Abgasfrei durch die Stadt
Autohersteller entdecken den Elektromotor

Statt an der Zapfsäule vorzufahren, sollen Autos künftig an der Steckdose tanken. Der im Automobilbau lange verschmähte Elektromotor, dem bislang nicht mehr zugetraut wurde, als einen Caddy über den Golfplatz zuckeln zu lassen, wird von der Autoindustrie als Alternative zum Verbrennungsmotor entdeckt.

DÜSSELDORF. Opel stellt auf der IAA einen Prototyp mit so genanntem E-Flex-System vor. „Das Auto wird rein elektrisch betrieben und braucht nur einen kleinen Diesel für längere Strecken oder den Fall, dass bei leerer Batterie gerade keine Steckdose in der Nähe ist“, erklärt Andrew Marshall, Pressesprecher von Opel.

Weil der Diesel nur zur Stromproduktion genutzt wird, ist ein Getriebe überflüssig. Das E-Flex-Fahrzeug soll eine Strecke von 60 Kilometer schaffen, bevor es wieder an die Dose muss. Das ist bereits die dritte Version der E-Flex-Technik, die zur Detroit Motor Show in einem Chevrolet Volt debütierte. Statt vom Hilfsdiesel wird die Batterie bei diesem US-Fahrzeug mit einem kleinen E85-Bioethanol-Verbrennungsmotor gefüttert. Mit einer Tankfüllung kommt der Volt in dieser Variante 1 030 Kilometer weit.

Die zweite Version des E-Flex-Konzepts wird hingegen mit einem Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb sowie einer Lithium-Ionen-Batterie befeuert, was für eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern sorgen soll. „Diese Strecke wird völlig ohne Benzin und Emissionen zurückgelegt, womit der brennstoffzellengetriebene E-Flex ein wirkliches Zero Emission Vehicle ist“, sagt Marshall.

Für den US-Konzern General Motors, zu dem die deutsche Tochter Opel gehört, liegt in dem neuen Antrieb die Zukunft – und zwar in all seinen Varianten: „Der Reiz unserer E-Flex-Strategie liegt darin, dass wir verschiedene Antriebssysteme in der gleichen Fahrzeugarchitektur unterbringen können, je nachdem, welche Energie lokal verfügbar ist“, sagt Larry Burns, Vizepräsident Forschung und Entwicklung sowie Strategische Planung bei General Motors. Die Technik sorge in puncto Antriebssystem und Energiequellen für ungeheure Flexibilität. Burns: „Wir können Wasserstoff oder Elektrizität entweder aus einer Vielzahl erneuerbarer Quellen – wie Wind, Sonne, Geothermie, Wasser oder Biokraftstoff – gewinnen, oder auch aus traditionellen Quellen wie Erdgas, Kohle, Atomkraft und sogar Benzin.“ Ende des Jahres 2010 will der Konzern dann ein erstes E-Flex-Modell mit Elektroantrieb auf den Markt bringen.

Bis dahin will auch Toyota seinen Hybrid unabhängiger vom Sprit machen. Derzeit testet der japanische Automobilkonzern einen Prius, dessen Batterie nicht mehr auf den Verbrennungsmotor als Stromquelle angewiesen ist, sondern über die Steckdose aufgeladen wird. Die Nickel-Metall-Hybrid-Batterie ist doppelt so groß wie im bisherigen Prius.

Bei dem Testwagen „handelt es sich um ein so genanntes Plug-In-Modell, das sich an der Steckdose aufladen lässt“, sagt Toyota-Sprecher Tim Fronzek. Idealerweise würde der Wagen nachts, wenn der Strom günstig ist, weil Kraftwerke mehr produzieren als gebraucht wird, für eine bis anderthalb Stunden an die Dose gehängt. „Am Morgen danach kann man dann für wenige Cent und emissionsfrei zur Arbeit fahren“, skizziert der Experte die Ideal-Vorstellung.

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