Geld für alte Diesel

Für wen sich die Abwrackprämie lohnt

2000 Euro von Daimler, 8000 Euro von Ford, 10.000 Euro von Audi: Die Hersteller überbieten sich mit Rabatten für umweltfreundliche Autos. Doch für wen sind die Prämien sinnvoll?
2 Kommentare

„Die Rabatte sollen nicht entschädigen, sondern Absätze aufbessern“

„Die Rabatte sollen nicht entschädigen, sondern Absätze aufbessern“

Beim Dieselgipfel haben die deutschen Autohersteller nicht nur Hardware-Lösungen abgewehrt und sich zu Software-Updates für jüngere Dieselmodelle verpflichtet. Mit Verkaufsförderprogrammen sollen zudem besonders alte Dieselwagen mit hohem Schadstoffausstoß von der Straßen geholt werden. Ob damit das eigentliche Ziel - nämlich Fahrverbote in einzelnen deutschen Städten zu verhindern - erreicht werden kann, bleibt aber fraglich. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was bieten die einzelnen Hersteller an?
Mit einer Abwrackprämie von bis zu 10 000 Euro für alte Dieselautos der Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 4 klotzt der VW-Konzern und hat sich an die Spitze der Hersteller gesetzt. Der bis zum Jahresende befristete Preisnachlass ist bei den Konzernmarken nach der Größe des gewünschten Neuwagens gestaffelt: Beim Geländewagen VW Touareg gibt es 10 000 Euro Nachlass, beim kleinen Polo sind es nur 3000 Euro. Der Neue muss nicht zwingend ein Diesel sein. Mit einer zusätzlichen „Zukunftsprämie“ von bis zu 2380 Euro beim Kauf eines Vollstromers legen die Wolfsburger als Verursacher des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte noch einen oben drauf. Daimler hat bislang 2000 Euro Prämie ausschließlich für Mercedes-Alt-Diesel ausgelobt, BMW zahlt die gleiche Summe ohne Ansehen der in Zahlung gegebenen Marke. Andere Hersteller wie Ford oder Toyota haben ihre schon zuvor laufenden Prämienprogramme um eine Diesel-Komponente aufgestockt.

Wer zahlt wie viel für alte Diesel?
BMW gewährt Neufahrzeugkunden bis Ende 2017 eine sogenannte Umweltprämiere in Höhe von 2.000 Euro beim Kauf eines neuen BMWs mit einem CO2-Ausstoß von maximal 130 Gramm pro Kilometer.
1 von 20

Wer sich für das Elektromobil i3 entscheidet, kann als Neufahrzeugkunde zusammen mit dem Umweltbonus der Bafa auf eine Prämiensumme von 6.000 Euro kommen.

Angerechnet auf den Neuwagenpreis werden die 2.000 Euro von BMW bei der Inzahlungnahme eines Gebrauchten Dieselautos mit Euro-4-Abgasnorm oder schlechter. Am 1. Januar zählte das Kraftfahrtbundesamt rund 3,5 Million Diesel der Schadstoffklasse Euro 4. Diese Fahrzeuge sind mindestens 11 Jahre alt.

Unabhängig davon haben Käufer eines i3 zusätzlich noch die Möglichkeit, bei der Bafa die Fördermittel für E-Mobile in Höhe von 4.000 einzufordern.

Toyota CH-R
2 von 20

Wer bei Toyota jetzt einen gebrauchten Diesel in Zahlung gibt und einen neuen Hybrid (Yaris, Auris, Rav4, C-HR oder Prius) kauft, bekommt von den Japanern nicht nur die übliche Hybrid-Prämie von 2.000 Euro, sondern die gleiche Summe noch einmal für den alten Selbstzünder obendrauf.

Wer einen alten Diesel für einen Neuwagen in Zahlung geben will, kann sich auch bei Nissan eine Abwrackprämie sichern
3 von 20

Nicht nur den Kauf eines neuen Elektroautos erleichtert der Autohersteller mit einer attraktiven Wechselprämie – vom „Nissan Diesel Deal“ profitieren ab sofort auch Kunden, die sich für ein konventionell angetriebenes Modell entscheiden. Wer seinen Euro-1- bis Euro-3-Diesel verschrotten lässt oder seinen Euro-4-Diesel in Zahlung gibt, erhält beim Kauf eines neuen Modells bis zu 6.500 Euro Wechselprämie.

Der Deal gilt beim Kauf der Modelle Micra (4.000 Euro Prämie), Juke, Pulsar, Qashqai (jeweils 5.000 Euro Prämie) und X-Trail (6.500 Euro Prämie). Voraussetzung ist der Abschluss eines Kaufvertrags bis zum 30. September 2017.

Weiterhin im Angebot bleibt die Wechselprämie beim Kauf eines neuen Elektroautos. Zur Wahl stehen der Leaf und der Kleintransporter e-NV200, der auch in der Pkw-Variante e-NV200 Evalia angeboten wird. Zusammen mit dem staatlichen, von Nissan auf bis zu 5.250 Euro aufgestockten Elektrobonus ergibt sich eine Ersparnis von bis zu 7.250 Euro.

Noch mehr gibt es unter Umständen bei Ford zu holen
4 von 20

Wer bei den Kölnern nun einen Diesel mit Euro-1-, 2- oder 3-Norm bis Baujahr 2006 abgibt und sich noch dieses Jahr für einen neuen Ford entscheidet, kann zwischen 2.000 und 8.000 Euro Alt-Diesel-Prämie absahnen. Dafür kümmert sich Ford um eine kostenlose Verschrottung des alten Stinkers – so will das Unternehmen zu besserer Luft beitragen. 

Bei der Abwrackprämie für ältere Diesel-Fahrzeuge zieht Opel nach
5 von 20

Die deutsche Tochter des französischen PSA-Konzerns bietet den Besitzern älterer Dieselautos der Abgasnorm Euro 4 und niedriger modellabhängige Prämien an, wenn sie einen Opel-Neuwagen kaufen.

Der „Umweltbonus“ beträgt zwischen 1750 Euro beim Kleinstwagen Karl und 7000 Euro beim Spitzenmodell Insignia. Der Käufer muss seinen Alt-Diesel verschrotten lassen.

Hyundai: 10.000 Euro Nachlass auf den Grand Santa Fe
6 von 20

Hyundai bietet Käufern eines Grand Santa Fe im Rahmen der Aktion „Green Deal“ bei Abgabe eines alten Diesel-Pkw bis zum 31. Dezember 2017 einen Nachlass von 10.000 Euro auf den Kaufpreis. Darüber hinaus bekommt der Kunde bei Inzahlunggabe eines Euro 4-Dieselmodelles beim teilnehmenden Händler noch den Zeitwert für das Altfahrzeug angerechnet.

Angetrieben wird das siebensitzige SUV mit serienmäßigem Allradantrieb und Sechs-Gang-Automatik von einem 2,2-Liter-Dieselmotor mit 147 kW / 200 PS. Die Preisliste beginnt bei 47.900 Euro.

Auch Renault bietet ab sofort beim Kauf eines Neuwagens unter dem Motto „Tschüss, alter Diesel!“ eine Wechselprämie von bis zu 7.000 Euro an.
7 von 20

Die Franzosen wollen mit ihrer Aktion nach eigenen Angaben Anreize schaffen, alte Dieselfahrzeuge durch Fahrzeuge mit moderner Abgasreinigung zu ersetzen. Die Konditionen sind wie bei den anderen Herstellern: Die Prämie wird Privatkunden auf den Kaufpreis eines neuen Renaults angerechnet, wenn ein alter Diesel-Pkw mit Abgasnorm Euro 4 oder älter in Zahlung gegeben wird.

Für wen lohnen sich die neuen Kaufanreize?

Sie könnten sich für die rund 6,4 Millionen Besitzer alter Diesel lohnen, sofern diese ohnehin gerade über die Anschaffung eines Neuwagens nachdenken. Das sind vielleicht gar nicht so viele, mutmaßt zumindest der Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Eine Kaufprämie, die nur einen Bruchteil des Preises für ein neues Fahrzeug ausmacht, führt doch nicht zum Neukauf und ist damit völlig absurd“, sagt ihr Mobilitätsexperte Gregor Kolbe. Allerdings können 5000 Euro für einen Golf oder 8000 Euro für einen Passat durchaus schon ein Viertel des Listenpreises ausmachen. Interessenten sollten die Angebote daher genau prüfen und miteinander vergleichen.

Werden die neuen Rabatte zusätzlich zu bestehenden Angeboten gewährt?

Das ist Verhandlungssache. Händler könnten zunächst versuchen, die bisherigen Rabatte zurückzufahren und stattdessen die von den Herstellern finanzierte Prämie in den Vordergrund zu stellen. Ob darüber hinaus dann noch Verhandlungsspielraum besteht, muss letztlich jeder Käufer selbst herausfinden, wobei auch der tatsächliche Restwert des eigenen Alt-Autos zu berücksichtigen ist. Die Preishoheit habe letztlich der Händler, sagt VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Bei dafür qualifizierten Elektroautos kann auch weiterhin die von Staat und Herstellern gemeinsam finanzierte „Umweltprämie“ von bis zu 4000 Euro in Anspruch genommen werden.

Ist man denn mit einem neuen Diesel vor Fahrverboten sicher?

Das ist keineswegs ausgemacht. Nach Messungen des Umweltbundesamtes wie auch des klagefreudigen Vereins Deutsche Umwelthilfe (DUH) stoßen auch aktuelle Euro-6-Diesel im realen Betrieb ein Vielfaches der von der EU erlaubten Grenzwerte gesundheitsschädlicher Stickoxide aus. Sofern es sich um Modelle deutscher Hersteller handelt, sollen sie wie die Euro-5-Diesel lediglich mit einem Software-Update etwas sauberer gemacht werden. Ein neuer Diesel sei derzeit überhaupt kein Garant dafür, von drohenden Fahrverboten nicht betroffen zu sein, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die DUH will nach Aussagen ihres Chefs Jürgen Resch den Klageweg weiter verfolgen, er rechnet mit Fahrverboten etwa in Stuttgart und München bereits im kommenden Jahr. Dann wird auch das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, ob eine Kommune überhaupt ein Verbot aussprechen darf.

Was die Abwrackprämie für Umwelt und Industrie bringt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Geld für alte Diesel - Für wen sich die Abwrackprämie lohnt

2 Kommentare zu "Geld für alte Diesel: Für wen sich die Abwrackprämie lohnt"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich kenne niemand, der beim Neukauf seines Fahrzeugs den Listenpreis bezahlt hat. Mit ein klein wenig Verhandlungsgeschick und Hinweise auf die Internet-Angebote erhält jeder Käufer einen satten Rabatt. Die Autofirmen mögen ihn fortan umbenennen und als "Umweltprämie" deklarieren. Aber von dieser Namensänderung profitiert der Kunde nicht.

    Auf einem anderen Blatt steht, dass alle angebotenen Dieselfahrzeuge die EU-Vorschriften über den NOX-Ausstoss nur auf dem Prüfstand erfüllen, im realen Fahrbetrieb aber um Längen verfehlen. Dass solche Fahrzeuge auch in Zukunft in die Innenstädte einfahren dürfen, ist eher unwahrscheinlich. Für nicht zukunftssichere Fahrzeuge hohe Beträge auszugeben, halte ich für eine Dummheit. Bis es einen "clean Diesel" zu kaufen gibt, behelfe ich mich mit billigen Gebrauchtfahrzeugen.

  • Das sind doch ganz normale Rabatte. 10 T€ bei Kauf eines VW Touareg, wo wir mit den sinnvollen/ wünschenswerten Extras locker bei 70-75 T€ landen sind jetzt nichts so außergewöhnliches. Je nach Markt- und Lagersituation der Herstellers/ Händlers war das auch in der Vergangenheit drin. Wenn wir mal bei 40-50% Rabatt bei der Rückgabe eines Altfahrzeugs sind, dann können wir darüber reden, dass das wirklich berichtenswert ist...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%