Folgen bei der Versicherung

Was bei einem Rückruf zu tun ist

Ob Toyota oder General Motors mehrere Millionen Fahrzeuge müssen derzeit zurück in die Werkstatt. Autofahrer sind gut beraten, den Rückruf zu befolgen. Sonst drohen teure Konsequenzen.
Kommentieren
Die Werkstätten haben durch die jüngsten Rückrufaktionen gut zu tun. Quelle: dpa

Die Werkstätten haben durch die jüngsten Rückrufaktionen gut zu tun.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNachrichten aus Flensburg bedeuten für Autofahrer meist nichts Gutes: Nur zu oft bekommen Halter über die Behörden Bescheid, dass ein Verkehrsvergehen zu Punkten in der Flensburger Verkehrssünderkartei geführt hat. Eine andere Variante: Halter erfahren, dass ihr Auto schnellstmöglich in die nächste Werkstatt soll. Anlass ist ein Rückruf wegen eines technischen Defekts, der zu Unfällen führen könne.

„Rückrufaktionen dienen der Beseitigung potenzieller Gefährdungen für den Straßenverkehr“, sagt Stephan Immen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg. Die Behörde schaltet sich immer dann ein, wenn ihr Informationen über herstellerbedingte Mängel an Fahrzeugen bekannt werden, durch die Menschen in Gefahr geraten können.

Ist der Mangel am Fahrzeug schwerwiegend genug, sind Hersteller verpflichtet, einen Rückruf zu starten. Dies schreibt seit 1997 das Produktsicherheitsgesetz vor, das Verbraucher vor fehlerhaften Produkten schützen soll. Sperrt sich der Hersteller, kann das KBA einen Rückruf anordnen. Das KBA unterscheidet zwischen „überwachten Rückrufen“ bei besonders gravierenden Mängeln und „Rückrufen“, wenn per Definition „erhebliche Mängel“ vorliegen.

Insgesamt lag die Zahl der Rückrufaktionen für Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile laut KBA im vergangenen Jahr bei 180, gegenüber 2012 bedeutet das einen Anstieg um elf Prozent. Dabei wurden rund 770 000 Halter angeschrieben. Bei einer ernsten Gefährdung müssen die Halter sofort benachrichtigt werden. Gefahr ist zum Beispiel im Verzug, wenn ein Sicherheitsproblem plötzlich und unvorhersehbar auftritt. Das kann im schlimmsten Fall der drohende Ausfall von Bremse oder Lenkung sein.

Immer neue Pannen sorgen für Rückrufe
Takata
1 von 37

Beim größten Rückruf in der US-Automobilgeschichte hat der japanische Zulieferer Takata wegen defekter Airbags den Rückruf von insgesamt fast 34 Millionen Autos in den USA veranlasst. Das Unternehmen verdopple damit die Anzahl der in die Werkstätten beorderten Fahrzeuge, teilten die US-Behörden am Dienstag mit. Takata räumte demnach erstmals ein, dass die in elf Automarken eingebauten Airbags des Unternehmens fehlerhaft sind. Von der Rekord-Rückrufaktion in den USA sind laut US-Verkehrsminister Anthony Foxx elf Hersteller betroffen: BMW, Fiat, Chrysler, General Motors, Ford, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru, Toyota und vor allem Honda.

Hyundai Sonata
2 von 37

Toyota und Nissan rufen im Mai 2015 wegen Problemen mit Airbags weltweit etwa 6,5 Millionen Fahrzeuge zurück. Die Luftkissen des Zulieferers Takata sollen wegen eines möglichen Defekts vorsichtshalber ausgetauscht werden. Es gehe erneut um die Gasgeneratoren, mit denen die Airbags aufgeblasen werden. Berichte über Unfälle oder Verletzungen habe es nicht gegeben, teilten sowohl Toyota als auch Nissan mit.

Toyota bestellt knapp fünf Millionen Fahrzeuge wieder ein, darunter die Modelle Corolla und Vitz. Nissan holt rund 1,56 Millionen Autos in die Werkstätten.
Seit 2008 sind bereits mehr als 20 Millionen Fahrzeuge mit Takata-Airbags von Rückruf-Aktionen betroffen, darunter auch Autos von Herstellern außerhalb Japans wie BMW und Ford.

Smart Fortwo
3 von 37

Anfang Mai 2015 ruft Daimler in China 19.000 Autos in die Werkstätten. Betroffen sind rund 10.500 Fahrzeuge der Mercedes-Benz A- und B-Klasse sowie rund 8500 kompakte Stadtautos Smart Fortwo. Bei der A- und B-Klasse handele es sich um ein Problem mit der Seitenwelle, sagte ein Daimler-Sprecher. Dadurch könne das Fahrzeug nicht mehr lenkbar sein. Fälle, in denen das passiert sei, seien aber noch nicht bekannt. Die Kunden würden vorsorglich benachrichtigt. Beim Smart entspreche die Verschraubung an einer Lenkung nicht den Vorgaben. Das habe zwar keine Auswirkungen auf die Lenkbarkeit, das Problem werde aber vorsorglich ebenfalls behoben.

Daimler
4 von 37

Daimler hat am 16. Februar in Deutschland und China den Rückruf von 150.000 Fahrzeugen wegen möglicher Sicherheitsprobleme gestartet. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich unter Umständen Auto-Teile lösen und ein Feuer verursachen könnten, teilte die zuständige chinesische Aufsichtsbehörde am Montag mit.

Daimler bestätigte die Rückrufaktion. In China seien 127.000 Fahrzeuge betroffen, in Deutschland rund 22.000 Autos. Informationen über weitere Länder lägen noch nicht vor, sagte ein Daimler-Sprecher. Bei den Fahrzeugen könnten Sicherheitsrisiken nicht ausgeschlossen werden. Bislang gebe es aber noch keine Berichte über Unfälle oder Schäden.

Der Fehler liege bei einer Dichtung an einer Trennwand im Motorraum, sagte der Sprecher. Es bestehe die Gefahr, dass diese sich löse. Betroffen seien zwischen 2012 und 2014 hergestellte Fahrzeuge der CLS- und der E-Klasse. Die Teile würden kostenlos ausgetauscht.

Mercedes E-Klasse
5 von 37

Nach Europa und China folgt nun nur eine Woche später ein weiterer Rückruf in den USA: Mercedes muss hier noch einmal 147.000 Wagen zurückrufen. Grund dafür ist eine mögliche Brandgefahr der Autos.

Porsche
6 von 37

Porsche ruft den chinesischen Aufsichtsbehörden zufolge in der Volksrepublik mehr als 14.500 Fahrzeuge zurück. Grund seien Fehler an den Nockenwellen der Autos, teilte die nationale Qualitätsprüfstelle auf ihrer Internetseite mit. Betroffen sind demnach unter anderem mehrere Importmodelle des Sportwagens Panamera sowie zwei des Geländewagens Cayenne.

Die Autos seien zwischen April 2009 und September 2011 gebaut worden. Die chinesische Behörde erklärte, die Fahrzeuge stellten ein Sicherheitsrisiko dar, Porsche tausche das fehlerhafte Bauteil kostenlos aus. Die Volkswagen -Tochter hatte im vergangenen Jahr ihren Absatz in China kräftig gesteigert.

Jeep
7 von 37

Der Autohersteller Fiat Chrysler ruft wegen möglicher technischer Probleme mit den Seiten-Airbags weltweit Geländewagen zurück. Bei insgesamt 228.181 Jeep Cherokees von 2014 und 2015 solle ein Software-Upgrade durchgeführt werden, teilte das Unternehmen mit.

Mit gut 168.000 Fahrzeugen entfalle der Großteil auf die USA. Der Konzern wisse von keinen Unfällen im Zusammenhang mit dem Problem.

Reparaturen im Zusammenhang mit einem Rückruf bedeuten für die Halter zwar einen Zeitaufwand, Kosten entstehen ihnen in der Regel aber nicht. Dabei ist es völlig unerheblich, wie alt das Auto ist. Auch Jahre nach der Erstzulassung können Fahrzeuge zurückgerufen werden. In den Fahrzeugpapieren werden die Reparaturen übrigens nicht vermerkt. Deshalb sollten Kunden auf einem Werkstattbeleg als Nachweis bestehen.

Halter sind stets gut beraten, einen Rückruf zu befolgen. „Wenn der Autofahrer ihn ignoriert, droht ihm nicht nur eventuell ein Unfall, sondern auch der Verlust von Schadenersatzansprüchen“, sagt Rechtsanwältin Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Anders sieht es aus, wenn der Halter von der Rückrufaktion nichts erfahren hat und deshalb durch das gefährliche Produkt zu Schaden kommt. Dann verliert er seine Ersatzansprüche gegen den Hersteller in der Regel nicht.“

Der Rechtsanwalt Thomas Hollweck aus Berlin fügt hinzu, dass Haltern zwar nicht vorgeschrieben ist, auf einen Rückruf zu reagieren: „Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt hierfür keine gesetzliche Pflicht.“ Aber eine Sorgfaltspflicht gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern habe ein Halter immer. In Bezug auf einen nicht weiter beachteten Rückruf bedeute dies: Der Halter haftet unter Umständen. „Das wäre dann der Fall, wenn der Fehler, der durch den Rückruf hätte behoben werden können, ursächlich oder zumindest mitursächlich für den Unfall und den dann entstandenen Schaden gewesen ist“, sagt Hollweck.

Dass die Zahl der Rückrufe in den vergangenen Jahren gestiegen ist, liegt einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach vor allem an den vielen Gleichteilen, sie sich Autos eines Herstellers nach einem Baukastensystem miteinander teilen. Ein fehlerhaftes Bauteil wird dadurch oft in mehreren Modellen verbaut, so dass sich die Anzahl der defekten Autos erhöht. Als häufigste im Auto von Rückrufen betroffene Bereiche nennt das CAM Elektronik, Sicherheitssysteme und Antriebsstrang.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Folgen bei der Versicherung - Was bei einem Rückruf zu tun ist

0 Kommentare zu "Folgen bei der Versicherung: Was bei einem Rückruf zu tun ist"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%