ADAC weist auf Risiken hin
Kleine Kisten auf platten Gummis

Die Regeln der aktuellen Automode sind eindeutig: Das Auto von heute rollt auf Rädern mit möglichst großen Durchmessern. Reifen haben dabei vor allem breit zu sein. Doch praktisch ist das nicht:

dpa/gms BONN/HANNOVER. Die Durchmesser der Räder verlangen meist einen relativ niedrigen Reifenquerschnitt, die so genannten Flanken sind also im Vergleich zur Reifenbreite sehr flach. Daher können schon etwas höhere Bordsteinkanten Reifen und Felge schädigen. Und den bei Experten als reine „Felgenschoner“ verschmähten extrem flachen Reifen droht unter Umständen schon bei normaler Fahrt Gefahr.

„Grundsätzlich kann man sagen, dass bei den Reifen mit sehr flachem Querschnitt viel eher die Möglichkeit besteht, dass auch die Felge Schaden nimmt“, erläutert Roger Eggers, Sachverständiger des TÜV Nord in Hannover. So kann ein Reifen herkömmlicher Bauart mit hohen Flanken beim Überfahren eines Gegenstandes noch einiges der Aufprallwucht durch sein Luftvolumen und die nachgiebigen Flanken abfangen. Ein Reifen mit sehr niedrigem Querschnitt hat dagegen flache Flanken, die zudem noch von der Konstruktion her recht hart ausgelegt sind. Wird ein Gegenstand überfahren, kann der Stoß daher kaum durch das Gummi abgefangen werden.

Besonders bei sehr sportlichen Autos sind heute Räder mit Durchmessern von weit über 20 Zoll im Einsatz - um noch ins Radhaus zu passen, werden auf solche Räder teils Breitreifen mit extremen Querschnitten aufgezogen. „Speziell solche Räder sind gefährdet - und zwar teilweise schon bei einer ganz normalen Autobahnfahrt“, warnt Reifenexperte Ruprecht Müller vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). Wenn sich auf den Riesenrädern im Prinzip nur noch ein sehr flaches Gummi befindet, kann bei schneller Fahrt schon eine Querfuge zur echten Gefahrenstelle werden.

„Man kann daher grundsätzlich empfehlen, möglichst langsam über Bordsteine zu rollen“, sagt Roger Eggers. „Vor allem sollten Bordsteine nicht im spitzen Winkel angesteuert werden. Bei hohen und scharfen Bordsteinkanten ist schon doppelte Schrittgeschwindigkeit ein Risiko.“ Besonders gefährdet sind in diesem Zusammenhang laut Ruprecht Müller die hinteren Räder. Speziell beim Rückwärts-Einparken ist die Geschwindigkeit meist höher. Gerade der hintere rechte Reifen kann oft unangenehmen Kontakt mit der Bordsteinkante haben.

Wurde beim Fahren ein harter Schlag durch den Kontakt mit einem Fremdkörper verspürt, sollten die Reifen möglichst bald kontrolliert werden. Schäden an der Außenseite des Reifens oder auch an der Felge lassen sich so erkennen. Schwieriger wird es auf den Innenseiten. Reifenexperte Franz Nowakowski von der Dekra in München rät daher im Zweifelsfall zum Werkstattbesuch. „Auf einer Hebebühne lässt sich auch die Innenseite von Reifen und Felge kontrollieren.“

Derbe Schäden an Rad und Reifen lassen sich jedoch meist auch feststellen, ohne einen genauen Blick auf das Gummi zu werfen. „Wenn es zum Beispiel nach dem Durchfahren eines Schlagloches zu einer Beschädigung gekommen ist, wird man wahrscheinlich ein Zittern im Lenkrad spüren“, erläutert Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) in Bonn. Auch ein sich anbahnender Reifenplatzer ist in der Regel vorab zu bemerken: „Bevor etwas passiert, würde man eine extreme Unwucht im Rad spüren.“

Die aktuelle Reifenmode kann nicht nur im Alltag auf der Straße Schwierigkeiten bereiten: „Ein anderes Problem besteht darin, dass sich die Niederquerschnittsreifen schwerer montieren lassen“, erläutert Franz Nowakowski. Die Reifenflanken sind eben wesentlich steifer als bei den bisher gebräuchlichen Reifentypen. „Und diese Steifigkeit macht die Montage sehr schwer.“

Bei Montage und Demontage müssen also ganz andere Kräfte als sonst gewohnt aufgewendet werden. Wird hier unsachgemäß gearbeitet, kann zum Beispiel das so genannte Wulstkabel beschädigt werden, das dazu dient, den Reifen auf der Felge festzuhalten. „Es gelten höhere Anforderungen an das Personal und auch die Ausstattung der Betriebe“, sagt Drechsler. Während die aktuelle Automode für die meisten Autofahrer eine rein ästhetische Sache ist, ist sie für andere eine echte Herausforderung.

Auch Kleinwagen immer öfter mit „Felgenschonern“

Der Trend zum platten Gummi auf großem Rad hat mittlerweile auch die Kleinwagenklasse erreicht. Selbst Autos wie ein Mini rollen auf Wunsch mit Rädern umher, die vor einigen Jahren vom Format her noch einem echten Sportwagen gut gestanden hätten. Der Unterschied ist aber, dass ein Kleinwagen auch im täglichen Stadtverkehr zum Einsatz kommt, wo zahlreiche Fallen lauern - Bordsteine zum Beispiel.

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