Am Amazon-Ponton wirkte alles straff und stabil
Der P120 festigte vor 50 Jahren Volvos guten Ruf

dpa/gms GÖTEBORG. Ein gutes Image kann nicht schaden. Im hohen Norden gibt es eine Marke, die seit vielen Jahren von dem Ruf zehren kann, ihre Autos seien aus ziemlich stabilem „Schwedenstahl“ und außerdem noch recht sicher gebaut: Volvo.

Ihren Ursprung hat diese Meinung über den schwedischen Autohersteller in einem Modell, das vor 50 Jahren erschien und unter der Bezeichnung Amazon berühmt wurde. Als der neue Volvo im August 1956 erstmals gezeigt wurde, konnte niemand ahnen, dass hier der Startschuss für eine Weltkarriere fallen sollte. Denn in Sachen Großserienherstellung war die Marke noch ziemlich neu dabei: Man hatte zuvor nur die Typen ÖV4 und PV 444, besser bekannt als Buckelvolvo, auf die Räder gestellt. Wohl ermutigt vom Erfolg des buckeligen Vorgängers schmiedete man für den neuen Volvo größere Pläne. Im Oktober 1956 wurde das Modell international präsentiert - auf einer Autoshow in London.

Wo auch immer der Wagen auftauchte, bekam vor allem seine Form Anerkennung. Das Team um den Designer Jan Wilsgard hatte es geschafft, bekannte Stilelemente internationaler Erfolgsmodelle zu etwas ganz Eigenem zu verbinde. Trug der Buckelvolvo noch abgesetzte Kotflügel, die ein wenig an Vorkriegsmodelle erinnerten, so bekam der Amazon eine zeitgemäße Karosserie im so genannten Ponton-Stil.

Alles an dem Auto wirkte straff und stabil. Auch eine gewisse sportliche Note war nicht zu verkennen. Am Heck zitierten Anklänge von Heckflossen auf zurückhaltende Weise die amerikanische Automode jener Zeit. Vorne ließ der Chromglanz des geteilten Kühlergrills die Front mit den schlichten Rundscheinwerfern markant wirken.

Die Technik dagegen bot nicht wirklich Aufregendes. Immerhin sorgten mit der Zeit verschiedene Motorvarianten dafür, dass im Amazon auch mal sportliche Gefühle aufkamen. Es gab ihn nicht nur mit dem Anfangs vorgestellten 60-PS-Vierzylinder. Je nach Baujahr und Ausführung konnten 80 PS oder mehr als 100 PS georderte werden. Auch die Zahl der Karosserievarianten nahm im Laufe der Jahre zu: Dem Viertürer folgte ein Zweitürer, 1962 kam ein fünftüriger Kombi hinzu.

Das alles erklärt noch nicht, woher das Image um Schwedenstahl und Sicherheit kommt. Tatsächlich leistete Volvo in Sachen Sicherheit immer wieder Pionierarbeit: Als durchschnittliche Autofahrer bei Gurten im Auto noch bestenfalls an das Festzurren von Gepäck dachten, führte Volvo bereits im Buckelvolvo Befestigungen für Dreipunktgurte ein. Im Amazon gab es ab Ende der fünfziger Jahre die Gurte serienmäßig. Und der Schwedenstahl bekam seinen guten Ruf dadurch, dass sich Volvo beim Amazon schon um die Rostvorsorge kümmerte.

Das schnell wachsende gute Image und die tatsächlichen Vorzüge machten den Amazon zum Erfolgsmodell. Erst 1967 sollte der letzte Amazon-Viertürer vom Band laufen. Der Kombi wurde noch ein Jahr länger gebaut. Am längsten blieb der Zweitürer auf dem Markt - Mitte 1970 sollte für ihn der Vorhang fallen. Was blieb war ein Image, das so unzerstörbar war wie die Autos selbst - denn auch heute sind von den 667 323 gebauten Amazonen noch so viele unterwegs, dass sie nicht als Raritäten bestaunt, sondern als alte Bekannte angesehen werden.

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