Audiosysteme für ein perfektes Hörerlebnis
Wenn Luxusschlitten zum rollenden Konzertsaal werden

Wenn Peter Schulte ungestörten Musikgenuss erleben will, zieht er sich nicht ins Wohnzimmer zurück. Der Deutschlandchef der Hifi-Marke Bowers & Wilkens aus Halle in Westfalen geht dann in seine Garage. Denn dort steht bisweilen ein neuer Jaguar XF, den seine Firma mit einem maßgeschneiderten Soundsystem ausgestattet hat.
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dpa/tmn HALLE/BERLIN. "Im Auto ist die Klangqualität allen Widrigkeiten zum Trotz mittlerweile oft besser als in manchen Zimmern", sagt der Experte für den guten Ton und umreißt damit einen Trend in der Fahrzeugindustrie: Bose im Maserati Quattroporte, Naim im Bentley Continental, Harman/Kardon im 7er BMW, Levinson im Lexus LS, Dynaudio im VW Passat CC, Bang & Olufsen im Audi A8 und nun sogar Burmester im Porsche Panamera - es gibt kaum ein neues Fahrzeug aus gehobenen Preisklassen, das nicht mit einem Soundsystem aufwartet.

Dabei ist es gar nicht so leicht, im Auto den richtigen Ton zu treffen, sagt Schulte: Nicht nur Motor-, Abroll- und Windgeräusche machen ihm die Arbeit schwer. "Vor allem kämpfen wir mit ungeheuer vielen verschiedenen Materialien, einer schwierigen Raumgeometrie und haben kaum Platz, unsere Technik unterzubringen." Davon kann auch Dieter Burmester ein Lied singen. Der Klangexperte aus Berlin gilt als Guru der High-End-Szene und verwandelt Wohnzimmer für Preise, die gerne auch mal sechsstellig werden, in Konzertsäle. Nun hat er eine Auto-Musikanlage für den neuen Porsche Panamera entworfen.

"Wir hatten fünf Jahre Zeit und ungewöhnlich viele Freiheiten", erzählt Burmester. "So konnten wir 16 Lautsprecher mit zusammen 2 400 Quadratzentimetern Membranenfläche im Wagen unterbringen. Und zwar nicht einfach nur da, wo Platz war, sondern da, wo es für den Klang am besten ist." Es sei der Vorteil, wenn man früh eingebunden wird und der Hersteller sich voll engagiert. Wer später ein System nachrüsten will, muss große Hürden nehmen und Kompromisse eingehen.

Für Burmester kann eine Musikanlage im Auto nicht gut genug sein. "Die Ohren sind unsere empfindlichsten Sinnesorgane", begründet er seinen hohen Anspruch: "Wenn uns nicht gefällt, was wir sehen, dann machen wir die Augen zu oder schauen weg. Wenn uns etwas nicht schmeckt, dann lassen wir es nicht an den Gaumen. Und wenn sich etwas komisch anfühlt, fassen wir es nicht an. Aber die Ohren können wir nicht ausschalten." Deshalb freut sich Burmester über die wachsende Tonqualität: "Mittlerweile sind wir alle so gut, dass man sich schon anstrengen muss, wenn man im Haus so gut hören will wie im Auto."

Dieser Luxus ist nicht auf die Oberklasse beschränkt: "Auch bei kleinen Autos kann man mittlerweile große Summen für die Musik ausgeben", sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg mit Blick auf die Preislisten von Mini, Mito & Co.: "Zwar findet man dort nicht so oft die klangvollen Namen. Doch zusammen mit Navigation, Wechsler und Multimedia kommt das Audiosystem auch in dieser Fahrzeugklasse schnell auf Preise im vierstelligen Bereich." Gemessen am Gesamtpreis des Autos zahlen Kleinwagenkunden nach Margetts Beobachtung deshalb oft sogar mehr für den guten Ton, als Fahrer in der Oberklasse.

Allerdings bleibt ihnen auch kaum mehr etwas anderes übrig, als mit dem Auto auch das passende Audiosystem zu bestellen. Wie früher nachträglich eine neue Anlage in den DIN-Schacht zu schieben und ein paar Boxen auf die Hutablage zu schrauben, ist heute fast nicht mehr möglich, sagen Experten wie der Ratgeber-Autor Rüdiger Etzold aus Leonberg bei Stuttgart: "Die Serien-Radios sind beispielsweise über Stecker mit dem Kabelsatz verbunden, die nicht zu jedem Radio passen. Für die neue Verkabelung benötigt man einen Stromlaufplan, den rücken die Werkstätten selten raus." Außerdem warnt er vor bösen Überraschungen: "Wer Lautsprecher in den Türen oder der Armaturentafel unterbringen will, muss die Verkleidung entfernen. Aber darunter schlummern die Airbags." Ohne entsprechende Montageanleitung könne es also gefährlich werden.

Natürlich gibt es Spezialisten, die ein Auto nach den Wünschen des Eigners umrüsten, räumt Etzold ein. "Aber bevor ein Heimwerker zur Tat schreitet, sollte er sich kundig machen, ob es für das von ihm gewünschte Radio und sein Fahrzeugmodell eine Einbauanleitung mit der Beschreibung aller wichtigen Arbeitsschritte gibt." Diese Anleitung sollte man in Ruhe studieren. Erst wenn man damit klarkommt, könne man selbst Hand anlegen, sagt Etzold. "Ansonsten gilt: Finger weg, bringt nur Probleme." Und den besseren Ton gibt es in der Regel auch nicht: "Die Autofirmen liefern vom Werk aus auch hochwertige Anlagen, die auf die Eigenschaften des Fahrzeugmodells abgestimmt sind. Eine solche Abstimmung kann kein Heimwerker durchführen."

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