Abarth 695 Biposto
Zwischen zwei Welten

Wer kauft einen potenten Kleinstwagen, der auf Rückbank, Radio und Klima verzichtet, dafür Motorsport-Technik unterm Blech trägt und so viel kostet, wie ein Mittelklassemodell? Nicht zwingend nur Freizeit-Alonsos.
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Von all den süßen und bunten Ablegern der stadttauglichen Knutschkugel Fiat 500 schickt der hauseigene Veredler Abarth die krassesten Versionen auf die Straße. Jetzt haben die Italiener den bösesten Kraftzwerg entwickelt. Der knapp 40.000 Euro teure 695 Biposto mag sich auf den ersten Blick nicht allzu sehr von seinen bereits kraftmeiernden Brüdern unterscheiden, in seinem Innern erwartet den Piloten jedoch purer Verzicht und unterm Blech frohlockt aus dem Motorsport adaptierte Technik.

Vor genau 50 Jahren präsentierte Abarth, die Marke mit dem Skorpion im Logo mit dem 695 Assetto Corse die erste Rennsemmel auf dem Genfer Automobilsalon. Sein kleiner Motor leistete 30 PS und erreichte in der Spitze 130 km/h.

Nun schreiben wir das Jahr 2014, Fiat und Abarth gehören offiziell seit 1971 zusammen und ihr 695 Biposto hat seinen automobilen Vorfahren leistungstechnisch deutlich übertroffen. Aus 30 PS sind innerhalb eines halben Jahrhunderts 140 kW/190 PS geworden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h liegt die Neuauflage runde 100 km/h über dem Wert von 1964.

Heizt der Abarth 695 Assetto Corse weiterhin als Rennwagen über abgesperrte Strecken, ist der 695 Biposto seine gezähmte Straßenversion, die sich nicht nur im Motorsport, sondern auch in der zivilen Welt zuhause fühlt. Der Name Biposto bedeutet übersetzt schlicht Zweisitzer. Richtig gelesen: Rücksitze hat das Auto nicht.

Er will anders überzeugen. Sein Trumpf ist das niedrige Kampfgewicht von unter einer Tonne. Um die zu erreichen, verzichtet er auf alles nicht zwingend Nötige. So fielen nicht nur die Rückbank, sondern unter anderem auch Klimaanlage, Radio oder Xenon-Scheinwerfer der radikalen Diät zum Opfer.

Außerdem gibt es leichte Textilschlaufen, statt eines klassischen Hebels zum Öffnen der Tür von innen. Gewicht sparen auch die aus dem Rennsport bekannten Seitenfenster aus leichtem Polycarbonat, bei denen die Scheiben nicht mehr per Knopfdruck nach unten fahren, sondern manuell auf- und zugeschoben werden.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung, denn das extreme 500-Derivat ist mit seinen 997 Kilo gegenüber seinen schon sportlich gezüchteten 595-Brüdern über 100 Kilo leichter und kommt auf ein Leistungsgewicht von 5,2 Kilogramm je PS.

Doch damit nicht genug: Abarth hat erstmals Technik aus dem Rennsport in ein straßenzugelassenen Modell verpflanzt. So ist der 1,4-Liter-Vierzylinder weitgehend identisch mit den Triebwerken, die im Abarth 695 Assetto Corse und den Monoposto der Formel 4 zum Einsatz kommen.

Außergewöhnlich ist das optional erhältliche klauengeschaltete Fünfgang-Getriebe, auch bekannt als Dog-Ring-Getriebe. Das mag Otto-Normal-Autofahrer fremd sein, ermöglicht in Rennsportfahrzeugen aber, dass Gänge ohne zeitraubendes Kuppeln gewechselt werden können. Den Namen Dog-Ring trägt das technische Schmankerl deshalb, weil die Schaltklauen seines Getriebes der Form eines Hundeknochens ähneln. Wer sich für die - mit 10.000 Euro extrem teure - Schalthebelkonstruktion entscheidet, erhält ein stabiles Aluminium-Gestänge in der Mittelkonsole, das unverkleidet Einblick in die Technik gewährt. Serienmäßig verfügt der Biposto jedoch über eine manuelle Fünfgang-Schaltung.

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