Durchs Handy ersetzt
Aus für rund 2.000 Notrufsäulen

Für die Notrufsäulen an deutschen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen kommt das Aus. Sie werden bis zum Jahresende abgebaut. Auf den Autobahnen bleiben die Säulen aber erhalten.
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Stuttgart/DresdenFür die Notrufsäulen an deutschen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen kommt das Aus. Sie werden bis zum Jahresende abgebaut, wie die Björn-Steiger-Stiftung in Stuttgart auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd mitteilte. Zur Begründung hieß es, die Notrufsäulen seien nicht mehr finanzierbar. Außerdem habe die heute selbstverständliche Handynutzung sowie die nun mögliche Ortung von Mobiltelefonen die Säulen zuletzt zunehmend überflüssig gemacht.

Bundesweit gibt es nach Angaben der Stiftung noch rund 2.000 dieser Säulen. „Die Kosten für Wartung und Telefongebühren waren am Ende einfach zu hoch“, sagte Stiftungs-Sprecherin Melanie Storch. Außerdem sei der Vandalismus seit den 90er-Jahren zunehmend zum Problem geworden. Mutwillig zerstörte Anlagen hätten in den vergangenen Jahren bereits nicht mehr ersetzt werden können.

Seit 1971 waren durch die Stiftung bundesweit insgesamt mehr als 7.000 Notruftelefone installiert worden. Jährlich musste die Organisation zuletzt nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Euro an Telefongebühren und Wartungskosten aufbringen. Nun ist das Ende der Säulen beschlossen. Im Schnitt wurden die Telefone nach den Angaben vor fünf Jahren 1,6 Mal jährlich genutzt. „Dieser Wert ist inzwischen deutlich gesunken“, sagte Storch. Aktuelle Zahlen würden nicht mehr erhoben.

Nicht betroffen vom beschlossenen Abbau sind die derzeit rund 16.000 Notrufsäulen an den deutschen Autobahnen, für die der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) zuständig ist.

ADAC von Entscheidung überrascht

Christoph Hecht, Verkehrsexperte des ADAC, zeigte sich überrascht vom kompletten Aus für die Notrufsäulen an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Er sehe darin aber kein Sicherheitsrisiko. „Diese Telefone werden heute kaum noch genutzt“, sagte er. Die langfristige Lösung sei ein System, das Notrufe nach einem Unfall automatisch aus dem Auto in eine Leitstelle übermittelt, inklusive der genauen Ortsangabe. Das Projekt komme derzeit allerdings nur schleppend voran.

Die Björn-Steiger-Stiftung wurde 1969 von den Eltern eines Jungen gegründet, der kurz zuvor nach einem Verkehrsunfall gestorben war. Die Rettungskräfte waren damals erst eine Stunde nach dem Notruf am Unglückort gewesen. Aufgelöst wird die durch Sponsoren, Spendengelder und Bußgeldzuweisungen von Gerichten finanzierte Stiftung deswegen jedoch keineswegs. „Durch den Aufbau unseres Ortungssystems für Handys konnten wir die Hilfszeiten noch einmal deutlich verkürzen“, sagte Storch.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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