Kfz-Versicherungen
Warum „Familie Ford“ wenig für die Autohaftpflicht zahlt

Wer aus Bequemlichkeit nie Kfz-Versicherungen vergleicht, dem kann viel Geld verloren gehen. Versicherungsexperte Thomas Köhne über die Preisspannen zwischen den Anbietern, Risikobewertung und teure Musterkunden.

Der 30. November ist für viele deutsche Autofahrer Kündigungsstichtag für ihre Kfz-Versicherung. Ein Wechsel kann sich lohnen, denn bei Deutschlands Kfz-Versicherungen herrschen beachtliche Unterschiede. Eine Studie des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin im Auftrag der Direct Line Versicherung kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Der Abstand zwischen dem jeweils teuersten und günstigsten Angebot liegt bei durchschnittlich 1.309 Euro. Professor Thomas Köhne, Autor der Studie, über die Ergebnisse und Empfehlungen für Versicherte.

Die Studie zeigt auch deutliche Preisunterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Wie sind diese zu erklären?
Das liegt primär an den Risiken. Es gibt regionale Unterschiede, die diese bestimmen. Die Schadenerwartungswerte sind unterschiedlich hoch. In Städten herrscht mehr Verkehr als auf dem Land. Zudem liegt dort auch die Zahl der Einbrüche und Diebstähle höher. Aber auch nicht jede Stadt ist wie die andere: Berlin ist zum Beispiel sehr teuer. Denn hier herrscht ein hohes Verkehrsaufkommen und eine hohe Verkehrsdichte. Und auch die Diebstahlquote ist relativ hoch.

Welcher Kunde zahlt am meisten?
Im Rahmen der Studie haben wir mit Musterkunden gearbeitet. Tendenziell zahlt der ‚Single Audi‘ mehr als andere, weil das Auto teurer und diebstahlgefährdeter ist – das Risiko ist also höher. Dasselbe gilt beispielsweise für den Musterkunden ‚Selbstständig BMW‘. Der fährt viel und das Auto hat eine höhere Diebstahlquote. Auch der Musterkunde ‚Student‘ zahlt im Durchschnitt mehr, weil er tendenziell weniger Fahrerfahrung mitbringt. Das alles beruht natürlich nur auf Statistiken – bauen junge Leute und Studenten mehr Unfälle, steigt die Risikoprämie.

Wer ist denn günstiger unterwegs?
Musterkunde ‚Familie Ford‘ ist durchweg günstiger über alle Regionen. Genauso wie die Ehefrau mit dem Zweitwagen, da spielen dann manche Versicherer mit dem Zweitwagenrabatt mit hinein.

Inwieweit spielt die Unternehmens- und Vertriebsstruktur der Versicherungen eine Rolle?
Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen mit Geschäftsstellenvertrieb und Direktvertrieb tendenziell günstiger sind. Denn die organisieren ihren Vertrieb über Angestellte, die tendenziell günstiger sind als Vermittler. Diese sind selbständige Kaufleute, die selbst ein unternehmerisches Risiko eingehen. Dafür bekommen sie auch mehr bezahlt. Die Vertriebskosten können sich dann auch in den Preisen widerspiegeln. Natürlich spielen auch die Kostenstrukturen der Versicherungsunternehmen eine Rolle.

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„Wir haben nicht Äpfeln mit Birnen verglichen“

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