Ford, BMW, Toyota
Das Kleingedruckte der Diesel-Abwrackprämie

Nach dem Dieselgipfel trumpfen die Autohersteller mit Abwrackprämien für alte Dieselautos auf. BMW verspricht 2000 Euro beim Kauf eines neuen Wagens. Doch wie überstürzt die PR-Kampagnen der Hersteller sind, zeigt Ford.
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DüsseldorfSchon vor dem Dieselgipfel arbeiteten viele Autohersteller an einer vertrauensbildenden Maßnahme: Bares Geld für alte Diesel. Bis zu 8000 Euro Prämie verspricht etwa Ford neuen Kunden, die ihren alten Wagen mit Diesel gegen einen neuen und schadstoffärmeren Ford eintauschen. Dem US-Autobauer, der auch in Köln produziert, war diese Ankündigung ganzseitige Anzeigen mit dem Titel „Ford Umwelt-Initiative“ in Tageszeitungen wert. Interessenten können auch einen neuen Benziner kaufen und bekommen den Bonus ausgezahlt – sofern ihnen das alte Fahrzeug seit mindestens sechs Monaten gehört.

Das Angebot klingt zunächst verlockend, Enttäuschung droht aber beim Blick ins Kleingedruckte der Anzeige: Denn nicht die ganze Fahrzeugpalette des Herstellers steht für Bonuszahlungen zur Verfügung. Ausgerechnet die Elektro-Variante des Mittelklassemodells Focus ist von der Marketingaktion ausgenommen. Eine Sprecherin konnte auf Handelsblatt-Anfrage zunächst nicht beantworten, warum Ford bei einer „Umwelt-Initiative“ das wohl sauberste Modell von der Prämienzahlung ausschloss.

Wenig später gibt es Aufklärung. Es habe sich schlicht um einen Fehler gehandelt. „Der elektronische Focus ist natürlich nicht ausgeschlossen“, so die Ford-Kommunikationsabteilung. Der Fehler war auf der Ford-Website bis zum Nachmittag noch nicht korrigiert.

Andere Modelle, etwa der Ford Mustang oder der Ford Focus RS, sind von dem Programm ausgeschlossen, weil sie in „zu kleiner Stückzahl produziert werden“, hieß es bei Ford.

Bei allen Marken lohnt ein Blick ins Kleingedruckte für die Anti-Diesel-Programme. Der Überblick:

Ford

Bei den Kölnern bekommen nur die Halter der ganz alten Dreckschleudern einen Bonus: Alle Dieselfahrzeuge, die nach dem 1. Januar 2006 zugelassen wurden, sind davon ausgenommen. Die „Umwelt-Initiative“ gilt lediglich für Fahrzeuge bis zur Euro-3-Norm. Die Marke des alten Fahrzeugs spielt keine Rolle – der neue Wagen muss aber selbstverständlich ein Ford sein.

Als einziger Autohersteller besteht Ford auf der Verschrottung der alten Dieselautos. Die Halter müssten, verspricht Ford, ihrem Händler das Verschrottungszertifikat vorlegen und würden dann den Bonus angerechnet bekommen. Und der ist gestaffelt – je nach Modell, für das sich der Käufer entscheidet: Für einen Ford Mondeo Hybrid, der rund 36.000 Euro kostet, bekommt der Käufer die volle Prämie von 8000 Euro. Halb so viel wird auf einen neuen Fiesta angerechnet, der für rund 13.000 Euro im Autohaus steht. Das Angebot gilt nur bis Ende des Jahres.

BMW

BMW musste wie Ford auch zum Dieselrapport in Berlin antreten. Die Wechselprämie fällt bei dem Münchener Hersteller aber deutlich geringer aus. Bis zu 2000 Euro stellen die Bayern ihren Kunden in Aussicht – der genaue Betrag hängt davon ab, welches neue Modell sich der Kunde dann aussucht. Eine genaue Staffelung ist hier bisher aber noch nicht festgelegt. Kunden können ihren Diesel – unabhängig von der Marke – bei einem BMW-Händler abgeben. Bedingung: Der Diesel muss der Abgasnorm Euro-4 oder einer noch älteren angehören und mindestens ein Jahr auf den Halter des Wagens zugelassen sein. Der Händler nimmt dann den alten Wagen in Zahlung.

Was mit den abgegebenen Dieseln passiert, steht bisher noch nicht fest. Der Kunde kann sich anschließend einen BMW oder einen Mini aussuchen, der pro Kilometer weniger als 130 Gramm CO2 ausstößt – egal, welchen Antrieb das Auto hat. Eventuelle zusätzliche Angebote wie der Umweltbonus beim Kauf von Elektroautos kommen dann noch oben drauf. Ab wann genau die Prämie eingelöst werden kann, wird laut BMW wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche bekanntgegeben.

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Das Kleingedruckte der Diesel-Abwrackprämie

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„Der Erfolg wird sehr überschaubar sein“

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  • Herrn Sieber ist in dem Punkt zuzustimmen: Der Verbraucher stimmt mit seinem Kauf ab. Es gibt aktuell genug Alternativen zum Dieselfahrzeug.
    Betrügereien würde ich aber nicht sp pauschal gelten lassen. Hersteller, EU, KBA und die Politik fast aller Farben ist gemeinsam verantwortlich. Die Dehnung und Interpretation der Vorschriften wurde durch kollektives Wegsehen erst ermöglicht.

  • Nur wenn wir Verbraucher konsequent nein sagen zu den Betrügereien und keine Diesel mehr kaufen, wird sich etwas ändern. Wir Verbraucher haben es in der Hand, ob sich nun etwas bewegt. Wenn wir nur mit den Achseln zucken und so weiter machen wie bisher, machen es die Autokonzene auch.

  • Was wollen die Betrüger den noch, die Leute bestellen bei Tesla und Geely.

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