Aprilia Caponord 1200 Rally : Besserer zweiter Aufschlag

Aprilia Caponord 1200 Rally
Besserer zweiter Aufschlag

Aprilia hat das bislang erfolglose Modell Caponord 1200 überarbeitet und die neue Rally-Version zu einer ernsthaften Reiseenduro weiterentwickelt. Jetzt macht sie Spaß beim engagierten Fahren sowie auf Reisen.
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Warum nicht gleich so? Der Gedanke drängt sich auf, wenn man die ersten fünf Kurven mit der neuen Aprilia Caponord 1200 Rally gefahren ist und sich spontan auf die nächsten 500 freut. Der italienische Hersteller hat nach zweijähriger Bauzeit sein Modell Caponord 1200 einer gründlichen Revision unterzogen und mit der Rally genannten Version einen ernstzunehmenden Wettbewerber im lukrativen Reiseenduro-Segment auf die Räder gestellt. Ganz offensichtlich hat Aprilia verstanden, dass man mit halbherzigen Angeboten gegen BMW, KTM und Ducati keinen Erfolg landen kann.

Ganze 81 Fahrzeuge hat Aprilia im vergangenen Jahr vom 2013 präsentierten Modell Caponord 1200 in Deutschland verkauft; vermutlich kaum eines davon zum Listenpreis. Kein Erfolg also bisher. Allein von der KTM 1190 Adventure sind 20-mal so viele Fahrzeuge in den Verkehr gebracht worden, von BMWs R 1200 GS gar 100-mal so viele.

Warum? Weil funktionale Aspekte bei der Caponord nicht ernst genug genommen worden waren. Die noch im Angebot befindliche Caponord 1200 Travel Pack ist mit fast 260 Kilogramm nicht nur deutlich schwerer als die Konkurrenz, sie fährt sich auch so. Und das schätzen die anspruchsvollen Reise-Enduristen gar nicht.

Deshalb ging es bei der Rally genannten Caponord-Zweitauflage nun ums Ganze. Das 17 Zoll-Vorderrad aus Leichtmetallguss wurde durch ein 19 Zoll-Drahtspeichenrad, das sechs Zoll breite Hinterrad durch ein fünfzölliges Rad ersetzt, dessen Bereifung nun erheblich schmaler ist.

Zusammen mit geringfügigen Änderungen an der Fahrwerksgeometrie ergibt sich bei der Rally-Version trotz ihres beträchtlichen Gewichts von 275 Kilogramm inklusive diverser schützender Stahlbügel sowie Givi-Kunststoffkoffern ein freudvoll-agiles Fahrverhalten. Die Rally lenkt leicht ein, umrundet Biegungen aller Radien stabil und stellt sich auch beim Bremsen in Schräglage nicht unziemlich auf.

Zu verdanken hat die Caponord Rally das nun ausgewogene Fahrverhalten nicht zuletzt ihrem semiaktiven Dämpfungssystem ADD (Aprilia Dynamic Damping), das es freilich auch in der Travel Pack-Version bereits gibt. Das mit Hardware von ZF bestückte System reguliert die Dämpfereinstellung innerhalb weniger Millisekunden vollautomatisch in Abhängigkeit von zahlreichen Parametern.

Zusammen mit BMW, Ducati und neuerdings auch KTM ist Aprilia in punkto Fahrwerksinnovation ganz vorne mit dabei; das Ergebnis vermag zu überzeugen. Aber eben erst im Modell Rally, weil das ADD dank der nun agileren Fahrwerksgeometrie zeigen kann, wozu eine semiaktive Fahrwerksregelung in der Lage ist.

Auch zahlreiche andere Komponenten unterstreichen, dass der Technologie-Anspruch der Caponord Rally hoch ist: Sie verfügt über eine mehrstufig regelbare Traktionskontrolle, mehrere gut konfigurierte Motor-Mappings, einen elektronisch gesteuerten Tempomaten und ein sehr fein regelndes ABS. Auch die Bremsanlage selbst erfüllt mit radial montierten Bremssätteln vorne höchste Ansprüche an Verzögerung und Dosierbarkeit.

Der von seiner Kraftentfaltung wie seiner Drehfreude her absolut überzeugende, 1.197 ccm große V2-Motor gefällt beim Fahren prima; er zieht ab 2.500 Umdrehungen bärig durch, dreht spontan in den Bereich des Leistungszenits bei 8.000 Touren und bietet damit jederzeit satte Leistungsreserven.

Man kann den V2 jubeln lassen, was er mit sehr kräftigem Sound auch gerne tut, aber man muss es keineswegs, da er auch im unteren und mittleren Drehzahlbereich viel Drehmoment abgibt.

Da Aprilia am Motor nur minimale Änderungen vorgenommen hat, ist der Verbrauch unverändert hoch. Das bedeutet, dass unter sieben Litern kaum was geht, acht sind üblich, und wer die Drehzahlreserven öfter nutzt, kann förmlich spüren, wie sich der Tank leert. Zum Glück ist er mit 23,5 Litern groß genug, um zumindest 250 Kilometer am Stück möglich zu machen, bevor die Warnleuchte zum Tankstopp auffordert.

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Nicht alles auf BMW-Niveau

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