Zweiradikone der 70er Jahre
BMW R 90 S: Eine „Gummikuh“ boxt sich nach oben

Mit geringen Mitteln viel erreichen - das hat BMW mit der R 90 S auf die Spitze getrieben: Zu ihrer Zeit war die "S" begehrt, und bis heute ist sie eine der Zweiradikonen der 70er Jahre.

dpa/tmn MÜNCHEN. Dabei war ihre Entstehung simpel: Der Hersteller nahm die bestehenden Modelle als Basis und den Motor mit dem größten Hubraum, spendierte schicken Lack und baute eine Verkleidung an den Lenker. Daraus wurde die schnellste Zweizylinder-Maschine des beginnenden Jahrzehnts.

Zu Beginn der 70er Jahre ließen es die europäischen Hersteller gemütlich angehen. Oft waren es Zweizylindermotoren, die für Vortrieb sorgten - auch bei BMW. Eine BMW jener Zeit war ein wenig aufregendes Motorrad mit großem Tank und gemütlicher Sitzbank.

Man hatte mit der R32 1923 das erste Motorrad mit Boxermotor und Kardanwelle präsentiert und blieb der Kombination treu. 1955 kam eine Eigenschaft hinzu: Ab diesem Zeitpunkt hoben sich die Maschinen beim Anfahren hinten an - ein Journalist prägte den Begriff der "Gummikuh" für BMW-Motorräder. Das war es dann eigentlich an Bemerkenswertem.

Es hätte alles so weitergehen können, wäre da nicht der Tatendrang japanischer Ingenieure gewesen. Die bauten Motoren mit vier Zylindern und warteten mit immer mehr Leistung auf - mit Erfolg bei den Kunden.

Es war Zeit für BMW, Innovatives vorzustellen: Ein Spitzenmodell musste her - denn 1973 war auch das 50-jährige Bestehen des Hauses als Motorradhersteller zu bejubeln. Gefeiert wurde vor allem mit den Nachfolgern der /5-(Strich-Fünf)-Modelle durch die /6-Generation: die 60/6, die 75/6 und die 90/6. Der erste Teil der Bezeichnung war ein Hinweis auf die Hubräume: 600, 750 und 900 Kubikzentimeter.

Eine echte 900er hatte es bei BMW bis dahin nicht gegeben. Die 90/6 war aber ein Motorrad im klassischen BMW-Stil. Zum Topmodell taugte sie kaum. Diese Rolle sollte ein optisch und technisch weiter aufgewertetes Modell übernehmen: die R 90 S. Unter der schickeren Hülle unterschied diese sich aber nur wenig von den schwächeren Schwestern.

Was die R 90 S besonders machte, waren vor allem die Details. So gab es auch Leistung und Tempo. Vergaser der Marke Dell"Orto sorgten mit dafür, dass die 60 PS des Tourenmodells 90/6 zu 67 PS bei der R90s werden konnten. Damit beschleunigte der Zweizylinder in weniger als fünf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit mit aufrecht sitzendem Fahrer lag bei etwa 195 Stundenkilometern (km/h).

Auch 200 km/h sollten möglich sein. Dafür aber musste der Fahrer sich möglichst flach auf den Tank legen - wo er eine weitere Neuerung genießen konnte: Die R90s gilt als erstes Serienmodell der Welt mit einer Cockpitverkleidung. Sie sollte aerodynamische Vorteile bringen - vor allem aber gab sie der BMW eine eigenständige Optik.

Der Tank war neu geformt, und es gab eine Sitzbank mit Heckbürzel wie bei Kawasakis Z1. Doch erst die Speziallacke vereinten all das zur neuen Erscheinung: Die R90s gab es in Rauchsilber und Daytona-Orange - kunstvolle Lackierungen, bei denen die Farben verlaufend von Schwarz in Silber oder von Orange in Silber übergingen.

Obwohl eine BMW schon damals teuer war, konnten bis 1976 mehr als 17 000 Exemplare abgesetzt werden. Dann kam die R100s mit noch mehr Hubraum. Und die Beliebtheit hält bis heute an - mit der Folge, dass mehr gebrauchte R90s angeboten werden als existieren. Bastler geben sich viel Mühe, herkömmlichen 90/6 das Erscheinungsbild einer R90s zu verschaffen - nach dem Motto: mit geringen Mitteln viel erreichen.

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