Enfernungspauschale
Kilometerzahl beim Arbeitsweg muss stimmen

Trägt jemand in seine Einkommensteuererklärung zu viele Kilometer für den täglichen Weg zur Arbeit ein, kann das sogar als Steuerhinterziehung gewertet werden. Zumindest, wenn der Fehler sehr offensichtlich war.
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DüsseldorfEine kaufmännische Angestellte, die nicht am Wohnort arbeitete, gab für die Fahrstrecke zum Arbeitsort in ihrer Steuererklärung eine Entfernung von 28 Kilometern an. Schon im Jahr darauf wurde sie allerdings in einen andere Stadt versetzt, die zufälligerweise auf der ursprünglichen Strecke lag. Trotzdem trug die Frau weiterhin in alle folgenden Steuererklärungen einen Arbeitsweg von unverändert 28 Kilometer ein, obwohl es in Wirklichkeit nur noch zehn Kilometer waren.
Als das 2006 einem Sachbearbeiter schließlich auffiel, änderte der Fiskus alle vorangegangen Steuerbescheide und verlangte eine entsprechend deftige Steuernachforderung. Begründung: Da die Frau Steuern hinterzogen habe, gelte eine zehnjährige Verjährungsfrist.

Dagegen wehrte die Frau sich gerichtlich. Sie sei, zwar irrtümlich, wie sie inzwischen wisse, davon ausgegangen, dass die von ihr angegebene Entfernung den tatsächlich gefahrenen Kilometern entsprach. Die Bearbeiter im Finanzamt hätten dagegen schon in all den Jahren zuvor merken müssen, dass da etwas nicht stimmen könne.
Mit dieser Ansicht unterlag die Klägerin allerdings beim Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Az. 3 K 2635/08). Der Frau müsse schon deshalb, weil sie in ihrer ersten - noch richtigen - Steuererklärung selber angegeben, mit ihrem Pkw die Route über die später dann zum Arbeitsort gewordenen Stadt zu nehmen, sich des kürzeren Arbeitsweges bewusst gewesen sein, so die Richter. Da ihre Angabe weder widersprüchlich noch zweifelhaft war, musste der Fehler nicht zwangsläufig im Amt auffallen. Nicht jeder Bearbeiter verfüge über Ortskenntnis, hieß es.

Fazit: Trägt jemand in die jährliche Steuererklärung zu seinem Einkommen zu viele Kilometer für den täglichen Weg zur Arbeit ein, kann das als Steuerhinterziehung gewertet werden. Zumindest dann, wenn der Fehler so offensichtlich war, dass er nicht erst dem Steuerbeamten hätte auffallen müssen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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