Auch beim Rosenkranz - Hände ans Steuer
Was der Papst Autofahrern ins Gebetbuch schreibt

"Das Auto soll für dich nicht Instrument der Macht, der Überlegenheit und ein Anlass zur Sünde sein", schreibt der Vatikan. Wer die Mahnungen befolgt, fällt möglicherweise weniger häufig als Verkehrssünder auf.
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Stuttgart/DüsseldorfAnlässlich des Papstbesuchs in Deutschland erinnert der Auto Club Europa (ACE) derzeit an die vor drei Jahren erschienene "Orientierungen für die Pastoral der Straße" des Vatikans. Atheisten mögen viele der salbungsvollen Zitate aus der Vatikan-Veröffentlichung als unfreiwillig komisch empfinden. Doch wer die Mahnungen des Papstes zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr befolgt, fällt möglicherweise weniger häufig als Verkehrssünder auf.

"Das Auto soll für dich nicht Instrument der Macht, der Überlegenheit und ein Anlass zur Sünde sein. Überzeuge mit Nächstenliebe die jungen Leute und auch den, der nicht mehr jung ist, dass sie sich nicht ans Steuer setzen, wenn sie nicht dazu in der Lage sind", heit es da beispielsweise. Die "Orientierungen" umfassen 48 Seiten und enthalten 84 Abschnitte mit tiefsinnigen Überlegungen, die die katholischen Schriftgelehrten über den modernen Straßenverkehr angestellt haben.

Unter anderem setzen Sie sich mit dem "Phänomen der menschlichen Mobilität" und den "Moralischen Aspekten des Fahrens" auseinander. Aus Sicht des ACE wirkt die theologische Art der Verkehrserziehung aber "nur im ersten Moment etwas kurios", bei eingehender Lektüre erwiesen sie sich aber als lehrreiches Kompendium für eine neue Kultur im Straßenverkehr, so der Club.

Selbst diejenigen, die nichts vom Papst oder der katholischen Kirche halten, dürften viele der Forderungen der "Orientierungen" unterschreiben: Gegenseitige Rücksicht, Verständnis für die Schwächen des anderen, nicht auf sein vermeintliches Recht bestehen. Wer diesen Maximen im Straßenverkehr folgt, trägt dazu bei, dass der Verkehr flüssig und gefahrenarm rollt.

Aus Rom kommen aber auch eindeutige Warnungen davor, das Auto zum Ausleben von Machtinstinkten und zur Selbstdarstellung zu missbrauchen. "Es ist nicht schwierig festzustellen, dass niemand es erträgt, als schlechter Fahrer zu gelten, auch wenn man zugeben kann, es zu sein", heißt es da in ungewohnter Offenheit und: "Beim Fahren findet eine Regression zu primitiven Verhaltensweisen statt."
Vorschläge, wie man aus Sicht des Vatikans der Lage Herr wird, finden sich viele. Da wird an die edleren Neigungen im Inneren des Menschen appelliert, an deren Verantwortungsbewusstsein und Selbstkontrolle. Aber auch daran, die Verkehrsgesetze zu kennen und zu achten sowie dafür zu sorgen, dass die sicherheitstechnischen Voraussetzungen des Fahrzeugs erfüllt sind. Die Professionalität des Fahrers zeigt sich in der Fähigkeit, Gefahren einzuschätzen und zu vermeiden. Nicht nur für sich, sondern auch gegenüber seinen Mitfahrern und anderen.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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