20 000 Teile für Old- und Youngtimer
Autozulieferer entdecken ihre Historie neu

Deutschlands Automobilzulieferer entdecken ihre Geschichte: Angesichts eines wahren Oldtimerbooms stehen die Traditions- und Markenpflege derzeit hoch im Kurs.

dpa STUTTGART. Der Laden atmet den Charme der 50er Jahre. In den Vitrinen liegen Zündkerzen, Wischerblätter und rostbraune Verteilerkappen. Die grauen Verpackungen wecken nostalgische Gefühle, runde Scheinwerfer und Autoradios mit Bakelit ergänzen das Bild. Das Geschäft existiert aber heute - im Düsseldorfer Oldtimerzentrum „Meilenwerk“ hat der Bosch-Konzern einen historischen Warenladen mit einer Oldtimer-Werkstatt eingerichtet.

Allen voran hat der Stuttgarter Automobilzulieferer seit 2005 einen eigenen Classic-Bereich namens „Bosch Automotive Tradition“ mit Sitz Karlsruhe etabliert. „Wir können unseren Kunden 20 000 Produkte für Young- und Oldtimer anbieten“, sagte Leiter Lars Stuhlweißenburg. Mit zehn Mitarbeitern und einem Umsatz im kleinen einstelligen Millionenbereich ist die Automotive Tradition im riesigen Bosch-Konzern - Umsatz im Automobilgeschäft: 27,2 Mrd. Euro - eigentlich ein Winzling

Doch das Geschäft mit der Vergangenheit ist nicht nur komplex, sondern hat auch eine große Bedeutung für die Marke. Und Markenpflege betreiben die Automobilzulieferer heute viel intensiver als in der Vergangenheit - als Systempartner und Anbieter von Komplettlösungen der Automobilindustrie ist ihre Bekanntheit in der Öffentlichkeit auch gestiegen. Allein 14 000 historische Dokumente haben die Bosch-Traditionspfleger ins Internet gestellt. Zusätzlich bieten sie dort Beratung und Hilfe an - kein Wunder, dass die Web-Seiten der Bosch Tradition zu den am häufigsten angeklickten gehören.

Die Motorisierung der Welt ist eng mit Bosch verbunden; 1 897 montierte Robert Bosch einen Magnetzünder an ein motorisiertes Dreirad; schon 15 Jahre später wurde dieser Schrittmacher der Motorisierung mehr als eine Million Mal verkauft.

Bosch hilft, wo es geht: „Kürzlich haben wir ein Teil für einen BMW in Atlanta in den USA entdeckt“, sagt Stuhlweißenburg. Der Autofahrer steht aber nicht unbedingt im Mittelpunkt der Bosch-Aktivitäten, denn dieser bestellt Teile ja im Handel und nicht beim Konzern direkt. Der eigentliche Kunde des Zulieferers ist der Autohersteller - kein Wunder, dass etwa das Classic-Center von Mercedes-Benz in Fellbach bei Stuttgart ein wichtiger Auftraggeber ist. „Kürzlich haben wir für das Classic-Center rund 100 Starter für die legendären 300 SL-Flügeltürer gefertigt“, sagte der Manager.

Natürlich zählen auch Oldtimer-Messen und Rallyes zu den Orten, an denen sich die Oldtimer-Abteilung von Bosch tummelt. Bei der Alpenfahrt Silvretta Classic, an der man mit einem Borgward teilnimmt, trifft der größte deutsche Zulieferer Bosch jetzt auf den drittgrößten Zulieferer ZF Friedrichshafen, der ebenfalls ein Fahrzeug einsetzt. Auch ZF plant, seine Aktivitäten im Oldtimer-Markt zu verstärken, wie Sprecher Matthias Lenz sagt. Beide Unternehmen eint dabei das unbestreitbare Motto: „Ohne Ersatzteile wird kein Auto zum Oldtimer.“

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