Tanke schön!
Der Super-Schlamassel geht weiter

Der E10-Gipfel kreißte und gebar ein Mäuslein. Autofahrer, die sich um ihre Motoren sorgen, vermissen weitergehende Herstellergarantien. Ein Ratgeber.
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Sollen alle Autofahrer, die sich um die Verträglichkeit von E10 für den Ottomotor ihres Fahrzeugs sorgen, so vorgehen wie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle? Der hat angeblich den Hersteller seines 13 Jahre alten Fahrzeugs schriftlich aufgefordert, ihm die Unbedenklichkeit des neuen Kraftstoffs mit dem höheren Ethanolanteil zu bestätigen.

Diese Vorgehensweise ist zwar jedem persönlich überlassen und aus rechtlicher Sicht sicherlich empfehlenswert, aber realistisch betrachtet dürfte das Papierkrieg verursachende Verfahren sich in der Praxis kaum durchsetzen. Es ist auch nicht das, was die handelnden Parteien und Teilnehmer am sogenannten "Benzin-Gipfel" empfehlen.

Sie versprechen, die Verbindlichkeit (und damit das bislang fehlende Vertrauen der deutschen Autofahrer) würde durch Verträglichkeitslisten der Autohersteller hergestellt, wie sie bald an allem Tankstellen ausgelegt werden sollen. Das ist allerdings nicht neu, sondern nur eine zusätzliche vertrauensbildende Maßnahme, denn die gleichen Angaben gab es zuvor schon auf den Websites der Hersteller.

Statt solcher Anschreiben (etwa über das Kraftfahrtbundesamt, wie es der ADAC gefordert hatte) prüfen die Autobauer nun, ein Internetportal einzurichten, das direkte Verlinkungen zu den Hersteller-Websites enthält. Dort soll man mittels der Identifikations-Nummer aus dem Fahrzeugschein überprüfen können, ob das eigene Fahrzeug E10-tauglich ist.

Auf Kulanz hoffen oder Nachweis führen

Eine Sonderhaftung oder ausgeweitete Garantien werde es im Zuge der E10-Einführung aber nicht geben, das hatten die Autobauer schon vor dem Gipfel klargestellt. Im Klartext: Wenn es zu einer Falschbetankung kommt, die im schlimmsten Fall den Motor zerstört, dann ist von der Herstellern laut offizieller Sprachregelung keine Hilfe zu erwarten.

Kunden, die ihr Auto oder Motorrad fälschlicherweise mit E10 betankt haben, haben keinen Anspruch auf Garantieleistungen. Ruiniert das Biobenzin den Motor oder die Kraftstoffleitungen eines Fahrzeugs, das für den E10-Betrieb nicht explizit freigegeben ist, muss der Halter selbst für den Schaden aufkommen - oder auf die Kulanz des Herstellers hoffen.

Beweislast liegt beim Verbraucher

Sollte es Reklamationen wegen vermeintlicher E10-Probleme geben, würden diese "im Rahmen unserer Garantiebestimmungen" geprüft, hieß es zum Beispiel bei Opel. "Dann muss man das in jedem Einzelfall prüfen, so wie in jedem Fall einer Reklamation im Garantieverfahren."

„Den Schaden trägt der Autofahrer“, sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Zwar könne man den Hersteller in die Haftung nehmen, wenn das Modell auf der Unbedenklichkeitsliste der Deutschen Automobil Treuhand steht. Aber der Geschädigte müsse nachweisen, dass der Schaden wirklich durch E10 angerichtet worden ist. „Man muss lückenlos nachweisen, dass man immer richtig getankt hat.“ Das dürfte allerdings für die meisten Autofahrer vor allem im Hinblick auf die durch E10 befürchteten Langzeitschäden ein Ding der Unmöglichkeit sein.

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Scharfe Kritik vom Verbraucherschutz

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  • wo ist das Problem?
    Die Regierung hat beschlossen dass E10 gut ist und versucht ihn nun unters Volk zu bringen, indem alle anderen Spritsorten 5 Cent teurer werden. Das ist an sich eine Frechheit, koennte aber bei den naechsten Wahlen korrigiert werden.
    Die Industrie ist hier entgegen landlaeufiger Polemik nicht der Boesewicht, denn:
    Die ordentliche Abpruefung eines neuen Kraftstoffs im Dauerversuch braucht im Rahmen einer Fahrzeugentwicklung 1-2 Jahre.
    Da das Thema E10 nicht vom Himmel gefallen ist, kann davon ausgegangen werden, dass alle heute in D neu angebotenen Fahrzeuge entsprechend erprobt sind und der Hersteller eine Freigabe zu geben hat (oder fuer einzelne, auslaufende Motorkonzepte eben auch nicht). Wenn das nicht moeglich ist, hat der Hersteller seine Hausaufgaben nicht erledigt;
    Keiner kann ernsthaft erwarten dass Hersteller fuer 10 Jahre alte Modelle diese Tests nachholen! Daher ist auch keine Freigabe moeglich, so einfach ist das. Wer den 5 Cent billigeren Sprit tanken will tut das auf eigenes Risiko. No risk no fun.
    E5 Sprit gibt es auch weiterhin. Herr Bruederle mit seinem alten Schlitten und ich werden diesen tanken muessen. Oder einen neuen Wagen kaufen. So be it. Das Problem erledigt sich innerhalb 10 Jahren von selbst.

  • Angeblich vetragen manche alte Autos das E10 nicht, obwohl sich an der relevanten Technik nichts geändert hat. Warum wohl? Wenn der Motor streikt, werden die Hersteller sagen, es läge am Alter und nicht an E10.

    Ich kann nur abraten diese Mischung zu tanken!

  • Wenn alles so paletti ist wie da getönt wird, warum garantieren dann die Autohersteller nicht ohne Beweislast seitens des Eigentümers die E10-Verträglichkeit aller ab sofort hergestellten Fahrzeuge? Das würde ebenso wirken wie eine zweite Abwrackprämie und den Staat kostet es diesmal NICHTS.

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