Zwischen S-Klasse, A8 und 7er
Maserati will mit Business-Limousinen punkten

Der zum Fiat-Konzern gehörende Sportwagenhersteller Maserati will in den kommenden vier Jahren stark wachsen und zielt dabei insbesondere auf das Segment der gehobenen Geschäftslimousinen.

HB REUTLINGEN. „Nach einem Konsolidierungsjahr 2006 wollen wir bis zum Ende des Jahrzehnts den Absatz auf rund 9 000 Fahrzeuge ausbauen“, kündigte der deutsche CEO Karl-Heinz Kalbfell am im Interview mit Dow Jones Newswires an.

Im vergangenen Jahr steigerte der im italienischen Modena ansässige Automobilhersteller mit der viertürigen Limousine „Quattroporte“ und den auf einer weiteren Plattform basierenden offenen „Gransport Spyder“ sowie dem “Coupe“ den Absatz um knapp 23 Prozent auf 5 639 Einheiten. Darin enthalten ist außerdem der Sportwagen MC 12. Vor acht Jahren hatte Maserati nur rund 600 Fahrzeuge pro Jahr abgesetzt. Für 2006 rechnet Kalbfell mit einem Absatz auf dem Niveau des Vorjahres.

Den weltweiten Markt der hochklassigen Geschäftslimousinen dominieren fast ausschließlich deutsche Premiumhersteller. Im vergangenen Jahr lieferten sich Daimler-Chrysler mit der Mercedes-Benz „S-Klasse“ und BMW mit dem „7er“ ein Kopf- an-Kopf-Rennen, das BMW mit etwas über 50 000 Einheiten knapp gewann. Außerdem verkaufte die zum VW-Konzern gehörende Marke Audi über 21 000 des „A8“.

Die Wachstumshoffnungen von Maserati basieren in erster Linie auf die große, viertürige Limousine „Quattroporte“, von der im vergangenen Jahr 4 000 Fahrzeuge weltweit verkauft wurden. Dennoch sieht sich Kalbfell auf dem richtigen Weg: “Wir haben mit dem 'Quattroporte' in einem hart umkämpften Markt einen ziemlichen Erfolg hingelegt.“ Im Segment der Luxuslimousinen über 100 000 US-Dollar habe Maserati 2005 rund 1 800 „Quattroporte“ abgesetzt und sei damit Segmentführer in den USA.

Dennoch weiß auch Kalbfell, der vor seinem Engagement bei Fiat bzw. Maserati unter anderem bei BMW und Rolls Royce tätig war, dass sowohl an der Qualität der Fahrzeuge als auch an der Markenpositionierung noch gearbeitet werden muss. „Für Maserati reicht es nicht mehr, nur schicke neue Modelle auf den Markt zu bringen. Wir sind aber auf dem Weg, das Niveau des Wettbewerbs zu erreichen“, stellte er klar.

Außerdem soll die traditionsreiche Marke mit dem Dreizack des Neptunbrunnens von Bologna künftig als Hersteller alltagsauglicher und keineswegs luxuriöser Fahrzeuge positioniert werden. „Von der exotischen Einschätzung, was ein Maserati kostet, müssen wir uns distanzieren“, so Kalbfell, der das angestammte Segment für seine Fahrzeuge zwischen 90 000 und 130 000 Euro definiert.

Chancen, künftig noch stärker im Revier von BMW, Mercedes-Benz und Audi zu wildern, sieht der Manager vor allem, weil die Wettbewerber so erfolgreich ihre Oberklasselimousinen verkaufen. „Ab einer bestimmten Verbreitung tritt irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein und die Kunden suchen eine ausgefallenere Alternative“, glaubt Kalbfell.

Auch eine Bedrohung durch den Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche, der die viertürige Limousine „Panamera“ 2009 im gleichen Segment auf den Markt bringen will, spürt der CEO nicht: „Ich vermute, dass Porsche die angestammten Mitglieder des bisher elitären Clubs kräftig durcheinander wirbelt und wir unseren Anteil daran erhalten.“

Um für den nächsten Wachstumsschub im kommenden Jahrzehnt gerüstet zu sein, will Maserati ein weiteres Fahrzeugmodell auf die Straße bringen. „Wir denken beispielsweise über die Ausweitung der Marke nach unten nach“, so Kalbfell.

Dabei sieht er die Möglichkeit, eine Limousine im Preisbereich um 60 000 Euro anzubieten. Möglicherweise könnte aber auch ein Crossover-Fahrzeug im Sinne eines Sportwagens für die Familie kommen. Dass beide Fahrzeuge realisiert werden, schloss er aus.

„Das Wachstumsprogramm, das wir uns vorgenommen haben, ist für uns aufgrund der hohen Entwicklungskosten sehr herausfordernd“, stellt der CEO klar. Er betonte, dass Maserati operativ profitabel sei, aufgrund der hohen Investitionen netto aber noch nicht ganz schwarze Zahlen schreiben könne. „Wir stehen aber kurz vor dem Breakeven und sind an der Schwelle, wo wir selbst mit Investitionen in neue Modelle auf eigenen Beinen stehen müssen“, so Kalbfell.

Wann Maserati die Gewinnschwelle erreicht, wollte er nicht sagen. Er hob jedoch hervor, dass der Mutterkonzern Fiat den Wachstumskurs und die dazu notwendigen Investitionen „über das normale Maß hinaus“ unterstützt und dafür eine „solide Rendite“ erwartet. Längerfristig schloss er Kooperationen mit anderen Automobilherstellern außerhalb des Fiat-Konzerns aus: „Wir sind gut in die Gruppe eingebettet und können von dort alles erhalten, was wir brauchen.“

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