Mobilität Lohnt sich Ihr Auto noch?

Die Autobranche macht sich auf der heute beginnenden IAA selbst Mut. Doch die Liebe der Deutschen zum Auto kühlt ab. Für viele Großstädter sind Kosten und Nutzen wichtiger als Komfort, Fahrspaß und Besitzerstolz.
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Kostenstelle Auto. Für einen Ford Focus fallen 4.356 Euro pro Jahr an, setzt man Wertverlust, Fix-, Betriebs- und Wartungskosten über bei vier Jahre Haltedauer und 15.000 km/Jahr an. Quelle: obs

Kostenstelle Auto. Für einen Ford Focus fallen 4.356 Euro pro Jahr an, setzt man Wertverlust, Fix-, Betriebs- und Wartungskosten über bei vier Jahre Haltedauer und 15.000 km/Jahr an.

(Foto: obs)

DüsseldorfWenn Thomas Weiß ein Auto braucht, greift er nicht zum Schlüssel, sondern zum Smartphone. Dabei steht vor der Familienwohnung in Köln-Sülz ein schicker Geländekompaktwagen von BMW, der X3. „Unter der Woche fahre ich den aber nie“, sagt Weiß, der als Grafikdesigner arbeitet. Die fünf Kilometer zum Büro in Ehrenfeld legt er mit dem Rad zurück. Für die meisten anderen Strecken nutzt er flexibles Carsharing, bei dem er per Smartphone-App ein Auto in der Nähe sucht, einsteigt, losfährt und es irgendwo im Stadtgebiet wieder abstellt.

Für kurze Strecken nimmt er einen Smart vom Carsharing-Anbieter Car2Go: „Damit finde ich überall einen Parkplatz und bin auch nicht auf Anwohnerparkplätze bei uns beschränkt.“ Zu Kundenterminen in Düsseldorf fährt er mit einem Mini oder einem BMW 1er des Car2Go-Wettbewerbers DriveNow. „Da kann ich das Auto im Voraus für drei oder sechs Stunden buchen und fahre noch günstiger.“ Mit dem Zug wäre er für Hin- und Rückfahrt fast zwei Stunden unterwegs. Für eine Besprechung von maximal einer Stunde viel zu lang.

Weiß ist mittlerweile Überzeugungstäter: „Ich finde Carsharing modern und fühle mich damit frei. Statt eines Autos habe ich in Köln nun 350 Smart und fast 200 Mini und BMW zur Verfügung.“ Will er auf dem Kegelabend ein paar Kölsch trinken, fährt er danach Taxi und muss sich um Auto und Führerschein keine Gedanken machen. Anfangs waren seine Freunde erstaunt, mittlerweile sind die meisten selbst Carsharing-Kunden geworden.

Nur für den Urlaub mit der Frau und der zweijährigen Tochter oder für gelegentliche Shoppingtouren will Weiß das eigene Auto nicht missen.

Solch rationale Überlegungen sollten nicht täuschen: Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Autos ist und bleibt eine Liebesbeziehung. Laut Forsa-Umfrage können sich fast drei Viertel der deutschen Autofahrer kein Leben ohne Auto vorstellen. Jede achte Frau hat ihrem Auto einen Namen gegeben (bei den Männern nur jeder zwanzigste). Für die meisten steht das eigene Auto für Unabhängigkeit und Freiheit. Und doch konnten sich 44 Prozent der Befragten vorstellen, das eigene Auto mit anderen Menschen zu teilen.

Die Freude nutzt sich ab

Noch vor einigen Jahren wäre das undenkbar gewesen: Carsharing war etwas für Ökoidealisten. Seit neue Anbieter den Markt vor allem in den Großstädten aufmischen, hat sich das geändert – Carsharing ist hip. Nutzer können, wie Thomas Weiß, ein Auto per Smartphone oder Internet finden. Öffnen können sie das Auto einfach mit einem Chip auf ihrer Kundenkarte oder dem Führerschein. Zum Schluss lassen Nutzer das Auto irgendwo stehen. Aus der Liebes- wird eine Zweckbeziehung, abgerechnet im Minutentakt. Allerdings: Die Freude beginnt sich abzunutzen. Mitunter verdreckte Autos und verqualmte Innenräume verärgern inzwischen manchen den Sharing-Alltag.

Car2Go und DriveNow sind die beiden größten neuen Carsharing-Anbieter. Hinter ihnen stehen die Autokonzerne Daimler (Car2Go) und BMW (DriveNow). „Erst mit diesem flexiblen Carsharing ist es für mich eine Option geworden“, sagt Weiß. Vorher hätte er ein Carsharing-Auto im Voraus buchen, an einer festen Station abholen und dort auch wieder abstellen müssen: „Das war mir zu umständlich.“

Viele Autofahrer denken ähnlich – und haben nun erstmals die Wahl: Wollen sie ihr eigenes Auto fahren? Oder nutzen sie Carsharing, Mietwagen und Taxi? Sie stellen Kosten und Nutzen ins Verhältnis.

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21 Kommentare zu "Mobilität: Lohnt sich Ihr Auto noch?"

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  • "Wenn Sie mich damit meinen sollten..."

    Nein!

  • Wenn Sie mich damit meinen sollten, fällt es mir schwer, einen reellen Bezug zu meinem Kommentar herzustellen, weil mir Ihre Denkweise nicht einleuchtend erscheint. Wenn Sie mich doch gemeint haben sollten, so kann ich Ihnen versichern, daß allein auf Grund meines Hintergrundes sehr viele Menschen gerne mit mir tauschen würden, da es mir (auch materiell) sehr gut geht; ich aber trotzdem nicht alles haben muß, was möglich wäre. Aus Ihrem Kommentar ist leider nicht herauszulesen, was dieser Kommentar überhaupt bewirken soll. er läßt jedochgut erkennen, daß Sie wohl ein Persönlichkeitsproblem besitzen... :-)

  • Ach, ist das schön,

    wenn man kleinen Kindern und ähnlich einfach gestrickten Persönlichkeiten schon mit wenigen Zeilen eine solche Freude bereiten kann! (o:)
    Betrachten Sie es einfach als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an Sie! Frohes Fest! (((o:)


  • ...ganz so hart würde ich das nicht ausdrücken...

    Ich selbst habe mich vor einem Jahr bei einer Jahresfahrleistung von ca. 60.000km für einen 9-Sitzer-T5 mit der kleinsten Eingangsdiesel-Motorisierung entschieden. Ich bin Berufspendler und habe (dieser Aspekt bleibt hier nun einmal vollständig außer Acht) mich dazu entschieden, bei meinen Familienheimfahrten Mitfahrer mitzunehmen, die sich an den Kosten beteiligen.
    Der Wagen bietet eigentlich alles: Komfort, Transportraum, überschaubare Fahrzeugkosten, Flexibilität ist und bleibt alles vorhanden. Natürlich wäre es für mich wünschenwert, direkt einen Arbeitsort in der Nähe zur der Familie zu haben, so mach ich aber in jedem Fall das Beste daraus und sorge insgesamt für eine win-win-Situation. Wäre ich nicht auf ein Fahrzeug angewiesen, würde ich über dessen Abschaffung nachdenken.
    Carsharing soll sich auch ruhig etablieren und es sollen diejenigen nutzen und entscheiden können, genauso wie sie sich für die Nutzung des ÖPNV entscheiden würden. Für mich wäre das zur Zeit eher nicht geeignet und auch die verhältnismäßig hohen Gesamtkosten würden mich eher abschrecken.
    Sofern sich dieses Modell in den Innenstädten wider Erwarten nicht rechnen sollte, wird es über kurz oder lang ohnehin verschwinden.
    Über die errechneten Fahrzeugkosten kann ich eher nur noch schmunzeln, denn wenn viele Kfz-Halter nur ansatzweise auf die Idee kämen, das eine oder andere Mal Mitfahrer mitzunehmen, sie würden sich über den auch menschlichen Zugewinn freuen… ;-)

  • Ein typisch selbstgerechter HB-Troll Kommentar Herr Kammschott. Carsharing ist also nur für Egomanen und Leute ohne Beruf und Lebensinhalt... Und woher nehmen Sie diese "Weisheit"? Es ist doch wohl klar, dass dieser Konzept nicht für Familien gedacht ist, für Menschen die ihr Auto täglich brauchen. Ich fahre jeden Tag mit den Öffentlichen zur Arbeit
    (habe also einen Job) meine Freundin ebenso. Carsharing ist ein absoluter geniales Modell. Wir entscheiden uns ganz bewusst für kein Auto auch wenn es finanziell drin wäre, aber wenn ich mir die ganzen Fixkosten anschaue und die Kiste an 28 Tagen im Monat rumsteht... da nehm ich mir lieber mal nen Mini oder smart wenn ich ihn brauche. Und ich bin kein Egomane ohne Beruf und Lebensinhalt, ich kann nur rechnen

  • Das geeignete Auto gibt es nicht. Wenn ich was transportieren muss miete ich einen Transporter (30€), wenn ich weiter weg in die Pampa muss, einen Kleinwagen 40€ oder mal ne Woche 180€. In der City nehme ich den ÖNV, gegen Asis helfen Ohrstöpsel und tief ins Gesicht gezogene Mütze, da kaufe ich mir doch kein Auto. Also mit klassischen Mietwagen und ÖNV kommt man bequem über die Runden. Carsharing ist in der jetztigen Form überteuerte Quatsch für Freaks

  • Ach ja: ein Arbeiter mit 60000 € Jahresbrutto und einen Wagen der Oberen Mittelklasse ist wohl kaum ein geeignetes Kostenbeispiel. Abgesehen von ganz wenigen Außendienst-Schwätzern, bleibt ein 5er oder A6 oder E im allgemeinen ltd. Angestellten vorbehalten. Man redet dann aber über ein sechsstelliges Entgelt, wenigstens brutto. Alles andere leitet nicht sondern leidet.

  • Es geht nicht um die eingefahrenen Modelle von heute sondern um die Zukunft. Da der Trend zum Singlehaushalt und zur egomanen Null-Verpflichtung-für-Nichts anhält, Kinder absolut unerwünscht zu sein scheinen und sowieso alle am liebsten im Stadtzentrum wohnen, geht der Blick drastisch weg vom Autobesitz. Da zudem die Menschen mehr und mehr in die Scheinwelt Computer, Smartphone, Tablet und Co abtauchen, die Einkommensverhältnisse sich denen in USA angleichen, wird es für die Autobauer schwierig. Die Welt ist aber groß und so wird dern Niedergang noch etwas dauern.

  • Zitat:
    Wär mal interessant ob du das auch noch sagst wenn du jeden Tag beruflich 3-4 große und schwere blaue Taschen eines schwedischen Möbelhauses mit schwerem Zeugs drin 13km transportieren müsstest; wenn du täglich mit einem A6 Kofferraum voller Pakete zur Post fahren müsstest. Ob du das auch noch sagst, wenn du einen Wocheneinkauf mit 4 Kisten Getränken und Lebensmittel für 4 Personen und 3 Katzen heimschleppen dürftest. Ob du das auch noch sagst, wenn du die Oma zum Arzt, die Fussballkids zum Spielen, die Tiere zum Tierarzt bringen musst. Oder auch die Fliesen für die Wohnung besorgen, den Humus für den Garten aus dem Baumarkt, den Sperrmüll usw. usf.

    Bei aller Liebe, da würde ich gerne mal zusehen, wenn du das alles sharender Weise erledigst. *g*

    Und warum soll ich mir für all das ein Auto leihen, wenn ohnehin eines vor der Tür steht???

    Das 'Sharen' ist nur was für Leute mit wenig Pflichten und Verpflichtungen sowie wenig Familie. So gesehen ist es wohl trotz allem die Zukunft in den Megacities."
    --------------------------


    Große Klasse! Der Beitrag ist so gut, daß er auch von mir sein könnte, und ich habe mir auch überlegt, so ähnlich zu antworten.
    Da könnte man noch hinzufügen:
    "Täglich die Mutter auf der Intensivstation einer Uniklinik in ca. 50Km Entfernung besuchen wie dieses Jahr für 52 Tage im März und April, anschließend 3x wöchentlich in der Rehaklinik ca. 120Km. entfernt."
    Und da ist noch lange nichts eingekauft, kein Arzttermin etc. erledigt.

    Carsharing scheint wirklich überwiegend etwas für Singles, Egomanen und Leute ohne Aufgaben, ohne erwachsene Kinder und/oder Freunde, die mal umziehen, ohne wesentlichen Beruf, ohne Lebensinhalt und ohne Verantwortung zu sein.

  • Zitat:
    "..nimmt man.." - "..fährt man.." ? Sie können ja machen was Sie wollen. Ich mache es aber auch und das definitiv "anders" ;)"

    Ja, es ist für mich auch immer wieder erstaunlich, wie selbstverständlich sich manche A.......... (Selbstzensur) einbilden, andere Menschen und deren Leben beurteilen zu können!

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