Antikes Tuning
Gebrauchte als Marktlücke

Der Blick über die Stände einer Messe wie der Essen Motor Show zeigt vor allem Eines: Neue - und meist teure - Autos, die für manchmal erschreckend hohe Summen im Hinblick auf Optik und Leistung veredelt wurden.
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dpa/tmn ESSEN. Das zieht die Besucher an, die hier auf ihre Träume schauen können. Später allerdings macht sich vermutlich eine kleine automobile Depression breit: In der eigenen Garage steht schließlich nicht selten ein Gebrauchtwagen, der so gar nichts mit den Stars der Messen zu und hat. Diese Marktnische haben die Veredler jedoch längst ausgemacht und kümmern sich mit entsprechenden Angeboten darum.

Bisher sah die Versorgung älterer Modelle mit sportlichem Zubehör oft so aus wie zum Beispiel bei JE Design im baden-württembergischen Leingarten. Hier wird vor allem Tuning-Zubehör angeboten, das der Autohändler dem Neuwagenkunden direkt verkauft. Doch auch neue Autos werden älter: Manchmal hat man dann laut Mitarbeiter Patrick Heck noch Teile aus alten Zeiten im Programm, die dem Gebrauchtwagenkäufer angeboten werden - solange der Vorrat reicht.

Künftig dürften Altauto-Fahrer aber mehr Fürsorge erfahren: "Es handelt sich hier um eine recht große Zielgruppe - allein schon aus dem Grund, dass sich auch die Haltezeit der Fahrzeuge erhöht", sagt Harald Schmidke, Geschäftsführer des Verbandes der Automobil-Tuner (Vdat) aus dem rheinland-pfälzischen Roßbach. Immerhin ist das deutsche Durchschnittsauto bereits rund acht Jahre alt. "Es ist zu erwarten, dass mancher Anbieter auch neue Styling-Varianten für solche älteren Modelle anbieten wird."

Es gibt bereits Tuner, die sich auf diese Entwicklung eingestellt haben - dabei geht es aber nicht nur um optisches Tuning, sondern auch um Leistung. So hat ABT Sportsline aus Kempten gerade erst ein Leistungsprogramm speziell für Gebrauchte gestartet. "Es geht dabei um das Motortuning an Gebrauchtwagen im Alter von zwei bis acht Jahren und einer Laufleistung bis zu 120 000 Kilometer", sagt ABT- Sprecher Florian Büngener. Halter solcher Autos bekommen die Leistungssteigerung in Kombination mit einer Garantie für die Arbeiten. Schließlich kommt gerade bei älteren Fahrzeugen eher die Furcht auf, ein paar PS mehr könnten das Aggregat überfordern.

Für Ralf Milewski, Inhaber des Tuning-Unternehmens MFT aus Berlin, haben die älteren Autos schon jetzt "einen höheren Stellenwert als die ganz neuen". Denn bei den Gebrauchten handele es sich eben um jene Modelle, die "auf der Straße sind". Weil außerdem Autos derzeit länger in den Händen der Besitzer bleiben, geht Milewski davon aus, dass der Wunsch nach der optischen und technischen Aufwertung des Gebrauchten noch zunehmen könnte - zum Beispiel neben einer Leistungssteigerung auch durch neue Felgen oder schicken Lack.

Geizig sind Gebrauchtwagenfahrer mit Tuning-Vorliebe übrigens nicht: "Im Bereich der Kompaktmodelle werden meist 2000 bis 5 000 Euro investiert." Und zwar auch dann, wenn es sich bei dem Wagen "nur" um einen ziemlich alten Golf der ersten drei Generationen handelt.

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