Aerodynamik und Leichtbau
Fliegengewichte im heranbrausenden Orkan

Der Leichtbau gilt als Mega-Trend in der Automobilindustrie. Vor allem Elektroautos können von der Diät profitieren. Bei konventionellen Fahrzeugen hingegen wächst die Bedeutung der Aerodynamik.
  • 0

FrankfurtWenn Autos sparsamer werden sollen, darf man nicht allein am Motor ansetzen. In den vergangenen Jahren ist daher der Leichtbau immer wichtiger geworden. Auf der IAA findet die Entwicklung nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Und auch die lange etwas stiefmütterlich behandelte Aerodynamik rückt wieder in den Fokus.

Wenn bisher von Gewichtseinsparungen durch Leichtbautechnik die Rede war, ging es fast immer nur um wenige Kilos. Die waren schwer erkämpft und teuer bezahlt – einen großen Netto-Gewinn bringt das aber meist nicht, da der wachsende Ausstattungsumfang einen Großteil des Diät-Erfolgs wieder auffraß. Nun setzt aber BMW mit dem i3 ein Ausrufezeichen: Als erstes Großserienauto der Welt ist der Elektro-Kleinwagen zu großen Teilen aus dem bislang sündhaft teuren Karbon gefertigt.

Die Fahrgastzelle etwa besteht komplett aus dem kohlefaserverstärkten Kunststoff. Das war nötig, um das durch die Akkus entstehende Mehrgewicht von 200 bis 300 Kilogramm gegenüber konventionell angetriebenen Fahrzeugen zu kompensieren. Der Fünftürer wiegt nun mit 1.195 Kilogramm nicht viel mehr als etwa der Kleinwagen Mini aus dem gleichen Konzern.

Neben dem Karbon haben daran auch viele kleinere Details wie Schrauben aus Magnesium oder leichte Sitze aus recycelten PET-Flaschen ihren Anteil. Galaktisch teuer ist der 125 kW/170 PS starke i3 trotzdem nicht geworden; mit 34.950 Euro kommt er nicht kostspieliger als etwa die Elektro-Version des Golf daher, die auf dem konventionell angetriebenen Modell basiert.

Die Verbrauchseinsparungen durch Leichtbau fallen auf lange Sicht deutlich aus. Je nach Rechenweise sinkt der Durst eines Autos pro eingesparten 100 Kilogramm um 0,1 bis 0,3 Liter auf 100 Kilometern. Ihr ganzes Potential kann die Technik aber nur im Stadtverkehr ausspielen, wo das Auto ständig aus dem Stand beschleunigt werden muss.

Erst einmal in Fahrt, sinkt die Bedeutung der Masse. Je nach Automodell tritt sie bereits ab Geschwindigkeiten von 50 km/h hinter den Luftwiderstand zurück. Je schneller man unterwegs ist, desto wichtiger wird die Rolle der Aerodynamik. Eine Reduzierung des Luftwiderstandes um zehn Prozent kann bei Tempo 120 den Verbrauch um drei bis vier Prozent senken.

Trotz des großen Potenzials und geringer Kosten – zumindest die Gestaltung einer windschlüpfigen Karosserieform ist nicht prinzipiell teurer als die jeder anderen – hat der cW-Wert seit seiner Hochzeit in den 80er-Jahren permanent an Bedeutung verloren.

Das liegt nicht zuletzt an den Kriterien des NEFZ-Verbrauchszyklus, der seit 1996 die Bedeutung des Luftwiderstandes für gute Normwerte minimiert hat – unter anderem einer der Gründe für den Boom der SUV-Klasse. Denn die haben einen effektiven Windwiderstand wie eine Schrankwand, erreichen aber trotzdem vergleichsweise ordentliche Normverbräuche.

Seite 1:

Fliegengewichte im heranbrausenden Orkan

Seite 2:

Kommentare zu " Aerodynamik und Leichtbau : Fliegengewichte im heranbrausenden Orkan"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%