Fahrradklau in Deutschland

Rad-Diebstahl hat jetzt Hochkonjunktur

Fast 1000 Räder werden in Deutschland pro Tag gestohlen. Regional ist das Risiko für den Diebstahl aber sehr unterschiedlich. Stuttgart ist ein sicheres Pflaster, Münster und Leipzig sind Klau-Hochburgen.
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Fahrradklau in Deutschland - Das sind die Diebstahl-Hochburgen 2016 Quelle: SP-X/Mario Hommen
Fahrraddiebe sind jetzt besonders aktiv

Denn in den Monaten Mai bis August gehen 44 Prozent aller Fahrraddiebstähle in Deutschland „über die Bühne“.

Die ersten warmen Sonnenstrahlen treiben sie wieder hinaus an die frische Luft: die Fahrradfahrer. Zu Tausenden bevölkern sie mittlerweile wieder die Straßen und Wege. Doch auch die Fahrraddiebe legen sich wieder voll ins Zeug. Für sie beginnt nun die wichtigste Zeit des Jahres. Denn in den Monaten Mai bis August gehen 44 Prozent aller Fahrraddiebstähle in Deutschland „über die Bühne“.

Im Jahr 2016 wurden deutschlandweit 332.486 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Über 200.000 dieser Diebstähle wurde in den 100 größten deutschen Städten und in 60 Landkreisen registriert. In seiner alljährlichen Auswertung dieser Zahlen hat das Preisvergleich-Portal Billiger.de wieder einmal regional gravierende Unterschiede herausgefunden. So bleibt Münster Hochrisiko-Stadt schlechthin, während in einer Großstadt wie Stuttgart der Fahrradklau vergleichsweise selten ist.

Die Hochburgen der Fahrraddiebe
Anzahl der Diebstähle 2015 leicht gesunken
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Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist im Jahr 2015 leicht gesunken: Insgesamt wurden bei den Behörden 335.174 Straftaten angezeigt – das sind etwa 4000 Fahrräder weniger als im Vorjahr. Mehr als 233.000 der gestohlenen Letzen entfallen auf die 160 größten deutschen Städte und Landkreise. Die durchschnittliche Aufklärungsquote lag gerade einmal bei 9,1 Prozent. Was am Ende bleibt, ist eine Schadensumme von über 160 Millionen Euro und viele unwiderrufliche Verluste.

Aufklärungsquote
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Ist das Rad einmal verschwunden, so bleibt es in den meisten Fällen auch dabei. Bei mehr als 90 Prozent der in Deutschland gemeldeten Diebstähle bleiben die Täter unerkannt. Im Bundesland Thüringen ist die Aufklärungsquote laut Studie besonders hoch: Bei 17,9 Prozent der Diebstähle wurde der Täter gefasst oder das Rad wiedergefunden. In den Stadtstaaten – Bremen, Hamburg und Berlin – ist die Aufklärungsquote mit etwa fünf Prozent deutlich niedriger.

Männlich, jung, diebisch
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Aus Angaben der zuständigen Behörden auf Landes- und Bundesebene lassen sich einige allgemeine Fakten über deutsche Fahrraddiebe skizzieren. So waren mehr als vier von zehn Diebe jünger als 21 Jahre. Und besonders auffällig: Fast jeder Fahrraddieb (92,2 Prozent) war 2015 männlich.

Neben stabilen Bügel- oder Faltschlössern mit VdS-Zertifikat raten Experten zu GPS-Trackern, die das Auffinden gestohlener Räder vereinfachen.
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Auch beim Abstellen des Drahtesels sollten einige Basics beachtet werden: es sollte an einem stabilen Gegenstand befestigt werden. Wenn möglich, ist ein abgeschlossener Keller oder Innenhof des Hauses zu bevorzugen, um die Entschädigung der Hausratversicherung zu erhalten.

In diesen Städten zehn Städten sollten Sie besonders umsichtig sein:

Platz 10: Oldenburg
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In der Universitätsstadt Oldenburg ist die Diebstahlquote 2015 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen: Während die Gemeinde im Jahr 2014 genau 1209 Diebstähle pro 100.000 Einwohner verzeichnete, waren es ein Jahr später fast 60 mehr. Aufgeklärt wurden fast 11 Prozent der Straftaten.

Platz 9: Kiel
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Während es Kiel im Jahr 2014 nicht unter die Top-Ten der Diebstahl-Hochburgen schaffte, landet die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein nun auf Rang neun. 2015 wurden 1286 Räder pro 100.000 Einwohner gestohlen. Die Aufklärungsquote lag laut Statistik mit 4,5 Prozent deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt

Platz 8: Dessau-Roßlau
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Wer sich in Dessau-Roßlau gerne auf zwei Rädern fortbewegt, sollte den Einfluss von Dieben nicht unterschätzen: die Gefahr, sein Fahrrad nicht mehr wiederzusehen, ist hier relativ groß. 1294 Bikes je 100.000 Einwohner wurden 2015 gestohlen. Bei 11,7 Prozent der gemeldeten Diebstähle konnten die Täter ermittelt werden.

Mit 1.721 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohner liegt die Fahrradhochburg Münster im Städteranking nicht mehr einsam an der Spitze, denn als zweite Diebstahlhochburg ist Leipzig mit 1.720 gestohlenen Fahrrädern ganz nah an den traditionellen Spitzenreiter aufgerückt. Die Wahrscheinlichkeit für einen Fahrraddiebstahl ist in beiden Städten um 181 Prozent höher als im Durchschnitt.

Insgesamt wurden in Leipzig im vergangenen Jahr 9.642 Räder entwendet und damit 2.791 Räder mehr als 2015. Damit verzeichnet Leipzig den größten Anstieg bundesweit. Auf Platz drei rangiert Halle (Saale). Hier wurden 1.543 Bikes je 100.000 Einwohner entwendet, was um 152 Prozent überm Durchschnitt liegt. Cottbus belegt den vierten Rang mit 1.513 Diebstählen, danach folgt Magdeburg mit 1.492 Delikten je 100.000 Einwohner.

Ranking zum Fahrraddiebstahlrisiko in den Bundesländer 2016 Quelle: Billiger.de
Ranking zum Fahrraddiebstahlrisiko in den Bundesländer 2016

Zu den Großstädten mit einem relativ niedrigen Risiko gehören unter anderem München (Platz 72), Bochum (88), Stuttgart (92), Wiesbaden (95) oder Remscheid (100). In Remscheid liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Fahrraddiebstahl um 91 Prozent niedriger als im Durchschnitt.

Auch wenn deutschlandweit die Zahl registrierter Fahrraddiebstähle um 2.688 zurückging, stellten einige Kommunen neue Negativ-Bestmarken auf. In Berlin stieg der Zahl der Diebstähle Im Vergleich zu 2015 um 2.173 auf 34.418.

Auf Ebene der Bundesländer liegen die Stadtstaaten beim Diebstahlrisiko naturgemäß deutlich vorne. Spitzenreiter ist Bremen, wo die Wahrscheinlichkeit eines Fahrraddiebstahls um 149 Prozent überm Durchschnitt liegt, gefolgt von Hamburg (142 %) und Berlin (141 %). Auf Platz vier folgt Sachsen-Anhalt, welches das höchste Diebstahlrisiko unter den Flächenstaaten aufweist. Besonders niedrig ist das Risiko in Bayern (Platz 13), Thüringen (14), Rheinland-Pfalz (15) und dem Saarland.

Eine wiederum auffallend negative Zahl betrifft die geringe Aufklärungsquote. Sie liegt im Schnitt bei lediglich 8,8 Prozent. Somit bleiben 9 von 10 gestohlenen Fahrrädern verschwunden. Oft werden die Räder von zum Teil professionell organisierten Diebesbanden schnell zu Geld gemacht.

Populäre Irrtümer rund ums Radfahren
Stichwort: Helmpflicht
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Auch wenn die Zahl der Fahrradfahrer mit Helm nach Auskunft des Bundesverkehrsministerium seit Jahren steigt: „Helme können schützen, aber eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht, auch nicht für einzelne Altersgruppen wie Kinder”, erklärt Koßmann.

Foto: Tobias Hase/dpa-tmn/dpa

Stichwort: Telefonieren am Steuer
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Wie beim Auto ist Telefonieren nur mit Freisprecheinrichtung erlaubt. „Ein Verstoß kostet 25 Euro Bußgeld”, sagt Goldkamp. „Im Gegensatz zum Telefonieren beim Autofahren gibt es aber keinen Punkt in Flensburg.” Erlaubt ist es nur, wenn etwa ein Knopf im Ohr genutzt wird. Entsprechende Freisprecheinrichtungen gibt es kabelgebunden oder via Bluetooth.

Verboten sind Kopfhörer nicht. „Zum Telefonieren, Navigieren und auch zum Musikhören ist das erlaubt”, sagt Koßmann. „Allerdings im Falle der Musik nur so laut, dass Umgebungsgeräusche noch gut wahrgenommen werden können.”

Stichwort: Promillegrenze
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Wer nach der Kneipe das Auto stehen lässt und aufs Fahrrad steigt, handelt nur bedingt richtig. Denn auch hier gilt eine Promillegrenze, warnt Koßmann. „Die liegt zwar bei 1,6 statt der 0,5 beim Auto, aber wenn etwas passiert, und der Fahrradfahrer hat mehr als 0,3 Promille Alkohol im Blut, gibt es eine Anzeige.” Ab 1,6 Promille ist zudem der Führerschein weg.

Besonders sollten S-Pedelec-Fahrer aufpassen. „Die sehen zwar aus wie Fahrräder, sind aber als Kraftfahrzeuge eingestuft, und daher gelten auch hier die 0,5 Promille vom Auto.”

Stichwort: Radeweg-Pflicht
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Radfahrer gehören nicht auf die Straße, ist immer wieder zu hören. Doch das ist nur bedingt richtig. „Gibt es einen Radweg, muss der von Fahrradfahrern nur zwingend genutzt werden, wenn auch das entsprechende Gebotsschild - weißes Rad auf blauem Grund - darauf hinweist”, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Ansonsten stehe es Radlern frei, auf die normale Fahrbahn zu wechseln.

„Keinesfalls aber darf der Fußweg zum Radweg umfunktioniert werden. Das ist nur erlaubt, wenn es entsprechend beschildert ist, etwa in Parks. Fußgänger haben dann aber immer Vortritt.”

Ausnahme: Kinder bis zehn Jahre dürfen den Fußweg entlangradeln. Bis acht Jahre darf sie dort neuerdings ein Elternteil auf dem Rad begleiten.

Foto: Kay Tkatzik/pd-f.de/dpa

Stichwort: Zu zweit auf dem Fahrrad
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Einer auf dem Sattel, einer auf dem Gepäckträger: Zu zweit auf dem Fahrrad zu fahren, ist zwar nicht sehr bequem, aber es funktioniert. Nur erlaubt ist es nicht. „Mitgenommen werden dürfen nur Kinder bis sieben Jahre und auch nur in einer geeigneten Sitzvorkehrung, sprich einem Kindersitz”, sagt Goldkamp. Zudem muss der Fahrradfahrer mindestens 16 Jahre alt sein.

Stichwort: Blinkende Beleuchtung
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Mal blinkt der Helm, mal strahlt der Rucksack, andere tragen die Leuchte einfach in der Hand. Fakt jedoch ist: „Die Fahrradbeleuchtung braucht eine Zulassung vom Kraftfahrtbundesamt, zu erkennen an der Kennzeichnung ~K”, sagt Koßmann. Hier gebe es auch Modelle, die mobil mitgenommen und angesteckt werden könnten.

Blinkende Leuchtdioden am Rad aber seien ebenso wenig erlaubt wie eine einfache Taschenlampe. Wer mit defekter Beleuchtung liegenbleibt, sollte am besten vom Rad absteigen und im Sinne der eigenen Sicherheit schieben.

Stichwort: Tempolimits
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Zwar ist es eher unwahrscheinlich, mit dem Rad in einer Tempo-70-Zone geblitzt zu werden. Doch: „Tempolimits gelten für alle Benutzer des jeweiligen Verkehrswegs, also auch für Radfahrer. Bedeutsam ist das vor allem in verkehrsberuhigten Bereichen, wo nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist”, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Wer rücksichtslos durch eine so genannte Spielstraße rast, riskiere daher mindestens eine Geldbuße.

Foto: Bodo Marks/dpa-tmn/dpa

Viele gestohlene Räder landen auf dem Schwarzmarkt oder werden sogar über den normalen Fahrradhandel weiterverkauft – oft in andere Städte oder Länder. Der finanzielle Schaden wird auf 177 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

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