Verkehrsrecht

Tempo 130 überschritten: Mithaftung bei Auffahrunfall

Wer die auf Autobahnen geltende Richtgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometer deutlich überschreitet, bleibt bei einem Verkehrsunfall auf einem Teil seines Schadens sitzen - selbst wenn er den Crash nicht verursacht hat.
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  • dpa
Autobahn

Rasen erlaubt - aber nicht empfohlen: Die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen ist 130 km/h.

HammNach Auffassung des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm erhöht sich das von einem Fahrzeug ausgehende Gefahrenpotenzial, wenn man mit ihm die auf deutschen Autobahnen geltende Richtgeschwindigkeit von 130 km/h überschreitet. Daher sei eine Mithaftung grundsätzlich gerechtfertigt, heißt es in einem Urteil (Aktenzeichen: 6 U 71/10), über das die Fachzeitschrift "NJW-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht" berichtet.

Das Gericht gab damit der Schadensersatzklage eines Autofahrers nur teilweise statt. Der Kläger hatte die Richtgeschwindigkeit auf Bundesautobahnen von 130 Stundenkilometer um 30 Stundenkilometer überschritten. Als es zu einem Auffahrunfall kam, den der Kläger nicht verschuldet hatte, verlangte er von dem Unfallgegner den vollen Schadensersatz. Das OLG billigte ihm jedoch nur eine Schadensquote von 80 Prozent zu. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, bei Einhalten der Richtgeschwindigkeit wäre der Unfall wohl vermieden worden. Daher sei eine Haftung auch ohne Gesetzesverstoß begründet.

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9 Kommentare zu "Verkehrsrecht: Tempo 130 überschritten: Mithaftung bei Auffahrunfall"

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  • Aus meiner Erfahrung heraus geht die meiste Gefahr auf den Autobahnen im Moment eher von oben beschriebenen Fahrern aus, die mit Tempo 100 die Mittelspur blockieren und so gefährliche Siutationen heraufbeschwören (wenn z.B. ein Motorschwaches auto dann links überholen muss) oder aber achtlos ohne rückwärtigen Verkehr zu beobachten und ohne zu blinken (was völlig aus der Mode gekommen ist) auf die linke Spur ziehen, als von jenen Fahrern, die mit Tempo 160 und damit meist enorm aufmerksamer am Straßenverkehr teilnehmen. Die Straße ist kein Ort zum Träumen, wie es in meinen Augen viele der "entspannten" Fahrer glauben und praktizieren.
    Und auch hat man keine Vorfahrt, wenn man die Autobahn über den Beschleunigungsstreifen befährt, das wird leider fast immer vergessen und sich dann noch fleißig beschwert. Die Person, die ganz normal auf der linken Spur fährt und plötzlich einen fast stehenden, natürlich nicht blinkenden, Verkehrsteilnehmer vor sich findet, sollte dann natürlich mitschuld sein.
    Sinnvoller als ein Tempolimit wären regelmäßige Nachschulungen in der Fahrschule über die Straßenverkehrsordnung mit Rechtsfahrgebot und co.

  • Eine öffentliche Straße ist keine private Rennstrecke - dies wird oft vergessen, sobald der Zündschlüssel gedreht ist.

  • Das ist mal ein "rechtsprechendes" Urteil: Hochachtung vor dem Richter!

  • Das ist Rechtsprechung par exellance! Hochachtung vor dem Richter!

  • Na prima, endlich mal wieder ein Freibrief für all die Vollträumer, die mit 110 km/h die Mittelspur blockieren (rechts ist ja nur für Laster), um dann plötzlich und ohne Blinker nach links zu ziehen, weil in 2 km Entfernung ein Laster in die Mittelspur zu wechseln droht. In den Rückspiegel wird entweder gar nicht gesehen, oder es hilft nicht, weil dieser so blödsinnig eingestellt ist, dass man leider nur die Strecke bis zur eigenen Heck-Stoßstange überblicken kann. Und hat man selbst dann mit knapper Not und qualmenden Bremsen den Unfall verhindert, wird man auch noch beschimpft und bedroht, weil man ja ein schlimmer Raser und Drängler ist - das ist grundsätzlich jeder, der auch nur ein km/h schneller fährt als man selbst. Es darf vermutet werden, dass die Damen und Herren Richter in Hamm zu genau dieser Kategorie Autofahrer gehören - in der Mercedes B Klasse oder im Golf Plus, gern auch im beliebten Kompakt-SUV.

  • Ein bisschen Physik zum Nachdenken:
    Bremsweg bei sehr guten Bedingungen und Bremsen bei Tempo 130 ca. 65 m, bei Tempo 180 ca. 125 m (Ohne Reaktionszeit)

  • Hier wird also ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen quasi durch die Hintertür eingeführt. Wer zahlt schon gerne die Zeche, wenn unaufmerksame Fahrer ausscheren ohne den nachfolgenden Verkehr zu beachten? Und Tempo 160 km/h, wie in diesem Fall, ist eher komfortable Reisegeschwindigkeit denn "Raserei". Ist es nicht vielmehr so, daß viele Unfälle in diesen Geschwindigkeitsbereichen durch Unachtsamkeit und "Schläfrigkeit auf der linken Spur" heraufbeschworen werden? Hier sollte man rigoroser eingreifen! Ich spreche hier ausdrücklich nicht von Geschwindigkeiten > 200 km/h, sondern von Geschwindigkeiten im Bereich 160-180 km/h, wie sie oft im Langstreckenverkehr (auch von mir) genutzt werden!

  • Menschen, die gern etwas schneller fahren wenn es die Situation zulässt, sind auch"freie Bürger". Wenn man wie im vorliegendem Fall 160 auf der Autobahn fährt, ist man noch lange kein "testosterongesteuerter Raser".

  • Wann finden sich endlich auch in Deutschland genug Politiker, die diese gefährliche, energieverschwendende Raserei durch ein klares Tempolimit einschränken.
    Als "freier Bürger" wünsche ich mir etwas weniger Stress und etwas weniger Gefährdung durch Raser auf der Autobahn. Es gäbe wahrscheinlich sogar ein paar Unfälle weniger, und ein paar Staus weniger. Alle und die Umwelt hätten was davon. Die testosterongesteuerten Raser sollten sich woanders austoben, wo Normalbürger nicht gefährdet werden.

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