Assistenzsysteme sparen Sprit
Mit Elektronik gegen den Stau

Vorausschauende Fahrerassistenzsysteme sind die Spritsparer der Zukunft: In einem Test verbrauchten herkömmliche Autos durch solche Sensorsysteme bis zu 33 Prozent weniger Treibstoff. Werden die Systeme zudem vernetzt, kann auch der Verkehr flüssiger fließen.

BERLIN / DÜSSELDORF. Die erhitzte Klimadebatte lässt Hybrid-Autos als bessere Alternative zu Benzinern und Dieseln dastehen. Dabei ist das Spritsparpotenzial bei den herkömmlichen Antrieben noch lange nicht ausgereizt. So ließe sich etwa mit Hilfe von Fahrerassistenzsystemen der Kraftstoffverbrauch deutlich reduzieren, wie eine Studie der Universität Melbourne zeigt, die unlängst in der Fachzeitschrift Transport Research veröffentlicht wurde.

Bislang werden Assistenzsysteme vor allem in Hinblick auf eine höhere Sicherheit diskutiert. Sie können aber durchaus auch zu einer Reduzierung des Spritverbrauchs beitragen, wie die Australischen Forscher gezeigt haben. Kraftstoffzehrende Brems- und Anfahrmanöver werden durch die intelligenten Fahrsysteme reduziert. So kamen in der Untersuchung herkömmliche Autos durch vorausschauende Sensorsysteme mit bis zu 33 Prozent weniger Sprit aus.

Allerdings: Ob sich der Effekt noch verstärkt, wenn Hybridantriebe mit intelligenten Fahrerassistenzsystemen gekoppelt werden, wurde nicht untersucht. „Ich bin mir sicher, dass beide Ansätze in Zukunft verheiratet werden“, sagt Werner Huber, bei BMW für Fahrerassistenzsysteme und aktive Sicherheit verantwortlich. „Mit dieser Technik lässt der Verbrauch kräftig senken und die Sicherheit steigern“, sagt Huber.

Der Zulieferer Continental Automotive Systems sieht ebenfalls ein hohes Stauvermeidungspotenzial durch Fahrerassistenzsysteme und Telematik. 2006 seien 4,1 Milliarden Liter Kraftstoff durch Staus verschwendet worden, sagt Conti-Technikchef Peter Rieth. „Wenn in Europa alle Fahrzeuge flächendeckend und ausgehend von der heutigen Motortechnik mit Fahrerassistenzsystemen und Telematiksystemen ausgestattet wären, könnten durch die daraus resultierende Optimierung des Verkehrsflusses mehr als die Hälfte des Treibstoffs eingespart werden“, so Rieth.

Erste Assistenzsysteme finden sich bereits in Autos der oberen Mittelklasse – Systeme wie die aktive Geschwindigkeitsregelung ACC (Active Cruise Control). Die sorgt automatisch dafür, dass ausreichend Abstand gehalten wird, so dass hektische Bremsmanöver vermieden werden. „So wird vorausschauender gefahren, was den Verbrauch gerade bei Autobahnfahrten deutlich senken hilft“, sagt Thomas Knoll, Sprecher von Bosch. Er verweist auf einen Test der Zeitschrift Auto, Motor und Sport, bei dem ein Audi A8 mit 4,2 Liter Motor bis zu zwei Liter weniger verbrauchte, sofern der automatische Abstandstempomat konsequent angeschaltet blieb. Chrysler nennt für das Modell 300C sogar eine Treibstoffeinsparung von bis zu elf Prozent. Wenn hier wegen zähen Verkehrs nicht die volle Motorleistung erforderlich ist, schaltet die ACC vier Zylinder des 8-Zylinder-Motors ab.

Ein weiterer Schritt in Richtung mehr Sicherheit und Spritsparen ist die Car-to-Car-Communication – eine Technik zur Optimierung des Verkehrsflusses. Die heute verwendeten Sensoren liefern zwar viele Informationen, aber sie erfassen nur die direkten Einflüsse auf das Auto in unmittelbarer Umgebung. „Durch das Vernetzen der Sensoren in allen Fahrzeugen einer Region per Funk werden künftig nicht nur Informationen weitergereicht, sondern durch das Zusammenführen auch neue Daten gewonnen, die Staus vermeiden helfen“, sagt BWM-Technikexperte Huber.

Damit Autos möglichst vieler Hersteller miteinander kommunizieren können, entwickelt das Car-2-Car-Consortium, dem unter anderem Audi, BMW, Daimler-Chrysler und Volkswagen angehören, einen offenen Industriestandard. Bis die Car-to-Car-Kommunkation in der Praxis realisiert sein wird, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. Hier seien noch einige Hürden zu nehmen, sagt Huber. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, die Autos zu vernetzen, sondern auch im Aufbau einer neuen Infrastruktur, die zeitnahe Informationen über das Verkehrsgeschehen und die Straßenverhältnisse liefert. Diese Daten müssen dann von einem zentralen Rechner schnell verarbeitet und wieder an die Fahrzeuge in der Region geschickt werden, damit die Fahrer vorausschauend reagieren können.

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