Ausraster im Straßenverkehr

„Alte Sau“ zehnmal teurer als „Bekloppter“

Dem Autonachbarn den Mittelfinger entgegen recken, ihm einen Vogel zeigen, oder mit Worten beleidigen: Nicht wenige Autofahrer tun das. Wird man angezeigt, kann das aber richtig teuer werden.
Nerven behalten, auch wenns stressig wird, und lieber still in sich hineinfluchen. Unflätige Gesten und Beleidigungen können schnell teuer werden. Quelle: PR
Beleidigung im Straßenverkehr

Nerven behalten, auch wenns stressig wird, und lieber still in sich hineinfluchen. Unflätige Gesten und Beleidigungen können schnell teuer werden.

(Foto: PR)

Innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Gelassenheit gehen vielen Menschen ab, sowie sie zu Verkehrsteilnehmern werden. Dann weicht Souveränität nur allzu oft kleinlichem Egoismus, gute Manieren werden durch schlechtes Benehmen ersetzt.

Die Folge sind Stress, Hektik und Aggressivität, die sich zunehmend in Beschimpfungen, Beleidigungen, Nötigungen bis hin zu körperlicher Gewalt niederschlagen. Dass damit häufig eine Straftat einhergeht, die richtig teuer werden kann, machen sich offenbar die Wenigsten klar.

Dabei sind sich die Bundesbürger ihrer zeitweiligen Erregbarkeit im Verkehr durchaus bewusst: In einer Untersuchung gaben jüngst immerhin 96 Prozent der befragten deutschen Autofahrer zu, hinter dem Steuer gelegentlich zu schimpfen und zu meckern.

Jeder Fünfte lässt sich demnach dazu hinreißen, seinen mobilen Mitmenschen eine Unfreundlichkeit mit auf den Weg zu geben. Ein Viertel der Autofahrer zeigt schon mal einen „Vogel“ und 14 Prozent scheuen auch vor dem „Stinkefinger“ nicht zurück. 

Wer auffährt, hat Schuld – oder?
Populäre Verkehrsirrtümer, - und was wirklich dran ist:
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Wer auffährt, hat immer Schuld. Und auf dem Parkplatz gilt immer rechts vor links. Moment mal: Stimmt das wirklich? Die Frage, was im Straßenverkehr erlaubt oder verboten ist, erhitzt regelmäßig die Gemüter. Dabei haben sich im Laufe der Zeit Legenden gebildet, die sich zwar hartnäckig halten, jedoch nicht unbedingt wahr sind. Unser Überblick zeigt einige prominente Beispiele.

Bitte beachten Sie aber: Die Inhalte sind allgemein und informativ und verstehen sich ausdrücklich nicht im Sinne einer juristischen Fachpublikation. Selbst vorgestellte Urteile sind für andere Gerichte nicht rechtsverbindlich. Diese können einen Fall völlig anders bewerten.

Annahme: Nach einem Unfall müssen die Fahrzeuge genau so stehen bleiben, bis die Polizei da ist.
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Diese Annahme ist falsch. Können die Beteiligte nach einem Zusammenstoß mit ihren Autos noch weiterfahren, sollten sie sogar die Straße räumen um den Verkehr nicht zu behindern. Wer zur Dokumentation die Position der Unfallfahrzeuge nicht umständlich mit Kreide auf der Straße markieren will, macht schnell mit dem Smartphone ein paar Fotos von der Unfallsituation.

Wer einem anderen hinten drauf fährt, hat Schuld. Das ist zwar häufig richtig, aber keine generell anwendbare Regel.
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Einer der ältesten Verkehrsirrtümer besagt, dass der Auffahrende immer schuld ist. Je nach Verhalten des Vorausfahrenden trifft ihn jedoch auch eine Teilschuld. Hat er nachweislich den Auffahrunfall provoziert, zum Beispiel durch eine vorsätzliche scharfe Bremsung, trägt der Vordermann sogar die volle Schuld. Allerdings muss man dies auch beweisen können.

Rechts darf man nicht überholen! Oder doch?
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Das Rechtsfahrgebot besagt zwar, dass möglichst rechts gefahren wird, aber nicht, dass sobald auf einer mehrspurigen Straße rechts eine Lücke auftaucht, diese auch genutzt werden muss. Der mittlere Fahrstreifen einer dreispurigen Autobahn beispielsweise darf auch über längere Zeit befahren werden, wenn er nicht zum Überholen genutzt wird.

Jedoch dürfen andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert werden, was zum Beispiel bei dauerhaftem Tempo 100-Fahren auf der linken Spur der Fall wäre. Wer bei einem solchen Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot erwischt wird, zahlt sogar Strafe.

Rechts überholen: Und was gilt bei Stau?
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Zwar darf nicht aus Ärger über einen Links-, oder Mittelspurkriecher einfach rechts überholt werden, aber beispielsweise bei zähfließendem Verkehr auf der Autobahn spricht nichts dagegen. Allerdings muss die Geschwindigkeit ähnlich wie auf der linken Spur sein und der Autofahrer natürlich gut aufpassen.

Annahme: Nach einem kleinen Parkrempler reicht es, dem Geschädigten eine kurze Notiz zu hinterlassen.
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Falsch! Ein Zettelchen an der Windschutzscheibe mit Telefonnummer und Name reicht nicht um den Fahrer des beschädigten Fahrzeuges zu informieren. Der Schadenverursacher ist verpflichtet, den Geschädigten ausfindig zu machen oder auf ihn zu warten.

Mindestens 20 Minuten, empfiehlt der Auto Club Europa. Auf einem Supermarktparkplatz sollten Unfallverursacher nicht vor einer halben Stunde Wartezeit wegfahren, empfiehlt die Deutsche Anwaltauskunft. Wenn trotz Wartezeit niemand kommt, sollte man die Polizei einschalten.

Zunächst genügt ein Telefonat, in dem die Unfall-Umstände geschildert werden. Erst danach hinterlässt man einen Zettel mit Kontaktdaten hinter dem Scheibenwischer.

Ohne die Polizei informiert zu haben kann der Zettel allein bereits den Tatbestand der Unfallflucht erfüllen, warnen die Experten. Sicherheitshalber sollte man den Unfall anschließend auf einer Polizeidienststelle aufnehmen lassen.

Wird es besonders teuer, wenn Sie diese Freunde und Helfer als „Trachtengruppe“ oder „Raubritter“ bezeichnen?
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Ob Verkehrspolizist oder Finanzamtmitarbeiter, wer gegenüber einem Beamten ausfällig wird, dem droht eine besonders hohe Strafe, glauben viele Menschen. Doch das ist falsch. Einen Tatbestand „Beamtenbeleidigung“ kennt das deutsche Strafrecht nicht.

Wenn Sie einer Politesse den Stinkefinger zeigen, zahlen Sie also nicht mehr, als wenn Sie einen Passanten anrüpeln. Trotzdem begeben Sie sich auf besonders dünnes Eis, wenn Sie gegenüber einem Beamten ausfällig werden. Denn während Normalsterbliche nur selbst Strafanzeige erstatten können, wird bei „Beamtenbeleidigung“ auch der Dienstvorgesetzte aktiv.

Doch solche „Ausraster“ können gefährlich sein, nicht nur weil sie gegebenenfalls auch Aggressivität auf der Gegenseite stimulieren. Eine Beleidigung im Straßenverkehr stellt eine Straftat nach Paragraph 18 im Sinne des Strafgesetzbuchs dar und kann somit eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe zur Folge haben. Und das betrifft verbale Entgleisungen ebenso wie beleidigende Gesten.

Es gibt zwar keinen festen Bußgeldkatalog für Beschimpfungen und beleidigenden Gesten. Aber ein Blick auf Gerichtsurteile lässt eine ungefähre Einschätzung zu, was entsprechende Verhaltensweisen kosten können. Ein kleiner Auszug aus dem „Kostenkatalog“ der Verunglimpfungen gefällig?

Für eine Beleidigung können Richter Strafen zwischen zehn und dreißig Tagessätzen verhängen. Letzteres entspricht einem Nettomonatsgehalt. Im Wiederholungsfall sind auch mehr Tagessätze möglich, eventuell sogar eine Haftstrafe.

Mit in die Bewertung hinein spielen die Umstände der Tat und, ob der Betreffende Erst- oder Wiederholungstäter ist. Punkte in Flensburg bekommt man für eine Beleidigung seit der Reform 2014 nicht mehr, da es sich nicht um einen sicherheitsrelevanten Verkehrsverstoß handelt.

Konkret ahnden Gerichte einen gestreckten Mittelfinger mit Geldbußen zwischen 600 Euro und 4000 Euro, Fingertippen an die Stirn kostet 750 Euro und für einen „Bekloppter“ sind 250 Euro sowie 2500 Euro für eine „alte Sau“ fällig.

Auch vermeintlich besonders clevere Rüpel, die ihre Beleidigungen in Formulierungen kleiden, wie „am liebsten würde ich jetzt Arschloch zu Dir sagen“ gehen nicht straffrei aus. Im konkreten Fall wurden dafür 1.600 Euro fällig.

Beschimpfungen wie „leck mich doch“ oder „dumme Kuh“ wurden dagegen von den Gerichten mit rund 300 Euro belegt.

Besonders streng ahnden Richter Beschimpfungen von Staatsbediensteten wie Polizeibeamten, auch wenn es den Straftatbestand der „Beamtenbeleidigung“ so gar nicht gibt. Denn hierbei wird indirekt auch der Staat beleidigt. Deshalb erstattet in solchen Fällen der Ordnungshüter meist gemeinsam mit seinem Dienstherrn Anzeige.

„Raubritter“ für 1500 Euro
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