62. IAA
Der Erfolg hängt an der Batterie

Auf der IAA rückt eine Technologie in den Mittelpunkt, die bislang ein Mauerblümchendasein im Autobau fristete: die Batterietechnik. „Die Leistungsdichte der Batterien wird künftig eine der entscheidenden Faktoren für den Erfolg werden“, sagt Mercedes-Produktionschef Reiner Schmückle.

FRANKFURT. Umweltfreundliche Antriebe mit Elektromotor sind letztendlich nur so gut, wie es der Akku zulässt. Dabei komme es auch auf die Kühlung und Steuerung der Batterie an. „Wir müssen die Kompetenz wieder nach Europa holen“, forderte Schmückle. „Batterietechnik war einmal eine deutsche Domäne“, beklagt auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und kündigte große Anstrengungen an, wieder aufzuholen.

Die Batterietechnik wirft ein Schlaglicht auf die Fehler der Vergangenheit in der Autoindustrie. Noch vor wenigen Monaten bezeichneten deutsche Hersteller die Hybrid-Antriebe mit der Mischung aus Verbrennungs- und Elektromotor als Übergangstechnik. Damit ist spätestens seit der IAA Schluss. Von Mercedes bis Porsche überbieten sich die deutschen Hersteller in der Aufholjagd. Toyota hat bereits eine Million Fahrzeuge mit der Mischung aus Verbrennungs- und Elektromotor auf der Straße. Entsprechend gelassen reagieren japanische Manager auf die europäische Konkurrenz. Schließlich habe man über zehn Jahre Erfahrungen und Daten gesammelt, die nicht so schnell aufzuholen seien, heißt es bei Toyota.

Elektrische Antriebe sind im Auto nicht mehr wegzudenken. Und Toyota hat sich früh darauf eingestellt. Vor zehn Jahren gründeten Toyota und Matsushita den Batteriehersteller Panasonic EV Energy, der für die Hybrid-Autos von Toyota die Nickel-Metall-Batterien liefert.

Selbst die arg gebeutelte US-Autoindustrie formiert sich beim Thema Batterie. GM könnte 2010 das Elektroauto in den USA und Europa auf den Markt bringen, vorausgesetzt, bis zu diesem Zeitpunkt ist eine leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterie auf dem Markt. GM arbeitet auch mit einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen, das aus dem französischen Batteriehersteller Saft und dem Autozulieferer und Varta-Eigner Johnson Controls besteht.

Leistungsfähige Akkus auf Lithium-Ionen-Basis, wie man sie von Laptops her kennt, wären besser geeignet als die derzeit verbauten Nickel-Metall-Batterien, die mit einem Gewicht von 70 Kilogramm viel Platz im Fahrzeug benötigen. Daher arbeiten unter anderem auch Nissan und Mitsubishi sowie Zulieferer wie Continental an diesen kleineren und leistungsfähigeren Aggregaten. Der Bosch-Konzern revolutionierte mit Lithium-Ionen-Akkus den Markt der Elektrowerkzeuge. Der weltgrößte Autozulieferer will dieses Know-how jetzt auch bei Autobatterien besser nutzen.

Branchenexperten warten gespannt darauf, ob sich die deutschen Hersteller beim Thema Batterie zusammentun, oder ob wieder verschiedene Gruppen wie beim Hybrid-Motor ihr eigenes Süppchen kochen. „Alle Formen der Kooperation sind denkbar“, sagt Mercedes-Manager Schmückle.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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