Gebrauchtwagen-Kauf
Wie man Tacho-Manipulation erkennt

Moderne Autos sind gegen die Manipulation des Kilometerstandes kaum geschützt. Gebrauchtwagenkäufern bleibt nur genaues Studium der Unterlagen und der gesunde Menschenverstand, um einen überteuerten Kauf zu vermeiden.
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Frage: In letzter Zeit wird viel über Tacho-Manipulation geschrieben. Wie kann ich mich beim Gebrauchtwagenkauf dagegen schützen?

Antwort von Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der KÜS: Tacho-Manipulation ist tatsächlich ein wachsendes Problem. Nie zuvor war es für Betrüger leichter, den Kilometerstand zurückzudrehen. Statt Geschick und Bohrmaschine braucht es dazu heute nur noch Know-How und einen Computer. Man schätzt, dass knapp jeder dritte Gebrauchtwagen mit manipuliertem Tacho angeboten wird.

Die größten Betrüger sind dabei nicht unbedingt die häufig schlecht beleumundeten „Fähnchenhändler“. Denn besonders häufig wird getrickst, wo es sich am meisten lohnt: Bei relativ neuen und teuren Fahrzeugen, gerne auch bei Leasingautos.

Dort lässt sich der Preis schnell um einige tausend Euro hochschrauben. Das Risiko ist für die Betrüger gering, denn das Zurückstellen des Tachostandes allein ist keine Straftat, ebenso wenig wie der Besitz der dafür nötigen Ausrüstung – juristisch relevant wird die Manipulation erst, wenn das Auto verkauft werden soll, ohne dass sie erwähnt wird.

Anders die mechanischen Tacho-Manipulation ist die elektronische äußerlich nie zu erkennen. Wer nicht übers Ohr gehauen werden will, sollte daher die Unterlagen des Vorbesitzers gründlich prüfen. Passt die Abnutzung des Innenraums zu den Angaben auf dem Tacho? Stimmen die Daten im Scheckheft und von den HU-Belegen mit dem Kilometerstand überein?

Auch die Zettel und Aufkleber, die nach Öl- oder Zahnriemenwechsel im Motorraum oder an der A-Säule angebracht werden, geben Hinweise auf die tatsächliche Laufleistung.

Empfehlenswert ist es auch, nach einer Dokumentation der Service- und Wartungshistorie zu fragen. Diese ist über den Hersteller oder seine Händler zu bekommen führt inklusive dem jeweiligen Kilometerstand auf, welche Arbeiten die Vertragshändler der Marke bisher vorgenommen haben. Dafür ist allerdings die Zustimmung des Vorbesitzers nötig. Weigert dieser sich, sollte man bereits misstrauisch werden.

Auch einfache Rechenübungen können Betrüger enttarnen. Das deutsche Durchschnittsauto wird im Jahr 12.000 Kilometer bewegt. Diesel-Limousinen fahren dabei deutlich weitere Strecken als Kleinwagen für die Stadt oder Sportwagen für den Wochenendausflug.

Zum Beispiel dürfte eine Mercedes E-Klasse mit Dieselmotor und einer Laufleistung von weniger als 20.000 Kilometern pro Altersjahr eine echte Seltenheit sein. Wenn es für den geringen Kilometerstand keine einleuchtende Erklärung gibt, etwa das klassische Rentnerauto, dann lässt man besser die Finger vom Angebot.

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