General Motors: Götterdämmerung bei Opel

General Motors
Götterdämmerung bei Opel

Noch vor drei Jahren musste General Motors mit Staatshilfe gerettet werden, nun legt der US-Autobauer ein Rekordergebnis vor. Nur die Konzerntochter Opel schwächelt erneut. Bochum muss den Kahlschlag fürchten.
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Düsseldorf/DetroitGeneral Motors hat dank starker Verkäufe in Nordamerika insgesamt einen Gewinn von 7,6 Milliarden Dollar eingefahren. Während der US-Autobauer seine Wiederauferstehung feiert, wachsen bei Opel die Existenzängste. Denn obwohl der Mutterkonzern einen Rekordgewinn vorlegt, trübt die deutsche Tochter wieder das Gesamtergebnis ein. Im abgelaufenen Geschäftsjahr muss GM-Finanzchef Dan Ammann für das Europageschäft einen Verlust von 747 Millionen Dollar (575 Millionen Euro) präsentieren. Im Vorjahr hatte das Minus bei knapp 2,0 Milliarden Dollar gelegen. Nach den GM-Zahlen fielen allein 560 Millionen Dollar der Jahresverluste in das letzte Quartal 2011. Von Oktober bis Dezember fiel der Absatz von Opel und Vauxhall um 22.000 Stück gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil ging von 9,0 auf 8,6 Prozent zurück. Der erneute Verlust dürfte den Druck erhöhen, in Bochum die nächste Sparrunde einzuläuten.

Selbst im Heimatmarkt Deutschland verliert Opel immer weiter an Boden. Nach Daten des Kraftfahrtbundesamtes schrumpfte der Marktanteil binnen zehn Jahren von annähernd 12 Prozent auf im vergangenen Jahr noch 8 Prozent. Damit rangiert Opel hinter BMW/Mini, Mercedes-Benz und meilenweit hinter VW (knapp 22 Prozent). Im Januar sank der Opel-Absatz in der EU um 21 Prozent, wie der Verband ACEA am selben Tag mitteilte. Gleichzeitig dreht die auf kleine und günstige Autos ausgerichtete GM-Tochter Chevrolet in Europa immer mehr auf.

Konzernchef Dan Akerson deutete bereits weitere Einschnitte für Europa und die zweite Problemregion Südamerika an: Die Schwelle, bei der Gewinn gemacht werden könne, müsse sinken. Für den Nachmittag wurden Gespräche zwischen der deutschen Konzernleitung und der Zentrale in Detroit angesetzt. In den vergangenen zwölf Jahren war es Opel nur einmal gelungen, auf Jahressicht Gewinn zu schreiben - das war im Jahr 2006. In der Wirtschaftskrise 2009 hatte GM sogar erwogen, Opel zu verkaufen, machte aber im letzten Moment einen Rückzieher. Stattdessen wollten die Konzernlenker aus Detroit die Problemtochter auf eigene Faust sanieren.

Konzernkenner erwarten, dass der Vorstand dem Aufsichtsrat Ende März einen Opel-Strategieplan vorlegen wird. Zuletzt gab es Gerüchte, GM erwäge die Schließung des Opel-Werks in Bochum mit 3000 und im britischen Ellesmere mit 2000 Beschäftigten. Dabei gab es bei dem Autobauer schon 2010 harte Einschnitte. So sollen die Opelaner europaweit jährlich 265 Millionen Euro an Sanierungsbeiträgen erbringen. Im Gegenzug hatte sich GM bis Ende 2014 zum Verzicht auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen für alle europäischen Standorte bereit erklärt. Außer in Bochum hat Opel hierzulande noch Werke in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern.

Opel hat bereits eingeräumt, zur Ergebnis-Verbesserung „mehr tun“ zu müssen. „Wichtig wird es sein, die Material- und Produktionskosten zu senken und den Zugang zu neuen Märkten zu erweitern“, sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug am Donnerstag. Die Arbeitnehmer fordern seit längerem, dass Opel seine Autos stärker auch außerhalb Europas verkaufen kann, etwa auf dem weltgrößten Pkw-Markt China.

Auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke schielt auf die Schwellenländer. Es werde daran gearbeitet, „das Opel-Geschäft in China auszubauen“, schrieb Stracke seiner Belegschaft. „Wir sehen Chancen im wachsenden Segment junger, wohlhabender Kunden, die die Tradition deutscher Ingenieurskunst schätzen, die Opel verkörpert.“ Die Einsicht kommt spät. Seit Jahren feiern andere deutsche Hersteller wie VW Verkaufserfolge im Reich der Mitte.

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