15 Jahre Toyota Prius: Vom Technik-Experiment zum Öko-Bestseller

15 Jahre Toyota Prius
Vom Technik-Experiment zum Öko-Bestseller

Wer hats erfunden? Beim Hybridauto lautet die Antwort: Ferdinand Porsche, vor 112 Jahren. Doch erst der japanische Großserienhersteller Toyota machte es seit 1997 mit dem Prius zu einer Erfolgsgeschichte.
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DüsseldorfDer Hybridantriebe ist fast so alt wie das Auto selbst. Schon 1900 stellte Ferdinand Porsche das erste Hybridauto vor, das der damals 25jährige Ingenieur für die Wiener Firma Lohner entwickelt hatte. Toyota aber gebührt der Verdienst, den Hybridantrieb vor 15 Jahren für die Großserie mit uneingeschränkter Alltagstauglichkeit entwickelt und auf die Straßen der Welt gebracht zu haben.

Es musste eigentlich fast zwangsläufig ein japanischer Autohersteller sein, um die Entscheidung für eine so langfristige Entwicklungsinvestition zu treffen, wie sie der Hybridantrieb zwingend erfordert. Japanische Aktiengesellschaften orientieren sich weniger nach kurzfristigen Gewinnzielen von Jahres- oder gar Quartalsergebnissen, wie das amerikanische oder europäische AGs bevorzugen, sondern richten ihre Strategie auf langfristige Ziele aus. Dass das Unternehmen noch in Jahrzehnten in seinem angestammten Geschäftsfeld erfolgreich ist und die Aktionäre mit Dividenden erfreut.

So ist bei Toyota bereits Anfang der Neunziger-Jahre des letzten Jahrhunderts die Entscheidung gefallen, auf Jahre hinaus Milliarden in eine Antriebstechnik für das 21. Jahrhundert zu investieren; eine, die möglichst genügsam mit den endlichen fossilen Brennstoffen aus Erdöl umgeht.

Der Hybridantrieb nutzt grundsätzlich das Prinzip, dass bei jedem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor viel zu viel von der eingesetzten Energie verloren geht, ohne ihrem eigentlichen Zweck der Fortbewegung zu dienen. In Verbindung mit einem Energiespeicher, der die besonders bei der Verzögerung nutzlos verschwendete Energie quasi wieder einfängt, bunkert und dann wieder für Beschleunigung und Fahrt bereithält, sollte der Hybridantrieb zum besseren Futterverwerte avancieren. Dafür eignet sich am besten ein Elektromotor als Partner für den Verbrenner, der sowohl als zusätzlicher Antrieb, als auch als Generator für die Energierückgewinnung dienstbar ist.

Bereits 1977 hatte Toyota begonnen, mit dem Hybridantrieb zu experimentieren. Die zuständigen Ingenieure implantierten damals eine Abgasturbine mit Elektromotor und Batteriespeicher in einen "Sports 800". Diese Kombination erwies sich jedoch als Fehlgriff. Erst etwa weitere 15 Jahre später fiel bei Toyota die Entscheidung, dem Hybridantrieb zum Durchbruch zu verhelfen.

Als härteste Nuss erwies sich dabei der Energiespeicher. Weit und breit war keine Batterietechnik in Sicht, die hinsichtlich Gewicht, akzeptablen Platzbedarf und erforderlicher Energiedichte geeignet war. Als weitere kritische Problemzone kristallisierte sich das Energiemanagement heraus. Um eine Batterie über den Lebenszyklus eines Autos nutzen zu können, darf sie nur in einem bestimmten Fenster ge- und entladen werden. Beide Ladungszustände müssen dabei in Bruchteilen von Sekunden synchronisiert werden.

Die Lösung dieser Herausforderungen überforderte sogar das Entwicklungspotential des größten japanischen Autoherstellers. Also wandte sich Toyota an ein Unternehmen, mit dem als Zulieferer bereits eine langjährige Partnerschaft bestand: Panasonic. Die 1918 gegründeten Spezialisten für Elektrik und Elektronik entwickelten die sogenannten "Stacks", die Batterieeinheiten für das Hybridfahrzeug und Toyota das passende Auto dazu. Der Prius sollte ein Fahrzeug der Kompaktklasse werden, rund vier Meter lang und mit einer strömungstechnisch besonders optimierten Karosserie, die dem Auto eine unverwechselbare Form verlieh.

Da die Technik mit einem 58 PS starken Benzinmotor und 40-PS-Elektromotor im Mittelpunkt der Entwicklung stand, die Akzeptanz der neuen Antriebstechnik bei den heimischen Kunden in Japan und auf dem wichtigsten Markt der USA, vor allem im umweltbewussten Kalifornien zu keinem Zeitpunkt der Entwicklung absehbar und damit kalkulierbar war, durfte sich die Designabteilung beim Prius hinten anstellen.

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Überzeugende sieben Jahre Garantie

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  • Vollhybride stehen kurz vor dem Massendurchbruch - das ist zwar an den Zulassungszahlen noch nicht abzulesen. Die Lizensierung führender Autofirmen, die auf diese technologie zugreifen ist aber steigend. Deutsche Unternehmen kommen von hochpreisig nach unten; japanische schon eher von oben/mittelklasse nach unten. Das zeigt auf steigende Stückzahlen einer erprobten und bewährten Technik. Der Damm ist jedenfalls gebrochen und mit den Stückzahlen sinken die Preise.

    Gespannt kann man aber über das Qualitätsniveau sein; während Toyota hier nichts zu meckern hat, müssen andere Hersteller erst einmal beweisen, dass sie ein hohes Qualitätsniveau garantieren können.

    E-Automobile werden zwar kommen, aber vorher die Welle der Hybride. Etliche E-Auto-Komponenten werden dann aber günstiger zu haben sein, was ebenfalls positiv ist. Technologien wie Zylinderabschaltungen zeigen auch auf, dass das innovationspotential von Verbrennungsmotoren noch nicht beeendet ist. Werden Batterien viel billiger kämen auch serielle Hybride mit RangeExtender zum Einsatz, aber Batterien sind halt noch sehr teuer. Ein Effekt der daher voll auf die Vollhybride zulaufen wird. Nur schade, dass VW eher in den USA auf das gaspedal tritt, als in Deutschland. In den USA werden Technologien billiger und schneller angeboten. Der Jetta Hybrid kommt in den USA zum Tragen - weniger in Deutschland. Man kann aber "hoffen", dass es dann zügig einen Beetle Hybrid u. einen Golf Hybrid angeboten werden. Anders als Toyota wird es aber wohl weniger in die kleinwagenklasse gehen. Hier gebührt dem Toyota Yaris das Debüt. Es tut sich also was - der Damm ist begrochen - aber in verschiedenen Geschwindigkeiten.

  • Netter Artikel, nur die Zwischenüberschrift auf Seite 2 stimmt nicht: Der Prius-1 hatte damals nicht nur 7, sondern sogar 8 Jahre Hybridgarantie (alternativ 160.000km Laufleistung). Kommt auch arithmetisch besser hin: Offenbar wurde dabei mit 20.000km Jahreslaufleistung gerechnet ...

    Fahre selber seit 10 Jahren Prius: erst P1, dann P2.

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