Auf Tour mit dem Willys MB

Spartanischer gehts nicht

Standard-Oldtimer kann jeder. Also haben wir uns mal in einen Willys MB gesetzt, den Vorläufer des klassischen Jeeps. Mit weniger Auto kann man nicht unterwegs sein. Spaß macht es bei aller Anstrengung aber trotzdem.
  • Patrick Broich
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Der Vierzylinder holt 44 kW/60 PS aus 2,2 Litern Hubraum, das ist eine spezifische Leistung, die sich in den Vierzigern durchaus sehen lassen konnte Quelle: Jeep

Der Vierzylinder holt 44 kW/60 PS aus 2,2 Litern Hubraum, das ist eine spezifische Leistung, die sich in den Vierzigern durchaus sehen lassen konnte

Eine Oldtimer-Veranstaltung ist eine schöne Sache, und noch schöner, wenn das Wetter mitspielt. Falls es aber doch einmal regnet – was soll´s. Wozu sind Autos geschlossen und bieten sicheren Schutz? Aber, Trugschluss. Wenn man im siebzigjährigen Willys unterwegs ist, liegen die Dinge anders. Dann macht man sich schon Gedanken, ob Petrus gut gelaunt sein wird.

Der Geländegänger, dessen Hersteller Willys-Overland die Vorläufermarke von Jeep ist, hat keine Türen. Und er hat keinen elektrischen Scheibenwischer. Und auch keine Heizung. Und – nebenbei erwähnt – keinen Bremskraftverstärker. Nicht einmal einen vierten Gang. Und die Sitze? Eine Metallablage mit knapp gepolstertem Kissen.

Sollte man doch mal feststecken, tut die stet mitfahrende Schaufel ihren Dienst Quelle: Jeep

Sollte man doch mal feststecken, tut die stet mitfahrende Schaufel ihren Dienst

Was hat die Kunden bewegt, ein solches Fahrzeug zu kaufen? Gar nichts, denn den Willys MB konnte man nicht kaufen, er war ein rein militärisches Fahrzeug, für das die US-Armee einen Entwicklungsauftrag ausgeschrieben hatte. Der Wagen musste robust, kompakt und vor allem offroadfähig sein. Willys, eine Marke, die bereits vor dem ersten Weltkrieg Autos baute, bekam den Zuschlag und setzte die Forderungen des Lastenhefts durchaus gewissenhaft um: 1942 fuhren die ersten Willys MB, meist durch das kriegsgebeutelte Europa.

Mit diesem Auto also (unser Exemplar stammt aus dem Jahr 1944) sollen wir im Rahmen einer Oldtimer-Rallye mehr als 700 Kilometer durch das nordöstliche Deutschland und Polen reisen. Das klingt – sagen wir mal - spannend. Bereits der Einstieg in die kompakte Fuhre stellt einen kleinen sportlichen Akt dar, aber letztlich sitzt man recht ordentlich. Bitte keine zu hohen Erwartungen an das Mobiliar, dann steht die Gesichtsmimik auch nach einer 200-km-Etappe noch auf halbwegs freundlich.

1942 fuhren die ersten Willys MB, meist durch das kriegsgebeutelte Europa Quelle: Jeep

1942 fuhren die ersten Willys MB, meist durch das kriegsgebeutelte Europa

Gegen die fehlende Heizung hilft warme Witterung oder wärmende Kleidung, da sollte man aber natürlich vorher dran denken. Aber sonst? Mit dem Auto lässt sich spielend umgehen, da dürften sogar ungeübte Fahrer wenig Probleme haben. Klar, der erste Gang ist nicht synchronisiert, die anderen beiden aber schon. Beim Herunterschalten ist etwas Feingefühl angesagt, dann klappt es ganz ohne mechanische Reibereien. Zur Not kann man auch mal im zweiten Gang anfahren, denn der ausgesprochen langhubige Vierzylinder ist ein kleines Drehmoment-Biest und setzt schon knapp über Standgas-Drehzahl ansehnliche Kräfte frei.

Die Rundskalen sind zahlreich: neben der Geschwindigkeit auch noch Öldruckmesser, Voltmeter und Wassertemperatur, die beiden Hebel neben der Gangschaltung gehören zur Geländeuntersetzung und der mechanischen Differenzialsperre Quelle: Jeep

Die Rundskalen sind zahlreich: neben der Geschwindigkeit auch noch Öldruckmesser, Voltmeter und Wassertemperatur, die beiden Hebel neben der Gangschaltung gehören zur Geländeuntersetzung und der mechanischen Differenzialsperre

Überhaupt der Vierzylinder. Er holt 44 kW/60 PS aus 2,2 Litern Hubraum, das ist eine spezifische Leistung, die sich in den Vierzigern durchaus sehen lassen konnte. Wenn man ihn fordert, wummert er vernehmlich – bleibt aber mechanisch erstaunlich laufruhig. Sowieso fährt sich der Jeep-Vorgänger frappierend modern und zickt auch nicht in zügig gefahrenen Kurven. Gut, man muss natürlich den zeitlichen Kontext und die Verhältnisse berücksichtigen. Etwas mehr Beachtung verdienen die Bremsen. Ohne Servounterstützung und mit Trommeln an allen vier Rädern ist Ablenkung nicht empfehlenswert.

Der Geländegänger, dessen Hersteller Willys-Overland die Vorläufermarke von Jeep ist, hat keine Türen. Und er hat keinen elektrischen Scheibenwischer. Und auch keine Heizung. Und die Sitze? Eine Metallablage mit knapp gepolstertem Kissen Quelle: Jeep

Der Geländegänger, dessen Hersteller Willys-Overland die Vorläufermarke von Jeep ist, hat keine Türen. Und er hat keinen elektrischen Scheibenwischer. Und auch keine Heizung. Und die Sitze? Eine Metallablage mit knapp gepolstertem Kissen

Selbst bei vollem Körpereinsatz blockieren die schmalen Grobstoller nicht, und beim Ausweichen verhält sich der Ami ganz schön träge: Landschaft freizügig genießen also bitte nur als Beifahrer. Der darf sich auch mal einen ausgiebigen Blick auf die zahlreichen Rundskalen gönnen: Da wären neben der Geschwindigkeit auch noch Öldruckmesser, Voltmeter und Wassertemperatur. Letztere muss kaum beachtet werden, der Willys ist robust und wird nicht zu heiß. Auffällig auch die beiden weiteren Hebel neben der Gangschaltung. Geländeuntersetzung und mechanische Differenzialsperre machen ihn zu einem waschechten Kraxler.

Die Scheibenwischer funktionieren im Handbetrieb Quelle: Jeep

Die Scheibenwischer funktionieren im Handbetrieb

Doch das probieren wir nicht aus, das ist besser für Fahrwerk und Kupplung. Und wie ergeht es dem werten Befinden nach einigen hundert Kilometern ohne Heizung, aber dafür mit der vollen Ladung Frischluft? Man wird immerhin weniger durchgerüttelt als angenommen, die archaisch anmutenden Blattfedern verrichten ihren Job nämlich tadellos. Das dürre Speichenlenkrad lässt sich verhältnismäßig leicht drehen, Schwerstarbeit sieht in der Tat anders aus. Die stets mitfahrende Schaufel wurde auf den asphaltierten Straßen nicht gebraucht. Ein paar Frostaufbrüche waren die größten Hindernisse.

Andererseits: So groß die Faszination auch sein mag, die vom Jeep-Urahn Willys MB ausgeht. Nach so langer Strecke möchte man in ein anderes Auto umsteigen. Vor der nächsten Rallye also bitte noch einmal auf Fahrzeugsuche gehen. Wie wäre es mit einem Wagoneer, um bei der Marke zu bleiben? Der hat als Spitzenversion standesgemäße acht Töpfe unter der Haube, vermittelt amerikanische Fahrkultur und ist ein waschechter Jeep. Doch um Geschichte zu verstehen, sollte man sie am besten erfahren. Und diese Tour mit dem Ami-Vierzylinder hat Spaß gemacht.

Der Urahn aller Geländewagen wird 70
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Am Anfang steht das Militär: Die U.S. Army braucht im Zweiten Weltkrieg dringend ein kleines, wendiges und robustes Auto. Der kleine Hersteller Willys-Overland erhält den Zuschlag. Ein Rückblick auf 70 Jahre Jeep-Geschichte in Bildern ...

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Aus den 16.000 sollten schließlich nicht nur 250.000 und ein befreites Europa werden, der Vertrag ist zugleich die Geburtsurkunde einer ganzen Fahrzeuggattung - und einer Weltmarke: Jeep.

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Schon 1938 hatte die Heeresbeschaffungsstelle der U. S. Army 135 Fahrzeughersteller angeschrieben, um vierrädrigen Ersatz für die bis dahin verwendeten Kurier-Motorräder mit Seitenwagen und Ford Model T zu finden. Leicht und wendig sollte das Fahrzeug sein, robust und zuverlässig, mit Vierradantrieb plus Geländeuntersetzung ausgerüstet und 250 Kilogramm Nutzlast transportieren können ...

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Angesichts der Aufrüstung des Dritten Reichs war Eile geboten: Innerhalb von 49 Tagen waren Konstruktionspläne und ein erster Prototyp zu liefern, weitere 26 Tage später 70 Erprobungsexemplare. Nur zwei Hersteller waren bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.

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Obwohl Konkurrent American Bantam zunächst die Nase vorn hatte und sich auf Betreiben der US-Regierung auch Ford mit einem Modell einbrachte, erhielt schließlich Willys-Overland den Staatsauftrag. Nach ausführlichen Tests hatte sich der Prototyp „Willys Quad" aufgrund des im Vergleich stärksten (60 PS) und zuverlässigsten Motors sowie des günstigen Preises (738,74 US-Dollar) durchgesetzt.

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In Produktion ging schließlich der „Willys MA", der schon kurz darauf mit  zahlreichen Verbesserungen zum bis heute legendären „Willys MB" wurde. Ford durfte das Auto ebenfalls bauen, damit innerhalb kürzester Zeit große Stückzahlen verfügbar waren.

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