Zweiradmesse Intermot in Köln
Italienische Momente: Deutsche entdecken Motorroller

Motorroller sollen der motorisierten Zweirad-Branche zu neuem Aufschwung verhelfen, und die Deutschen haben offensichtlich Geschmack an den stadt- und einkaufstauglichen Fahrzeugen nach dem Vorbild der italienischen Vespa gefunden.

HB KÖLN. „Die Roller sind im Trend. Es gibt Zuwächse bei Jugendlichen, aber auch bei Frauen und ganz allgemein“, sagte Albert Kockelmann, Motorrad-Koordinator des ADAC, vor der weltweit größten Motorrad- und Roller-Messe INTERMOT (11.- 15.10.) in Köln über die neuen Vorlieben seiner Landsleute.

Im ersten Quartal 2006 seien in Deutschland sogar erstmals mehr Kleinkraftroller abgesetzt worden als im klassischen „Rollerland“ Italien, teilte Hauptgeschäftsführer Reiner Brendicke vom Industrie- Verband Motorrad Deutschland (IVM) mit.

Vor allem in Innenstädten hätten die Kunden Vorteile im Vergleich zum Auto. „Die lästige Parkplatzsuche oder Knöllchen fallen weg“, sagt Kockelmann. „Roller sind frauenfreundlich. Wenn Sie möchten, könnten Sie in einem Kleid fahren“, sagte der ADAC-Mann. Und: „Sie können die Einkaufstüte mit den Joghurts aus dem Supermarkt schön verstauen.“

Laut Industrie-Verband sind Roller für viele Menschen angesichts hoher Spritpreise eine sparsame Alternative zum Zweitauto. Die Branche habe im Sommer vor allem Zuwächse bei kleinen Maschinen mit einem Hubraum um 50 Kubikzentimeter (19 Prozent Absatz-Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) und Leichtkraftrollern mit 125 Kubikzentimeter Hubraum (plus 8,5 Prozent) zu verzeichnen, hieß es.

„Da brummt es“, sagte Stephan Maderner vom Branchen-Fachmagazin „Bike Business“ über den Rollermarkt. Mit einem Mentalitätswandel der Deutschen hin zu mediterraner Lockerheit habe der Trend jedoch nichts zu tun: „Es ist nicht so, dass die Deutschen plötzlich das Laisser- faire entdeckt haben.“ Vielmehr seien Zweckmäßigkeit und Preise das Argument.

Auch sieht er den Trend nicht nur positiv. Dass die jahrelange Talfahrt der motorisierten Zweirad-Branche nach Verbandsangaben gestoppt scheint, sei vor allem preisgünstigen No-Name-Rollern aus China oder Taiwan zu verdanken. Der Markt für zulassungspflichtige Motorräder sei weiter rückläufig. Und ein Billig-Roller aus dem Baumarkt für unter 800 Euro sei problematisch für etablierte Hersteller. „Wenn etwas passiert, steht man allein da. Meist scheitert eine Reparatur daran, dass Ersatzteile fehlen.“

Für Motorrad-Marktführer Honda gelten vor allem die 40- bis 60- Jährigen als Zielgruppe für Roller, sagte Klaus Bescher, Manager für Produktplanung. „Und die Frauenquote ist überproportional hoch.“ Nach wie vor ist jedoch der größte deutsche Markt laut Brendicke der für Motorräder über 750 Kubikzentimeter Hubraum („Big Bikes“). Daher gebe es immer mehr Facetten vom sehr sportlichen Motorrad bis hin zum bequemen Reisefahrzeug. „Navigationssysteme sind ein großer Trend. Der Sicherheitsaspekt ist wichtig, ABS haben fast alle“, so Maderner. Honda stellte am Montagabend als erstes Unternehmen ein Motorrad („Gold Wing“) mit Airbag vor. „Im ADAC-Test hat die Neuheit sehr gut abgeschnitten“, sagte Kockelmann.

Die erwarteten rund 200 000 Besucher bekommen auf der INTERMOT auch Shows, Premieren und Mitmach-Möglichkeiten geboten. Die Preisspanne der Fahrzeuge reicht laut IVM-Hauptgeschäftsführer Brendicke von 1200 Euro für Mofaroller über 30 000 Euro für „Big Bikes“ bis hin zum Luxus-Gerät für 100 000 Euro.

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