Zweitwagen
Wechselkennzeichen bringen doch keine Steuervorteile

Wer sich künftig ein Wechselkennzeichen für seine Autos zulegt, wird wohl doch keine Steuererleichterungen bekommen können. Politik und Versicherer wollen nicht auf die Einnahmen verzichten.
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Frankfurt, BerlinZunächst klang das Vorhaben von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vielversprechend: Besitzer mehrerer Fahrzeuge können künftig ein Wechselkennzeichen nutzen und so Steuern und Versicherungsprämie sparen. Einzige Bedingung: Die beiden Fahrzeuge können nicht mehr zeitgleich bewegt werden.

Doch das bereits vor über einem Jahr vollmundig angekündigte Projekt wird zur Farce. Wie aus Regierungskreisen verlautet, ist inzwischen klar, dass es doch keine Steuererleichterungen geben wird. Nur Elektrofahrzeuge sollen von der Steuer befreit werden. Ansonsten fällt für jedes Fahrzeug eines Eigentümers weiterhin die Kfz-Steuer an. Und auch die Versicherungsbranche ist - anders als zunächst gehofft - nicht bereit, dass nur das teuerste Fahrzeug versichert und das zweite Fahrzeug kostenlos mitversichert wird. Worin, fragen sich die Autofahrer, soll dann aber der Sinn eines Wechselkennzeichens liegen?

Auch keine Ersparnis bei der Versicherung

Die genauen Details werden derzeit zwischen Verkehrs- und Finanzministerium ausgehandelt. Inzwischen schält sich heraus, dass das Wechselkennzeichen nur für zwei und nicht wie zunächst gedacht drei Fahrzeuge gelten wird. Dabei muss es sich um Fahrzeuge der gleichen Kategorie handeln - ein Kennzeichen für ein Auto kann also nicht für ein Motorrad genutzt werden. Das entsprechende Gesetz oder die Verordnung soll im kommenden Jahr in Kraft treten kann.

Nicht nur die Politik, auch die Versicherer wollen nicht auf ihre Einnahmen verzichten. "Jedes Auto wird weiterhin seine eigene Haftpflichtpolice bekommen", sagt ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Zuvor war lange Zeit spekuliert worden, künftig müsse nur noch für das teuerste Auto die Prämie bezahlt werden. In Österreich wird dies so gehandhabt.

Prämien richten sich nach den Schäden

"Hierzulande funktioniert das nicht", sagt der GDV-Sprecher. "Im Gegensatz zu Österreich berücksichtigen deutsche Versicherer beispielsweise die Kilometerlaufleistung. Daher ist Wenigfahren automatisch mit eingepreist - egal, welches Kennzeichen vorne dranhängt." Vielleicht würden einige Anbieter immerhin Rabatte gewähren, aber Spielraum gebe es dafür kaum noch.

Seit Jahren gibt es einen starken Preiskampf in der KFZ-Versicherung. Die meisten Versicherer schreiben hier rote Zahlen. Studien zeigen, dass die Prämien, die die Kunden zahlen, dem Niveau von Anfang der 1980er-Jahre entsprechen.

In der Kaskoversicherung ist ebenfalls kaum mit Vergünstigungen zu rechnen. "Auch ein Auto, das nicht bewegt wird, kann etwa durch schweren Hagel beschädigt werden", sagt eine Allianz-Sprecherin. Wie die Tarife für Wechselkennzeichen aussehen werden, wolle man entscheiden, wenn die gesetzliche Regelung klar ist. Auch ein Sprecher des Marktführers Huk-Coburg weist darauf hin, dass die Prämien sich immer an den Schäden orientieren würden. Da kaum mit weniger Schäden gerechnet werde, dürften auch die Rabatte nur gering ausfallen.


Kommentare zu " Zweitwagen: Wechselkennzeichen bringen doch keine Steuervorteile"

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  • Typisch deutsch, was woanders klasse funktioniert, kann ja in Deutschland nicht sein. Welcher Idiot wird sich ein Wechselkennzeichen zulegen, wenn er dadurch das zweite Fahrzeug nicht gleichzeitig bewegen kann, aber die vollen Kosten tragen soll? Für wie blöd hält uns die Politk?

    S.Scholle

  • Glückliches Österreich: keine AKWs im Land (weil Bürgerbefragung), einfaches Mautsystem ohne vorheriges Milliardengrab, Wechselkennzeichen, usw. Früher wurden die Ösis mal von uns belächelt, heute schauen die mitleidig auf uns. Unsere Politiker sind doch nur noch armselige Hampelmänner, die vor allem auf sich selbst schauen.

  • Ich würde da noch weiter gehen. Typisch dummes Politiker-Pack. Da beschäftigen sie sich mit ursprünglich guten Ideen und treiben sie sinnlos bis zur Absurdität. Denn es will ja niemand auf seine Einnahmen verzichten. Der Deutsche lässt sich nunmal gerne ausnehmen. Dafür geht er dann immer schön brav wählen und legitimiert damit den Griff der Politiker in seine Brieftasche.

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