Benzinpreise
Was man gegen die Abzocke tun kann

Ungewöhnlich scharf greifen derzeit die mächtigen deutschen Autoclubs die noch mächtigeren Mineralölkonzerne an. Der Vorwurf: Trickserei an der Zapfsäule. Doch die Autofahrer sind nicht ganz wehrlos.
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DüsseldorfDer Auto Club Europa (ACE) findet für seine Verhältnisse ungewöhnlich scharfe Worte: Er wirft den großen Ölkonzernen jetzt vor zu tricksen. Sie zögen ihre Kunden über den Tisch, indem sie ohne triftigen Grund die Gewinnspannen für Mineralölprodukte massiv in die Höhe getrieben hätten, schrieb der Stuttgarter Autoclub. Zwar seien auch die Handelspreise für Rohöl und anschließend die Einkaufspreise für die Tankstellen erhöht worden, so der ACE, damit ließen sich aber nicht die exorbitanten Preisaufschläge rechtfertigen, die gegenwärtig die Endkunden zu schultern hätten.
Der Hintergrund: An den deutschen Tankstellen war es bereits am Montag zu rekordverdächtig hohen Preisen bei fast allen Kraftstoffsorten gekommen, das hohe Niveau gab bis zum heutigen Freitag nur um wenige Cent nach. Die Bild Zeitung berichtete über einen Rentner, der in Landshut nach einem Streit über den Spritpreis an einer SB-Tankstelle einen Herzanfall erlitt, er "starb noch an der Preistafel".

Der ACE schätzt, dass die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis und damit der Rohertrag bei den Markentankstellen derzeit weit mehr als zehn Prozent beträgt. Die Multis könnten sich in der gegenwärtigen Situation und angesichts des starken Dollarkurses aber auch mit der Hälfte bescheiden, ohne deshalb am Hungertuch nagen zu müssen, argumentiert der Club - und fordert die Mineralölanbieter auf, ihre Preiskalkulation offenzulegen.
Bei einer 50-Liter Tankfüllung Super plus (ca. 87,50 Euro) werden derzeit mehr als 7,50 Euro alleine aus dem Tankstellengeschäft in die Kassen der Multis gespült, schätzt der ACE. Hinzu kämen noch Milliarden schwere Einnahmen der Multis aus deren Beteiligung an der Wertschöpfungskette, die vom Ölbohrloch über Tanker, Pipelines und Raffinerien bis zur Zapfsäule reiche.

Leichte Entspannung am Freitag

Heute fielen die Spritpreise wieder etwa, nach den Rekordwerten vom Mittwoch. Superbenzin kostete am Freitagmittag beim Marktführer Aral 5 Cent weniger als zwei Tage zuvor, Diesel gab sogar um 5,5 Cent nach. Für E10 wurden dem Unternehmen zufolge um 12.00 Uhr im bundesweiten Durchschnitt 1,586 Euro fällig, für E5 1,616 und für Diesel 1,473 Euro.


Von der Bundesregierung fordert der ACE, sie solle unverzüglich Schlüsse aus der jüngsten Stellungnahme des Bundeskartellamtes ziehen. Die Bonner Wettbewerbshüter hatten den großen Ölkonzernen vorgeworfen, sie würden ihre Marktmacht ausnutzen und die Spritpreise künstlich nach oben treiben. "Der Markt wird von fünf großen Mineralölkonzernen gemeinsam beherrscht, die sich gegenseitig wenig Wettbewerb machen", sagte Behördenchef Andreas Mundt jetzt der "Rheinischen Post". "In diesem Oligopol sind die Konzerne in der Lage, Preissteigerungen im Großhandel an die Benzin-Verbraucher weiterzugeben."

Boykott-Aufruf über Facebook

Im Netz formiert sich jetzt ein massiver Aufstand. Ein Facebook-Nutzer hat die Veranstaltung „Am 1.3. in ganz Deutschland nicht tanken“ erstellt - und wird von einer Solidaritätswelle überrollt. Mehr als eine Million Autofahrer wollen bereits teilnehmen. Und es werden sekündlich mehr.

Denn viele Autofahrer mutmaßen derzeit, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zwei-Euro-Marke fällt. Schuld an den hohen Kraftstoffpreisen sind in erster Linie die nach wie vor hohen Rohölpreise und der schwache Euro, der die Dollar abgerechneten Importe zusätzlich verteuert. Dazu kommen eine Kältewelle in Europa und der Konflikt mit dem wichtigen Ölförderland Iran.

ADAC-Präsident Peter Meyer forderte die Politik auf, alles zu unternehmen, damit für Millionen Menschen die Mobilität wieder bezahlbar wird. Dazu gehöre auch die Rücknahme der 2004 vorgenommenen Kürzung der Pendlerpauschale. Die Bundesregierung macht den Autofahrern aber wenig Hoffnung auf eine höhere Pendlerpauschale gemacht, die auch vom Autoclub Europa (ACE) und der Linkspartei gefordert worden war. „Eine Überprüfung ist im Augenblick bei uns nicht angedacht“, sagte eine Sprecherin von Finanzminister Schäuble mit Blick auf Forderungen nach einer Erhöhung der Pauschale von 30 auf 40 Cent je Kilometer. Die Steuerentlastung werde ohnehin verkehrsmittelunabhängig gewährt.

Denn teures Öl und Benzin könnten dem Ifo-Institut zufolge auch die wirtschaftliche Erholung in Deutschland bedrohen. „Mit den steigenden Kraftstoffpreisen ist ein weiteres Risiko hinzugekommen“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger anlässlich der Vorlage des aktuellen Geschäftsklimaindex. „Das kann den privaten Konsum belasten, ebenso die Autobranche.“

Doch den Autofahrern selbst sind natürlich auch nicht die Hände gebunden. Die wichtigsten Spritspar-Tipps haben wir hier zusammengefasst.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt Online / Redakteur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse)
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Benzinpreise: Was man gegen die Abzocke tun kann"

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  • huju, dann kann ich meinen e-roller endlich mit atom- und kohlestrom aufladen.
    die leute begriefen es einfach nicht, warum es den aktuelle e-hype gibt

  • Gibt doch mittlerweile genug Fahrzeuge, die mit Autogas oder Erdgas fahren.

  • http://www.facebook.com/groups/gegen.spritpreisabzocke/ wir brauchen unterstützung http://www.facebook.com/events/243649235722320/ http://www.facebook.com/events/119873194805606/ bitte helft uns soviele wie möglich daaaaaanke

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