Ausflug in die Historie des Autotuning
Schweißarbeit am Batmobil

Superhelden sind multiple Persönlichkeiten. Eine der berühmtesten Autostudien der 50er-Jahre teilt dieses Schicksal: Das Batmobil ist eigentlich der Lincoln Futura.

DÜSSELDORF. Seit MTV die Serie „Pimp My Ride“ zum Kult erhoben hat, glaubt alle Welt, Typen wie Xzibit und Mad Mike hätten dem Autoaufmotzen zur Größe verholfen. Natürlich weiß jeder kleine Opelschrauber, dass das Blödsinn ist, aber was die wenigsten Garagenbastler ahnen: Die Wurzeln des Autotunings liegen viel weiter zurück. Schon in den 30er-Jahren schraubten und dengelten die Gebrüder George und Sam Barris an Ford- oder Buick-Modellen und gaben ihnen ein ganz neues Gesicht. Unter anderem entwickelten die beiden den Stil des Choppens, bei dem das Dach abgeschnitten und einige Zentimeter tiefer wieder angeschweißt wird.

1945 eröffneten sie den „Barris Brothers Custom Shop“ in Los Angeles. Hollywood wurde auf die Brüder aufmerksam. Sie bastelten Autos für den Film „High School Confidential“, wurden Ausstatter für diverse Streifen mit PKW-Beteiligung und mussten immer wieder auch die Privatwagen der Stars veredeln. Nachdem Sam schon früh gestorben war, führte Georg das Filmautogeschäft weiter und hatte während dieser Zeit auch Zugang zu einigen der verschrobensten Autoentwürfe überhaupt.

So kam er in den Besitz des Lincoln Futura. Ford hatte den Wagen beim italienischen Karosserieschlosser Ghia in Auftrag gegeben. Das Showcar sollte anno 1955 zeigen, wie die Zukunft des Autofahrens aussehen könnte. Die Passagiere saßen unter zwei Glaskuppeln, die zur Seite geschwenkt wurden, und kommunizierten per Mikrofon. Eine Klimaanlage sorgte für erträgliche Temperaturen unter den beiden Brenngläsern. Der Lincoln Futura sah eher aus wie ein Raumgleiter aus Krieg der Sterne. Zwar hatte er gewaltige Heckflossen, aber alles Schnörkelige der 50er-Jahre-Straßenkreuzer war ihm fremd.

Nach der Präsentation im Central Park drehte der Wagen noch ein paar Runden durch den New Yorker Straßenverkehr und wurde auf ein paar Veranstaltungen gezeigt. Schließlich trat er noch im Film „Started with a kiss“ auf. Und fast wäre er in den Archiven untergegangen oder gar verschrottet worden. Wenn da nicht George Barris gewesen wäre. Der übernahm den Wagen in seinen Fundus. Und als Jahre später die 20th Century Fox Barris um ein Batmobil für eine geplante Batman-Fernsehserie bat, wurde das Zukunftsmobil reaktiviert.

Der Umbaujob für das Batmobil war in der Tat ähnlich wie bei „Pimp My Ride“. Drei Wochen hatte Barris Zeit, ein Fledermausfahrzeug auf die Räder zu stellen. Er kramte den alten Futura aus, entfernte allen Chrome, versah die Schnauze mit einem fledermausartigen Maul, machte aus den Heckflossen Vampirflügelchen und gestaltete einige Schwünge und Linien dazu. Das Batmobil war geboren, der Futura Geschichte.

Das Batmobil soll am 27. Februar in der Royal Horticultural Hall in London vom Auktionshaus Coys versteigert werden. Nach Schätzungen könnte der Wagen rund 120 000 Euro erzielen. Ein ziemlich bescheidener Preis, wenn man bedenkt, dass der Futura schon in den 50er-Jahren 250 000 Dollar gekostet hatte. Doch das zum Verkauf stehende Modell hat mit dem Futura lediglich die Geschichte gemein. Barris fertigte für die Batman-Serie noch drei weitere Batmobile an, die zwar genauso aussahen, aber keine Teile des Futura verwendeten. Für echte Batman-Fans wird das aber keinen großen Unterschied ausmachen. Und Futura-Liebhabern ist der Umbau des Zukunftsautos wohl eh zu schmerzlich in Erinnerung, als dass sie sich für ein Batmobil begeistern könnten.

Batman Ghia

Batmobil aus Fiberglas aus der Fernsehserie „Batman“

Auktionstermin: 27.2.07 in der Royal Horticultural Hall/London

Schätzpreis: um 120 000 Euro

Coys, Tel. 0044/20/ 86 14 78 88

Link: » www.coys.co.uk

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