Datenschutz im Auto
Der allwissende Blechkamerad

Moderne Fahrzeuge haben mehr Elektronik an Bord als die erste Raumfähre. Dadurch fallen Daten an, die gespeichert und teils übertragen werden. Viele Fahrer ahnen nicht, was sich ihr Auto so alles merkt - und sendet.
  • 0

Stuttgart/MünchenOhne Elektronik funktioniert in einem modernen Auto fast nichts mehr. Inzwischen haben selbst Kleinwagen mehr Rechnerkapazität an Bord als die erste Raumfähre. Die Computer und Steuergeräte im Wagen sammeln Daten, die viel über das Auto aussagen - aber auch über den Fahrer.

Die kleinen Rechner mit großer Kapazität können Informationen wie Geschwindigkeit, Bremsleistung, Beschleunigung, Raddrehzahl und Querbeschleunigung verarbeiten und speichern. Das dient unter anderem der Überwachung wichtiger Fahrzeugbauteile, um einen störungsfreien und sicheren Fahrbetrieb zu gewährleisten.

Mit diesen Daten lassen sich aber auch Rückschlüsse auf das Fahrverhalten ziehen. Nach einem Unfall beispielsweise sind das interessante Informationen für Polizei, Staatsanwälte und Versicherungen.

Bisher bleiben die meisten Daten noch im Bordsystem und lassen sich nur per Diagnosegerät in der Werkstatt auslesen. Durch Infotainmentsysteme mit GPS-Modulen und Internetverbindung kann sich das aber schnell ändern. Einzelne Fahrzeuge von BMW verschicken schon jetzt über eine Telefonkarte im Hintergrund Fahrzeugzustandsdaten.

Sie werden an die BMW-Zentrale übermittelt, die leitet sie an die vom Kunden bevorzugte Werkstatt weiter, damit diese einen Termin für fällige Servicearbeiten vorschlagen kann.

Das Bayerische Landesamt für Datenschutz fordert schon länger mehr Transparenz, damit Autofahrer wissen, was mit ihren Daten geschieht. Gemeinsam mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die Behörde eine Muster-Information erstellt, die künftig in die Betriebsanleitungen von Fahrzeugen aufgenommen werden soll.

"Die gesammelten Daten im Auto nehmen zu, auch die personenbezogenen Daten", sagt Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht. Autobesitzer sollten sich beim Hersteller informieren, welche Daten in ihrem Wagen gesammelt und welche übertragen werden.

Bei Diensten, die nicht aus technischen Gründen benötigt werden, sollte man sich bewusst entscheiden, ob man den Datenfluss will oder nicht. Vor allem die neuen Assistenzsysteme bieten laut Kranig die Möglichkeit, ein Fahrerprofil zu erstellen, was nicht unbedingt jedem Fahrer recht ist.

Seite 1:

Der allwissende Blechkamerad

Seite 2:

Kommentare zu " Datenschutz im Auto: Der allwissende Blechkamerad"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%