werden, unterscheiden sie sich künftig vielleicht eher dadurch, wer bessere Apps hat. Und da werden eben Elektronikmessen und deren Besucher wichtiger als das bekannte Publikum der altvorderen Automessen. MBits statt PS und Bytes statt CO2 könnte die Formel lauten.
Wie weit wie damit schon gekommen sind, kann unsereins auf dem Weg an den Genfer See ausprobieren. Der Komfort unserer Reiselimousine wird sich erfahrungsgemäß kaum wahrnehmbar von der eines Wettbewerbsmodells unterscheiden. Die Bedienlogik dahinter schon. Vielleicht macht derlei in Zukunft den Unterschied aus.

Wobei manche Innovation durchaus noch Entwicklungspotential hat. Nachdem sich uns schon die Sinnhaftigkeit von Keyless-Go-Systemen nicht wirklich erschlossen hat, sitzen wir in unserer Reiselimousine staunend und fragen, welchen Vorteil es bringt, eine Drehbewegung an einem Knopf nur zu simulieren, damit der Knopf dann mit einen klitzekleinen Verzögerung die Lautstärke ändert.

Das Auto reagiert auf Handbewegungen, wie ein sehr gut erzogener Hund. Nur warum soll unsereins denn lernen, auf welche Bewegungen die Limousine zu reagieren gedenkt, wenn man all das auf normale Art und Weise schneller und sicherer bewältigen kann?

Dass wir im lebhaften Gespräch aus Versehen den Sender wechseln, gehört zu den kleineren Unpässlichkeiten. Wir fragen uns aber, wie es im Auto so zugeht, wenn zum Beispiel kommunikative Italiener das Fahrzeug nutzen?

Und was, wenn sich durch Wisch- und sonstige Bewegungen plötzlich der Fahrer des Nachbarautos im Stau beleidigt fühlt? So eine Anzeige wegen non-haptischer Bewegungen kann schnell teuer werden.

Vielleicht muss man nicht alles, was sich so ein moderner Entwickler des 21. Jahrhunderts im stillen Kämmerlein ausdenkt, auch wirklich verwenden – Innovation hin oder her. Manches macht er sicher nur, weil er es kann (und darf), nicht, weil es irgendwie tiefen Sinn hat.

In diese Kategorie fällt auch die Autoanbindung sogenannter Wearables – übrigens ein Wort, das nur fünf Prozent der Befragten einer aktuellen Studie zum Thema Netzbegriffe kannte.

Welchen Vorteil bringt es, eine Apple-Watch an das Kommunikationssystem des Autos anzubinden, die zum Funktionieren das schon angebundene iPhone braucht?

Und warum sollte mein Auto auch noch die ohnehin fehlerhaften Fitnessdaten eines Armbands auslesen wollen? Das geht die Karre gar nichts an, die soll fahren. Wären wir fitter, würden wir ja laufen. Allerdings nicht bis nach Genf.

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