Auto-Bediensysteme
Krieg der Knöpfe

Sprechen statt drücken, zeigen statt drehen: Geht es nach Designern und Fahrzeugentwicklern, bedienen wir das Auto bald wie Smartphones oder Tablet-PCs.
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Las Vegas/DetroitVon außen sieht es aus, als würde er ein paar Fliegen verscheuchen: Audi-Entwickler Werner Hamberger sitzt hinter dem Lenkrad, winkt immer wieder mit der rechten Hand über dem Armaturenbrett hin und her, hebt und senkt sie. Aber Hamberger ärgern keine Fliegen: Er demonstriert, wie Autofahrer möglicherweise in Zukunft das Infotainment-System ihres Wagens bedienen werden.

Konventionelle Knöpfe, Schalter und Tasten haben offenbar bald ausgedient, und selbst die berührungsempfindlichen Touchscreens in der Mittelkonsole wirken seit dem Siegeszug der Smartphones beinahe altbacken. Das zumindest ist der Eindruck, der nach einem Blick in viele Fahrzeugneuheiten auf der North American International Auto Show in Detroit und mehr noch nach einem Besuch der Elektronikmesse Consumer Electronics Show in Las Vegas blieb: Händeringend scheinen die Autohersteller durch die stark vereinfachte Bedienung komplexer Systeme Frieden im Krieg der Knöpfe stiften zu wollen.

«Mit der zunehmenden Vernetzung strömen so viele Informationen auf den Fahrer ein und es gibt so viele neue Möglichkeiten, dass wir mit klassischen Bediensystemen nicht mehr auskommen», begründet Mercedes-Forscher Bharat Balasubramanian diese Entwicklung.

Der jüngste Entwicklungstrend ist die Gestensteuerung. Genau wie bei Smartphones und Tablet-PCs reichen die Bewegungen einer Hand oder eines Fingers, um Funktionen zu aktivieren oder eine Auswahl zu treffen - ohne den Bildschirm zu berühren. «Kameras erkennen die Richtung der Gesten und Infrarotsensoren messen die Entfernungen», erläutert Hamberger. «So kann die Elektronik das Bewegungsmuster erfassen und jedes Kommando verstehen.»

Um das zu demonstrieren, hat Audi auf der CES ein Cockpit aufgebaut, in dem gleich drei Head-up-Displays montiert sind, die wichtige Informationen in die Frontscheibe projizieren. Das Bild auf der linken Seite kann nur der Fahrer erkennen, das rechte sieht allein der Beifahrer, und die Mitte haben beide im Blick.

Das zentrale Bild zeigt verschiedene Menüs, aus denen Fahrer und Beifahrer mit einem Fingerzeig auswählen können. Winkt sich der Sozius zum Beispiel ein Sonderziel auf seinen Schirm, sieht er etwa einen kleinen Film zum entsprechenden Hotel oder Museum. Lässt sich der Fahrer im Gespräch davon überzeugen, genügt ein Wink nach links, um die Adresse als Navigationsziel zu übernehmen.

Ähnliche Wege beschreitet Mercedes mit seiner Designinstallation Dice. Der weiße Würfel zeigt eine Vision für das Interieur eines Zukunftsautos, in dem es zwar noch ein Lenkrad, aber keine Schalter mehr gibt. Es reichen Gesten aus, um durch Menüs zu scrollen, Unterpunkte auszuwählen und Funktionen zu starten, erklärt Designer Hartmut Sinkwitz.

Die komplette Frontscheibe dient dabei als Bildschirm. Das System im Wagen könnte mit der Außenwelt vernetzt werden: Mit einem Fingerzeig könnte man sich nach den Vorstellungen von Sinkwitz über einen Livestream die Musik ins Auto laden, die in einer Disco läuft, an der man gerade vorbeifährt. Man könnte auf der Navigationskarte den Standort von Freunden und Bekannten sehen oder im Vorbeifahren Hotelbetten und Kinokarten buchen, sagt der Designer.

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