Auto Club Europa testet Bediensysteme
Wie der Astra den Golf schlägt

Multi-Media-Systeme sind längst in der hart umkämpften Kompaktklasse angekommen. Wie riskant deren Bedienung während der Fahrt ist, hat der ACE wissenschaftlich untersucht. Mit teils erschreckenden Ergebnissen.
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Stuttgart/RanshofenAuf der Teststrecke in Ranshofen geht es wieder rund. Zum zweiten Mal geben sich Wissenschaftler der Universität Salzburg, die Tester des Auto Club Europa (ACE) und insgesamt 36 Probanden ein Stelldichein der besonderen Art: Der Bestseller von VW sowie seine stärksten Konkurrenten von Ford und Opel treten gegeneinander an. Bei dem HMI-Test des Auto Club Europa kommt es jedoch weder auf den Verbrauch oder das Fahrverhalten noch auf das Kofferraumvolumen an. Stattdessen stehen die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine (englisch: Human-Machine-Interfaces, kurz: HMI) von Ford Focus, Opel Astra und VW Golf im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Besonderes Augenmerk legen die Tester dabei auf die Ablenkungsgefahr, die von solchen Schnittstellen ausgeht. Zu klären gilt: Welcher Kompaktklässler das beste, ergo das sicherste Bedienkonzept bietet und welche Funktionen den Piloten zu stark vom Verkehrsgeschehen ablenken. Schließlich sollte sich der Fahrer voll und ganz auf die Straße konzentrieren können und sich nicht in komplexen Menüstrukturen der Bordelektronik verlieren.

Zum zweiten HMI-Test des ACE angetreten sind die deutschen Klassiker der Kompaktklasse. Bedingung für die Teilnahme war, dass die drei Testwagen mit den hochwertigsten Infotainment-Systemen, die die jeweilige Preisliste hergibt, ausgestattet sein müssen. Während sich in den oberen Fahrzeugsegmenten der zentral angeordnete Dreh-/Drücksteller à la BMW-iDrive durchgesetzt hat, finden sich bei Golf & Co unterschiedliche Konzepte: Vom Touchscreen im VW, über die Knopf-basierte Bedienung des Ford bis zur Opel-eigenen Version des Dreh-/Drückstellers reicht die versammelte Palette. Mit Hilfe von jeweils zwölf Probanden wird die Bedienung der drei Kompakten auf Herz und Nieren untersucht.

Nach einer kurzen theoretischen Einweisung, dürfen sich die Testpersonen schon einmal im Stand an das Cockpit des jeweiligen Fahrzeugs gewöhnen. Auch die ersten Probeaufgaben werden stehend gelöst, bevor es endlich auf die Teststrecke des österreichischen Forschungs- und Entwicklungsdienstleiters Audio Mobil Elektronik geht. Anschließend sammeln die Forscher des Salzburger Christian-Doppler-Labors für „Contextual Interfaces“ die ersten Eindrücke der Probanden im Interview.

Hier schneidet die aufgeräumte Optik des VW-Systems besonders gut ab: Zwei Drittel der Tester äußern sich positiv über ihren ersten Golf-Eindruck und attestieren dem Wolfsburger mehrheitlich: „Die Bedienung ist einfach.“. Beim Opel fällt das Ergebnis mit 53 zu 47 deutlich knapper, aber immer noch überwiegend positiv aus.

Jedoch erwartet die Mehrheit der Probanden einen höheren Lernaufwand, um die Aufgaben lösen zu können. Dagegen empfinden 58 Prozent der Befragten die Bedieneinheit im Ford Focus als eher negativ. Vor allem der kleinste Bildschirm im Test erregt die Gemüter: „Das Display ist klein und etwas versteckt“, hört man auf die Frage nach dem ersten Eindruck, den der Kölner vermittelt, häufiger.

Bei der Lösung der gewerteten Aufgaben sind die Testfahrer ausschließlich auf der äußeren – 64 Meter messenden – Kreisbahn unterwegs. Während der Fahrt werden die Probanden nicht nur von einem der Wissenschaftler von der Rücksitzbank aus beobachtet, sondern auch von vier Kameras, die auf dem Armaturenbrett montiert sind.

Die Kameras sind auf die Augen der Tester gerichtet und liefern dank zusätzlicher Infrarot-Ausleuchtung ein präzises Bild der Blickrichtung des Fahrers. Diese Eye-Tracking genannte Methode hält sowohl die Richtung als auch die Dauer der Blicke fest, die nötig sind um die gestellten Aufgaben zu lösen. Die Gesamtzeiten stoppt der wissenschaftliche Mitarbeiter von der Rückbank aus.

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