Reifendruck-Kontrollsystem
300 Euro Mehrkosten beim Winterreifenwechsel

Durch die für Neuwagen vorgeschriebenen Reifendruck-Kontrollsysteme wird die Gefahr von Pannen und Unfällen gemindert. Zwei Systeme konkurrieren derzeit auf dem Markt. Die technisch bessere Variante ist aber teuer.
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DüsseldorfSeit November müssen alle neuen Autos mit RDKS, mit einem Reifendruck-Kontrollsystem, ausgerüstet sein. Zwei unterschiedliche Systeme stehen dabei zur Wahl: indirekt und direkt. Letztere arbeiten schneller und exakter, können aber zu erheblichen Kosten führen, auch bei der Umstellung auf Winterreifen.

Autoreifen leben von Luft. Zu wenig davon führt zu Mehrverbrauch, zu erhöhtem Reifenverschleiß, zu einer schwammigen Straßenlage, im Extremfall sogar zu Reifenzerstörungen und -platzern. Das ist bekannt, so lange es Luftreifen gibt – und trotzdem kümmern sich Autofahrer viel zu wenig um den korrekten Druck in ihren Reifen. Bis zu einem Drittel von ihnen, so einschlägige Untersuchungen, sind mit zu wenig Luft unterwegs, oft mit viel zu wenig. Der Verkehrsfunk warnt immer wieder vor Reifenteilen, die auf der Fahrbahn liegen, oft genug führen sich auflösende Reifen auch zu Unfällen.

Um künftig reifenbedingte Unfälle möglichst auszuschließen, beschloss die EU am 10. August 2010 mit der Regelung ECE R64, Reifendruck-Kontrollsysteme als Pflicht einzuführen. In den USA gibt es eine entsprechende Vorschrift schon seit vielen Jahren. Bei uns müssen bereits seit 1. November 2012 alle neu eingeführten Personenwagentypen (und Wohnmobile) über RDKS verfügen, seit Anfang des Monats gilt dies nun für alle neu zugelassenen Autos.

Die Systeme müssen, so ihr Sinn, bei einem Druckverlust an einem oder mehreren Reifen so rechtzeitig warnen, dass der Fahrer anhalten kann, bevor es zu einem Schaden kommt. Korrekter Druck vermeidet zudem Mehrverbrauch und unnötige Umweltbelastung.

Für die Kontrolle stehen zwei verschiedene Systeme zur Verfügung. Indirekt arbeiten sie mit Sensoren, die für ABS und ASR ohnehin vorhanden sind. Diese messen die Umdrehungen der Räder. Zu wenig Druck führt zu einer Abplattung des Reifens, zu einem kleineren wirksamen Durchmesser des Rades. Es dreht sich rascher als die anderen mit korrektem Druck. Das System merkt dies und schlägt Alarm. Es kann zusätzlich die typischen Schwingungen der Reifen während der Fahrt beobachten. Deren Frequenz ändert sich bei zu wenig Luftdruck.

Der große Vorteil: Indirekte RDKS erfordern nur eine Ergänzung der Software, keine neuen Teile am Auto oder an den Rädern. Nachteil: Indirekte Systeme reagieren langsam, gleichzeitigen Druckverlust an allen vier Rädern bemerken sie nicht – ist in der Praxis aber auch kaum vorstellbar. Durch ständiges Fahren im Kreis lässt sich das System übrigens nicht austricksen: Dabei drehen die kurvenäußeren Räder ebenfalls schneller. Über den Lenkwinkelsensor aber weiß das System, dass das Auto ständig im Kreis fährt, Alarm unterbleibt.

Ungleich größer ist der Aufwand bei direkt messenden Systemen. Jedes Rad muss einen Sensor erhalten, der außer dem Druck auch die Temperatur misst. Erhitzt sich ein Reifen bei scharfer Fahrt oder durch Sonneneinstrahlung, so erhöht sich der Luftdruck innen. Um Fehlalarm zu vermeiden, muss der Sensor den jeweiligen Druck im Reifen auf Normalbedingungen umrechnen. Das Ergebnis funkt er während der Fahrt zusammen mit der Radposition alle paar Sekunden an einen Empfänger, der leitet es weiter an ein Steuergerät. Als Antenne können die vorhandenen Kabel für die ABS-Sensoren an den einzelnen Rädern dienen, es kann aber auch eine gemeinsame Antenne vorhanden sein. Bei stehendem Wagen bleibt das System aktiv, die Funksignale erfolgen aber in wesentlich größeren Abständen.

Direkt messende Systeme arbeiten so genau, dass der aktuelle Druck in jedem einzelnen Reifen am Armaturenbrett angezeigt werden kann. Anders als indirekte Systeme bemerken sie Luftverlust auch bei stehendem Wagen. Sie reagieren rascher, sie bieten damit die größere Sicherheit bei einem plötzlich auftretenden Reifenschaden. 

Der Aufwand allerdings ist beträchtlich, auch für den Fahrer. Die Sensoren enthalten eine Batterie. Sie lebt sieben bis zehn Jahre, dann muss der gesamte Sensor erneuert werden – wozu die Reifen von der Felge gezogen werden müssen. Eine Ausnahme sind Piezo-Sensoren mit Akku, der durch die Rüttelbewegungen während der Fahrt aufgeladen wird. Bei der Montage neuer Reifen müssen die Sensoren je nach Alter geprüft oder erneuert werden. Metall-Schraubventile verlangen dazu neue Dichtungen, Kappen, Einsätze.

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Kommentare zu " Reifendruck-Kontrollsystem: 300 Euro Mehrkosten beim Winterreifenwechsel"

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  • "Fahren ohne lässt die Betriebserlaubnis erlöschen. Man fährt dann mit einem nicht zugelassenen Auto – und unter Umständen ohne Versicherungsschutz."

    Das ist vollständig falsch. Beim TÜV geht das als lediglich ein Mangel durch (der ohne Neuvorführung zu beheben ist), und der Versicherung ist es völlig egal. Meine hat mir gesagt, dass der Fahrer auch unabhängig vom RDKS für richtigen Luftdruck sorgen muss, denn das RDSK könnte auch dann nicht funktionieren, wenn es nicht anzeigt. Deshalb ist es der Versicherung egal, ob Sensoren drin sind oder nicht. Das RDKS ist nur ein Hilfssystem, keinesfalls ein absolutes Kontrollsystem (wie z.B. bei der Airbag-Fehlanzeige). Sonst müsste man ja bei Meldung des RDKS technisch eine Weiterfahrt unterbinden.

    Im Artikel fehlt zudem der Satz, dass der Fahrer unabhängig vom RDKS den Luftdruck überprüfen muss (wie früher). Deshalb ist der Artikel fahrlässig, weil er suggeriert, dass der Fahrer zukünftig nur noch auf das RDKS achten muss. Es ist wie immer: Solche Artikel offenbaren meist ein gefährliches Halbwissen der Schreiber. Wer sich danach richtet, ist selbst schuld.

  • Warum verlangt die EUdSSR nicht gleich, dass die Druckdaten aller Reifen in Echtzeit nach Brüssel gemeldet werden?

  • 400 Euro fürs reifen wechseln?

    Soviel kostet mein kompletter, alter Golf 2 gebraucht. Inkl 4 Reifen.

    VG
    Marvel

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