Allianzen
Wie Volkswagen die Autobranche unter Druck setzt

Fiat mit Chrysler, jüngst PSA mit General Motors: Volkswagen hat sich zu einem solchen Automobilgiganten entwickelt, dass viele Rivalen nur noch mithalten können, indem sie ihre Kräfte bündeln – auch Daimler und BMW.
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GenfCarlos Ghosn ist der Mann, der die inzwischen am längsten existierende Auto-Allianz einfädelte – die zwischen Renault und Nissan. Vor 13 Jahren stieß er auf viel Skepsis. Heute ist er der Chef beider Unternehmen und fühlt sich angesichts des Hauptgesprächsthemas auf dem Auto-Salon in Genf bestätigt. „Es passiert das, was wir seit Jahren vorhersagen: Die Konsolidierung geht weiter.“ Fusionen und Übernahmen wie die berühmt-berüchtigte „Hochzeit im Himmel“ von Daimler und Chrysler sind nach seiner Lesart gescheitert.

Jetzt also Allianzen. Aber: „Auch sie sind schwierig. Manche werden scheitern, manche werden gelingen“, sagt Ghosn. Die meisten Konzerne haben allerdings keine Wahl – hohe Investitionen etwa in alternative Antriebe sowie der große Kostendruck treiben sie immer stärker gegenseitig in die Arme. Ghosn sagt: „Der Absatz von zusammen acht Millionen Fahrzeugen im Jahr erlaubt uns vieles, was weder Renault noch Nissan allein schaffen würden.“ Die Allianz hat beispielsweise mehrere Milliarden Euro in die Entwicklung des Elektroautos gesteckt, auf das sie konsequenter setzt als jeder andere große Autobauer.

Die Autobranche befindet sich im Umbruch, steht aber erst an dessen Anfang. BMW-Chef Norbert Reithofer vergleicht den Sprung, der sich da vollzieht, mit dem Übergang von der Schreibmaschine zu Laptop und Smartphone, dem Wechsel von der Analog- zur Digitalfotografie oder dem vom Pferd zum Auto.

Es sind diese Umwälzungen, die hinter dem Einstieg von Fiat bei Chrysler stehen. Und erst vergangene Woche kündigten PSA und der weltgrößte Autobauer General Motors (GM) eine Allianz an. Dieser Schulterschluss erfolgt nur kurze Zeit nachdem der Mutterkonzern von Peugeot und Citroën noch enger mit einem anderen langjährigen Verbündeten, BMW, zusammengerückt ist.

PSA-Chef Philippe Varin begründet die Partnerschaften mit den gleichen Argumenten wie sein Kollege Ghosn. Selbst als Europas Nummer zwei ist der Konzern laut ihm nicht groß genug: „Wir haben mit unserem Absatz nicht die kritische Masse mancher Konkurrenten.“ Es ist klar, dass er damit vor allem Volkswagen und den aufstrebenden Hyundai-Konzern aus Südkorea meint, die vermutlich einzigen Volumenhersteller, die auf dem schrumpfenden europäischen Markt derzeit noch Gewinne erzielen.

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