Test + Technik
50 Jahre Goggomobil

Das Goggomobil wurde vor einem halben Jahrhundert nicht nur zu einem der beliebtesten Autos Deutschlands, sogar die englische Prinzessin Margaret, die Schwester der Queen, ließ sich in dem Gefährt chauffieren.

dpa DINGOLFING. Das Goggomobil wurde vor einem halben Jahrhundert nicht nur zu einem der beliebtesten Autos Deutschlands, sogar die englische Prinzessin Margaret, die Schwester der Queen, ließ sich in dem Gefährt chauffieren.

An Pfingsten (13. bis 16. Mai) wollen Oldtimer-Fans aus aller Welt in Dingolfing, dem „Geburtsort“ des Goggos, den 50. Geburtstag des legendären Automobils feiern. Ein 34 Kilometer langer Korso mit rund 400 historischen Fahrzeugen soll am Sonntag (13.00 Uhr) Höhepunkt des Goggo-Spektakels werden.

Mit dem Kleinwagen wollten die Dingolfinger Glas-Werke angesichts des Wirtschaftsbooms in der jungen Bundesrepublik insbesondere Motorradfahrer zum Umsteigen auf vier Räder motivieren. Dies machten auch die Reklamebotschaften klar: „Freiluftfahren ist schon alt: Sommer Regen, Winter kalt - Familie das nun nicht mehr will! Lösung klar: Goggomobil“, reimten die Werbestrategen auf ihren Plakaten. Im Angebot waren eine Limousine, ein Coupé, ein Pick-up und sogar ein Mini-Transporter.

Offenbar traf dieses Konzept voll ins Schwarze. Von 1955 bis 1969 rollten rund 280 000 Exemplare der Zweitakter aus der niederbayerischen Fabrik. „Das war zeitweise das weltweit meistverkaufte Auto in dieser Klasse“, erklärt Jürgen Kraxenberger von der Goggo- und Glasfahrer Gemeinschaft Dingolfing. „Das Goggomobil war einfach das richtige Auto zur richtigen Zeit.“

Der Erfolg des Goggos ist nach Ansicht von Kraxenberger auch auf die relativ einfache Technik zurückzuführen. Selbst nicht ganz so versierte Bastler könnten sich bei einem Defekt leicht behelfen, erklärt er. „Aber es ist auch ein tolles Fahrgefühl“, schwärmt der Vorsitzende des 1984 gegründeten Goggo-Klubs, der das Pfingsttreffen organisiert.

Die technischen Daten des 2,9 Meter kurzen und nur 1,26 Meter breiten Viersitzers sind aus heutiger Sicht eher bescheiden. Die Basisversion hatte 250 Kubikzentimeter Hubraum und kam mit 13,6 PS in der sportlichen Coupé-Variante auf eine Spitzengeschwindigkeit von 84 Stundenkilometern. Mindestens 3 327 Mark mussten die Käufer für ihren Goggo hinblättern, gegen Aufpreise von 30 bis 100 Mark waren Motoren mit 300 und 400 Kubik erhältlich.

Der Erfolg des Goggos war für die Hans Glas Gmbh alles andere als vorhersehbar. Vielmehr war das Fahrzeugkonzept bei dem Familienunternehmen eher eine Notlösung. Eigentlich bauten die Glas- Werke Landmaschinen, fanden dafür aber nach dem Kriegsende immer weniger Abnehmer. Inspiriert vom Siegeszug der Vespa in Italien brachte das Unternehmen einen Roller auf den Markt, das Goggomobil wurde dann zunächst als eine Art vollverkleideter Roller mit vier Rädern entwickelt.

Später konzipierten die Glas-Ingenieure, durch die Goggo- Verkaufszahlen beflügelt, auch das größere Modell Isar und den Luxuswagen V8. Doch schon Ende der 60er Jahre ging die kurze Geschichte der Glas-Automobile zu Ende. BMW übernahm die Dingolfinger Fabrik und baute sie zum zweiten Standort des Münchner Unternehmens aus. Inzwischen haben die Niederbayern den BMW-Stammsitz sogar überholt: Dingolfing ist heute das weltweit größte Werk des weiß- blauen Autokonzerns. Die rund 22 000 Mitarbeiter fertigen täglich bis zu 1 300 Wagen der Baureihen 5er, 6er und 7er sowie Karosserien der britischen Nobelmarke Rolls-Royce.

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