ADAC Werkstatt-Test 2013

Viele Autowerkstätten arbeiten mangelhaft

Ernüchternde Erkenntnisse beim aktuellen Werkstatt-Test des ADAC: 78 Prozent der getesteten freien Werkstätten sind glatt durchgefallen. Und bei den Werkstatt-Ketten sieht das Bild nicht viel erfreulicher aus.
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Mitarbeiter einer BMW-Autowerkstatt in München: Insgesamt nahmen ADAC-Tester 75 Werkstätten unter die Lupe. Quelle: dpa - picture-alliance

Mitarbeiter einer BMW-Autowerkstatt in München: Insgesamt nahmen ADAC-Tester 75 Werkstätten unter die Lupe.

(Foto: dpa - picture-alliance)

Ein Wartungsauftrag kann in freien Autowerkstätten für den Kunden ebenso schnell zum Roulettespiel werden wie in Werkstatt-Ketten. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen ADAC-Tests, bei dem der Autoclub in diesem Jahr 72 Unternehmen unter die Lupe nahm, davon 36 freie Betriebe.

Der Autoclub hatte für seinen Test die Fahrzeugmodelle Audi A3, Renault Megane und VW Golf 5 vor der Prüfung wieder bewusst mit Mängeln präpariert: Ein verstelltes Scheinwerferlicht, eine defekte Kofferraumleuchte, ein ausgehängtes ABS-Kabel, ein zu niedriger Kühlmittelstand sowie ein Ersatzrad mit zu wenig Reifendruck, fehlendes oder abgelaufenes Pannenset.

28 von 36 untersuchten freien Betrieben haben indes die Bewertung "mangelhaft" erhalten. Bei den Werkstatt-Ketten (A.T.U, Bosch, Meisterhaft und 1a Autoservice) sieht das Gesamtbild aber nur unwesentlich besser, hier fielen 17 von 36 Betrieben durch (47 Prozent).

Des Weiteren zeigt der Test deutlich, dass die Freien bei der Inspektion nicht günstiger sind als die Ketten. Insgesamt enttäuschend bei dieser Stichprobe: Von allen getesteten 72 Betrieben (Freie und Werkstatt-Ketten) erhielten gerade einmal sechs die Wertung "sehr gut" (8 Prozent).

Die Arbeitsleistung wurde mit höchstens 60 Punkten, der Service mit maximal 40 Punkten bewertet. Punktabzug gab es, wenn wesentliche Serviceleistungen fehlten oder Zusatzarbeiten ohne vorherigen Auftrag ausgeführt wurden.

Testgewinner bei den Ketten ist ein A.T.U-Betrieb in Hamburg (Heidhorst 3). Positiv: Keine einzige A.T.U-Werkstatt erhielt die Note mangelhaft. Den Testern fiel bei A.T.U zudem auf, dass bei der Inspektionsannahme offen und realistisch über die voraussichtlichen Kosten gesprochen wird. Sechs der neun getesteten A.T.U-Service-Unternehmen fanden alle Mängel. Bei den Bosch-Werkstätten fielen drei Betriebe durch, bei "1a" sechs und bei Meisterhaft acht. Von allen freien Werkstätten hat Riegelhof Karosseriebau in Frankfurt/Main am besten abgeschnitten.

Als „unbefriedigend und in dieser Form nicht zu erwarten“ bewertete der Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) die Ergebnisse, der sich um verbale Schadensbegrenzung bemühte. Basierend auf den Erfahrungen im Werkstattalltag habe das Übersehen simpler Mängel, wie es im Test zu Tage trete, so gut wie nie mit mangelnder Erfahrung des Werkstattpersonals zu tun.

Gerade große Routine könne schon einmal auf Kosten der Aufmerksamkeit gehen. „Ohne das beschönigen zu wollen: Wenn die Testfahrzeuge mit wirklich kapitalen Mängeln an Bremsen, Lenkung und Fahrwerk präpariert worden wären, dann hätte es garantiert lauter Bestnoten gegeben“, sagte ein Sprecher.

Es wird also offenbar für die Kunden nicht viel besser, denn 2010 fanden beim gleichen Test nur 24 Prozent der geprüften Meisterhaft-Betriebe alle Fehler. Bei der Kette A.T.U waren es mit 32 Prozent nicht viel mehr. Demgegenüber hatten vor drei Jahren 76 Prozent der vom ADAC getesteten Hersteller-Werkstätten alle Fehler entdeckt.

2012 wurden bei A.T.U in nur 28 Prozent der Stichproben alle Fehler gefunden. Bei den Bosch Car Service Betrieben waren es auch nur 40 Prozent. Die Hersteller-Werkstätten hatten in 88 Prozent der Testdurchgänge alle Fehler gefunden.

Der ADAC rät Verbrauchern, den Wagen zusammen mit dem Serviceberater anzuschauen und den Wartungsauftrag schriftlich zu erteilen. So würden Missverständnisse weitgehend ausgeschlossen.

  • fgh
  • dpa
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13 Kommentare zu "ADAC Werkstatt-Test 2013: Viele Autowerkstätten arbeiten mangelhaft"

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  • Aber Hauptsache, wir haben ein TÜV und ein Dekra-Siegel, sind nach ISO 9001 und was weiss ich alles zertifiziert und jeder Vorgang läuft streng nach Plan ab....

    Ein solcher Test sollte auch mal diesen 'Qualitäts-Siegel und Zertifizierungs-Wahnsinn' kritisch hinterfragen...

  • Wer nicht zufrieden mit einer Werkstattleistung ist, kann Beschwerde bei einer Kfz-Schiedsstelle einreichen. Spätestens zur Sitzung dann am besten MIT Anwalt.

    http://schlichtungsportal.de/kfz-schiedsstellen/

  • Was ist denn ihrer Meinung nach ein fairer Preis?

  • Nach meiner Meinung sind es immer die Werkswerkstätten und Ketten. Nur "Schrauber" arbeiten vernünftig und dürfen aber Neuwagen nicht warten ( Verlust der Garantie!!!) Dafür werden Rückrufaktionen laufend gestartet, weil das Management keine Qualität mehr will oder verbietet!!! Ergebnis: Boni für das Management und Ruin für den Kunden!!

  • Sorry, aber wenn ich bei meiner Inspektion daneben stehen bleiben muss, damit ich ein besseres Gefühl bekomme, hätte ich mir schon längst eine andere Werkstatt gesucht.
    Ich höre überhaupt nicht auf solche Tests, ich höre auf die Mundpropaganda meiner Bekannten und Freunde. Keine Empfehlung ist so wertvoll wie die meiner Bekannten.
    Sehr viele von uns sind bei der gleichen Werkstatt und ihr werdet staunen, es ist eine freie Werkstatt!

  • Wenn Werkstätten eine Inspektion nach Maßgabe des Herstellers durchführen und dann nicht mal in der Lage sind, den Reifenluftdruck korrekt einzustellen, ist das schlichtweg Betrug und gehört angezeigt, schliesslich wird idR auch 100% der Rechnung bezahlt.

    Wenn da die Verbraucher konsequenter wären, müßten nicht dauernd die Tester ausrücken.

    Ich bleibe bei jeder Inspektion dabei. Geht schneller (nie mehr als 2 bis 3h alle 2 Jahre), aufs Auto wird besser aufgepasst und man hat mehr Kontrolle - und ein viel besseres Gefühl.

  • Mittlerweile sind in fast allen Bereichen die Preise transparent. Bei Autowerkstätten und Möbelhäusern (speziell Küchen) ist das leider lange noch nicht so. Aktuell fahre ich einen Neuwagen mit 5 Jahren Garantie - es ist wirklich ein Rechenexempel ob sich die Wartungen in der Zeit (30.000 Intervall) überhaupt lohnen. Normalerweise habe ich bei meinen Wagen lediglich einen Ölwechsel gemacht, die üblichen Sichtkontrollen sofern möglich selber durchgeführt und ab und an die Verschleißteile entweder nach Wartungsplan (Zahlriemen) oder nach Bedarf (Bremsen etc.) ersetzt. Die Kosten dabei waren minimal.
    Für die ersten zwei Inspektionen habe ich bereits 750,-€ bezahlt. Dafür habe ich eine Sichtkontrolle, Innenraumluftfilter, 11 Liter Öl und ca. 4 Stunden wertvoller Mechanikerzeit bekommen.
    Dafür wurde mir allerdings eine über 100€ teure Klimaanlagendesinfektion angeboten (bzw. eher vorausgesetzt) - und das bei einem 14 Monate alten Auto. Wirklich lächerlich.
    Welche Arbeiten wirklich durchgeführt werden, kann man eh nur nachvollziehen, wenn man danebensteht oder extra Fehler einbaut.
    Bei der freien Werkstatt wo meine Frau hinfährt, sind die sogar so fair, dass bei älteren Fahrzeugen bei Reparaturen wirklich auch Teile vom Schrottplatz eingebaut werden. Der Arbeitslohn liegt zwar auch nur 10% unter meiner Markenwerkstatt (über deren Service ich mich im Prinzip auch nur positiv äußern kann), aber die Beratung ist klasse. Und es gibt wirklich keine Probleme, wenn ich die Ersatzteile besorge und die die Einbauen sollen.
    Beim nächsten Wagen pfeife ich wieder auf die Garantie. Meine alten Wagen bin ich alle problemlos über 200.000 km gefahren...

  • Nach diesem Test ist es also klar das es kein unterschied zwischen freien und Vertragswerkstätten gibt. Trotzdem wird dem Leser mit dem Satz "78 Prozent der getesteten freien Werkstätten sind glatt durchgefallen" sugestiert das es hier noch schlimmer ist. Das man bei den Ketten nach System abgezockt wird wird nicht erwähnt. Aber der ADAC ist auch nur noch ein Profitorientiertes Unternehmen. Will ja nichts unterstellen aber wenn ich mir die Seite vom ADAC so anschaue und die viele Werbung für Versicherungen, Handyverträge oder Finanzdienste sehe kann ich fast nicht glauben das ATU und Co da nicht ihre Finger im Spiel haben. Ich gehe gerne zur freien Werkstatt meines Vertrauens. Und packe sie nicht alle in einen Sack und haue drauf!!!

  • Interessant ist immer, das die Werkstätten auf Qualität und Preis getestet werden. Das sind für jeden, der rechnen kann, zwei Gegensätze. So lange der Kunde top Qualität und Service zum Spottpreis verlangt, und damit die ganze Branche unter Druck setzt (wohlgemerkt auch diejenigen wenigen Betriebe, die auf Qaulität setzen, muss er sich nicht wundern, wenn es nur noch Pfusch oder Schrott gibt, damit die Werkstätten überhaupt noch überleben könnnen. Wenn man vernünftiges Werkzeug, vernünftig qualifiziertes Personal und auch vernünftige Teilequalität einbauen möchte, kann man nicht "billig" anbieten. Solange auch vom ADAC die freien Werkstatt-Preise als angeblich zu hoch bewertet werden, braucht man nicht über die "Qualität" zu meckern.

    Werkstattinhaber mit Qualitätskonzept

  • Werkstätten sind die letzten cash cows der Autohäuser. Das dort extrem gespart wird, ist doch kein Wunder. Ich bleibe bei den Inspektionen IMMER dabei und stelle viele, viele lästige Fragen. Somit ist sichergestellt, daß alles gemacht wird und auch kein Billigstöl reingekippt wird (das angeblich so "Gute" aus dem Faß).

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