Audi Q7 im Test
Oberklasse statt Unterholz

Wenn die Bayern im Juni zu Preisen ab 60.900 Euro die zweite Generation des Q7 an den Start bringen, wollen sie allen Kritikern des Dickschiffs mit einer strengen Diät den Wind aus den Segeln nehmen.
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BerlinObwohl der Konkurrent von Mercedes GL und dem kommenden BMW X7 luxuriöser und geräumiger ist, speckt er bis zu 325 Kilogramm ab. Damit wird er nicht nur sparsamer, sondern auch sportlicher und fährt im Wettbewerbsvergleich ein gutes Stück nach vorne.

Um bis zu 28 Prozent haben die Entwickler den Verbrauch gesenkt. Sie starten jetzt mit 5,7 Litern und einem CO2-Ausstoß von 149 g/km für den 3,0 Liter großen V6-Diesel mit 200 kW/272 PS und 7,7 Litern (179 g/km) für den gleich großen V6-Benziner mit 245 kW/333 PS.

Möglich machen das vor allem eine Karosserie mit erhöhtem Aluminium-Anteil (- 100 Kilo), Leichtbau-Achsen (-70 Kilo), ein kleinerer Tank (-46 Kilo) und viele Details bis hin zu Pedalen aus Aluminium (- 1 Kilo) oder dünnere Kabelbäume (-2,5 Kilo).

Dass die Entwickler um jedes Gramm gerungen haben, merkt man dem Q7 bei der ersten Sitzprobe nicht an. Im Gegenteil: Mit diesem Auto lebt man in Saus und Braus. Obwohl er ein wenig flacher und kürzer ausfällt, bietet er dank einer neuen Sitzanlage spürbar mehr Platz für Kind und Kegel. Auf Wunsch gibt es wieder eine dritte Sitzreihe, die nun elektrisch eingefaltet werden kann.

Dazu gibt es ein Ambiente, das jede Luxuslimousine in den Schatten stellt: Lack und Leder, wo man hinschaut, und viel Elektronik. Die Instrumente sind digital animiert, über der Mittelkonsole thront ein großer Bildschirm, auf dem Mitteltunnel lockt ein riesiges Touchpad, der Sound kommt aus bis zu 23 Lautsprechern in 3D-Qualität.

Für die Hinterbänkler lässt Audi sogar eigene Tablet-Computer bauen. Im Auto kann man damit Videos schauen, im Netz surfen oder sich ins Bediensystem einklinken.

Sobald der Q7 in Fahrt ist, wird der Diät-Erfolg umso deutlicher. Mit vier bis sechs Zentnern weniger, mit einem auf Knopfdruck nachgeschärften Fahrwerk und vor allem mit der neuen Hinterradlenkung spürt man die fehlenden Kilos in jeder Kurve. So fühlt sich der 5,05 Meter lange Wagen plötzlich sehr handlich an.

Gut, dass der Diesel stolze 600 Newtonmeter entwickelt und mit einem Sprintwert von 6,3 Sekunden entsprechend kräftig ausschreitet. So kann man das neue Fahrgefühl auch gebührend genießen.

Man kann es aber auch anders haben: Sobald die Straßen etwas breiter und die Kurven etwas weiter werden, zeigt der Q7 sein zweites Gesicht.

Mit der Luftfederung im Komfortmodus und seiner wirkungsvollen Geräuschdämmung wird er auf der Autobahn zum großen Gleiter und stiehlt dem A8 einmal mehr die Schau.

Da fehlen dem Diesel eigentlich nur noch die üblichen 250 km/h Spitze, die er mit seinen 234 km/h leider verfehlt. Aber es gibt ja noch den V6-Benziner und später wohl auch wieder V8-Aggregate, die auch diese Scharte auswetzen werden.

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