Auto Hybrid-Pkw erfüllen nicht alle Erwartungen

Elektrifizierung treibt den Preis der Autos in die Höhe und der Praxisverbrauch dürfte die Erwartungen vieler Kunden nicht erfüllen. Ein Vergleichstest des Toyota Yaris Hybrid mit dem VW Polo BlueMotion 1.6 TDI.
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Der Toyota Yaris Hybrid kostet in der Ausstattungsvariante "Life" noch bis zum 30. September 18.271 Euro statt 19.620 Euro. Sein Testverbrauch lag durchschnittlich bei 4,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Quelle: PR

Der Toyota Yaris Hybrid kostet in der Ausstattungsvariante "Life" noch bis zum 30. September 18.271 Euro statt 19.620 Euro. Sein Testverbrauch lag durchschnittlich bei 4,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

(Foto: PR)

DüsseldorfDie deutschen Autohersteller wollen den Marktanteil von Hybrid-Pkw und Elektrofahrzeuge steigern. Damit lassen sich drastische CO2-Flottenlimits leichter erfüllen. Doch die Elektrifizierung treibt den Preis der Autos in die Höhe und der Praxisverbrauch dürfte die Erwartungen vieler Kunden nicht erfüllen, wie ein Vergleichstest des Toyota Yaris Hybrid mit dem VW Polo BlueMotion 1.6 TDI zeigt: Der Polo hat noch weniger am Sprit genippt als sein elektrifizierter Gegenüber.

Späteinsteiger in die Technik der Antriebselektrifizierung könnten ihr Verhalten teuer bezahlen müssen. Denn es drohen empfindliche Strafen, wenn Autohersteller den für sie obligatorischen Flottendurchschnitt von 130 Gramm CO2 je Kilometer überschreiten – das entspricht einem Verbrauch von 5,0 Liter Diesel oder 5,6 Liter Benzin je 100 Kilometer.

Hybrid-Pionier Toyota bleibt bei der CO2-Problematik gelassen. Der Hersteller startete vor 15 Jahren mit dem Benzin-Hybrid und stattet seitdem viele seiner Modelle mit der neuen Technik aus. Toyota verkaufte von 1997 bis Ende Juni 2013 global insgesamt über 5,4 Millionen Hybrid-Pkw, einschließlich Pkw der Marke Lexus. Letztes Jahr wählten weltweit 12,9 Prozent der fast 9,5 Millionen Pkw-Käufer von Toyota einen Hybridantrieb, von den fast 83.000 Kunden in Deutschland waren es über 18 Prozent.

Der Anteil des Hybridantriebs in Deutschland ist sehr gering. 2012 lag er laut Kraftfahrtbundesamtes bei knapp 0,7 Prozent der Pkw-Neuzulassungen, wobei 70 Prozent von den neu zugelassenen 21.438 Hybridautos Toyota-Modelle waren. Überraschenderweise rangiert in Deutschland der Kleinwagen Toyota Yaris Hybrid als Bestseller. Ein Pkw, für den laut Bosch kein Hybridantrieb notwendig wäre, weil bei Kleinwagen und Minis die CO2-Ziele allein durch die Effizienzsteigerung von Diesel- und Benzinmotoren zu erreichen sind.

Ein Grund mehr, den Yaris Hybrid - einziger Vollhybrid in seinem Segment - im Fahralltag auf Kraftstoffverbrauch und Betriebsverhalten zu checken. Als Pendant erhält er mit dem VW Polo BlueMotion 1.6 TDI den schärfsten Konkurrenten unter den "Spritsparern". Der Test soll die Frage beantworten, ob sich ihre Anschaffung lohnt, und ob der Käufer in Fahrbetrieb und Komfort etwa mit Einbußen fahren muss.

Den Toyota Yaris Hybrid mit Hybridantrieb von 1,5-Liter-Benziner mit 75 PS und 45-kW-Elektromotor gibt es in der Basisausführung für 16.950 Euro. Quelle: PR

Den Toyota Yaris Hybrid mit Hybridantrieb von 1,5-Liter-Benziner mit 75 PS und 45-kW-Elektromotor gibt es in der Basisausführung für 16.950 Euro.

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Beim Preis punktet der Yaris Hybrid in der Ausstattungsvariante "Life", weil Toyota ihn noch bis zum 30 September 2013 für 18.271 Euro statt 19.620 Euro anbietet. Der Polo mit dem geringsten Durst kostet in der Ausstattungslinie "Highline" 18.750 Euro. Im EU-Normfahrzyklus auf dem Rollprüfstand schafft es der Hybrid, je 100 Kilometer mit 3,5 Liter Sprit auszukommen, dem Diesel reichen 3,7 Liter – was sich in der CO2-Emission je Kilometer mit 79 Gramm respektive 89 Gramm niederschlägt.

Zu berücksichtigen ist, dass es den Yaris in Kombination mit dem 1,5-Liter-Benziner mit 75 PS und dem 45-kW-Elektromotor in der Basisausführung schon für 16.950 Euro gibt. Der vergleichbare, zur Yaris-Variante Life aufgerüstete und dann aber etwas komfortablere Polo Highline kommt auf 21.746 Euro. Wer das scheut: der "Schotten-Polo" startet in der Basisausführung "Comfortline" mit 17.900 Euro.

Der VW Polo 1.6 TDI BlueMotion erlaubt mit Fünfgang-Getriebe schaltfaules Fahren. Quelle: PR

Der VW Polo 1.6 TDI BlueMotion erlaubt mit Fünfgang-Getriebe schaltfaules Fahren.

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Im Verbrauch schiebt sich der Polo zwar nach vorn. Sein Dieselmotor mit 1,6 Liter Hubraum und 66 kW/90 PS hat einen durchschnittlichen Gesamtverbrauch von 4,7 Liter je 100 Kilometer - bei einem Viertel Autobahnanteil an den Fahrten -, minimal 4,1 Liter, maximal 5,3 Liter. Der entsprechende CO2-Ausstoß beträgt rund 125 g/km. Das kann der Yaris Hybrid mit 113 g CO2/km besser. Sein Mischantrieb mit einer Systemleistung von 100 PS verbrauchte durchschnittlich im Test mit 4,8 Liter etwas mehr, aber weil die Dichte von Benzin über zehn Prozent geringer ist als die des Diesels, ist der CO2-Ausstoß je Liter auch geringer – minimal konsumierte der Yaris Hybrid 4,4 Liter, maximal 5,8 Liter.

Im Vergleich mit fortschrittlichen Kleinwagen bringt den beiden Saubermännern die Knauserei mit dem Sprit wenig. Denn vergleichbare Konkurrenzmodelle im eigenen Haus und von Wettbewerbern kommen mit rund 5,2 Liter Diesel beziehungsweise 6,1 Liter Benzin je 100 Kilometer aus und sind preiswerter.

Der Hybridmanager braucht seine Zeit

Auffälligkeiten im Betrieb gibt es beim Polo nicht. Ob im Stadtverkehr oder auf der Autobahn, er läuft und läuft und läuft. Sein Fünfgang-Schaltgetriebe lässt schaltfaules Fahren zu und trotz des lang übersetzten Getriebes resultieren gute Elastizitätswerte. Selbst beim Überholen macht der Polo noch Tempo, weil der 1,6-Liter-TDI Motor zwischen 1.500 und 2.500 Touren das maximale Drehmoment von 230 Newtonmeter bereitstellt.

Der Yaris Hybrid überzeugt ebenso wie der Polo im Stadtbetrieb – mit Einschränkungen. Kein Tippschalter zum Richtungswechsel, Tempomat erst ab 40 km/h und wer zu schnell im Startvorgang ist, darf ihn wiederholen, weil der Hybridmanager seine Zeit braucht. Das Zusammenspiel der beiden Motoren ist exakt aufeinander abgestimmt, kein Ruckeln, keine störenden Geräusche, selbst an das stark verzögernde generatorische Bremsen passt sich der Fahrer schnell an.

Gewöhnungsbedürftig ist beim starken Tritt aufs Gaspedal das Heulen des Motors, wenn das stufenlose Getriebe den Benziner auf Touren bringt. Und da sind wir beim Manko das Yaris Hybrid. Anders als der Polo macht er weniger Spaß auf der Autobahn, weil dort der schlappe 1,5-Liter-Benziner mit seinen 75 PS allein für den Vortrieb sorgt. Zu empfehlen sind 120 km/h für die Autobahnfahrt, darüber hinaus wird der Innenraumlärmpegel zur Tortur.

Kurzbewertung:

Plus:
Toyota Yaris Hybrid: Laufruhiger, sparsamer Hybridantrieb mit gutem Alltagsverhalten.
VW Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI: Kultivierter und verbrauchsarmer Dieselmotor mit problemlosen Betrieb.

Minus:
Toyota Yaris Hybrid: Hoher Innenraumlärmpegel über 120 km/h, Tippschalter fehlt, Tempomat erst ab 40 km/h, keine Gurthöhenverstellung.
VW Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI: Das Navigationsgerät sitzt zu tief, Vorsicht an den Ecken der Kofferraumklappe – Stoßgefahr.

Der VW Polo BlueMotion 1.6 TDI kommt im Praxistest auf einen durchschnittlichen Gesamtverbrauch von 4,7 Liter. Quelle: PR

Der VW Polo BlueMotion 1.6 TDI kommt im Praxistest auf einen durchschnittlichen Gesamtverbrauch von 4,7 Liter.

(Foto: PR)

Technische Daten: Toyota Yaris Hybrid Life
Viertüriger Kleinwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 3.905/ 1.695/ 1.510/ 2.510. Leergewicht: 1.235 kg, zulässiges Gesamtgewicht: 1.565 kg, Gepäckraum min/max: 286/710 Liter, Tankinhalt: 36 Liter. Preis: 18.271 Euro bis 30. September 2013, sonst 19.620 Euro.

Vierzylinder-Reihenmotor, Leistung: 55 kW/74 PS bei 4.800 U/min, max. Drehmoment: 111 Nm, bei 3.600 - 4.400 U/min, Elektromotor: 45 kW/60 PS, max. Drehmoment 169 Nm, max. Systemleistung 74 kW/100 PS, Nickel-Metallhydrid-Batterie, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 11,8 sek., Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h, Normverbrauch insgesamt: 3,5 l/100km (Benzin), CO2-Ausstoß 79 g CO2/km, Euro 5. Effizienzklasse A+.

Technische Daten: VW Polo BlueMotion 1.6 TDI Highline
Viertüriger Kleinwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 3.970/ 1.682/ 1.485/ 2.470. Leergewicht: 1.165 kg, zulässiges Gesamtgewicht: 1.650 kg, Gepäckraum min/max: 280/952 Liter, Tankinhalt: 45 Liter. Preis: 18.750 Euro.

Vierzylinder-Reihenmotor, Leistung: 66 kW/90 PS bei 4.200 U/min, max. Drehmoment: 230 Nm, bei 1.500 - 2.500 U/min, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 11,5 Sek., Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h, Normverbrauch insgesamt: 3,7 l/100km (Diesel), CO2-Ausstoß 96 g CO2/km, Euro 5. Effizienzklasse A.

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  • Eine bessere Energiebilanz, eine umfangreichere Ausstattung, eine wesentlich bessere (eigene Erfahrungen) Qualität, weniger Wartungsaufwand und Verschleißanfälligkeit, ein entspannteres Fahren dank Automatik, ein günstigerer Anschaffungspreis (Preis/Leistung), niedrigere Gesamtkosten und ein wesentlich besseres Kulanzverhalten sprechen eine für mich eindeutige Sprache pro Toyota Yaris-Hybrid.- Warum das Handelsblatt in diesem Test 1.) Äpfel mit Birnen vergleicht und 2.) sich dem pro VW - Geschwafel von Motorpresse und Lobbyisten aus deutschen Landen anschließt,lässt mich ein wenig in die Richtung von gut geölten/geschmierte Quellen denken.- Wahrscheinlich liegt hier jedoch nur ein Fall von Ahnungslosigkeit/fehlender Sachkenntnis des Schreiberlinges vor. ;-)

  • Wir haben beide Typen in der Flotte. Der Yaris ist erheblich solider gemacht, als der VW. Der Preisvergleich hinkt, weil der Yaris ein Automatikgetriebe hat, das es für den Polo gar nicht gibt. Jedenfalls nicht für die Sparbersion!

    Benziner mit Diesel zu vergleichen, ist eh grundfalsch!
    Weniger Kfz-Steuer beim Benziner, billigerer Sprit für den Diesel. Dafür viel weniger Wartungsaufwand beim Hybrid. Bei einer Vollkostenbetrachtung schneidet der Hybrid erstaunlich gut ab und er wird von unseren Fahrern in der Stadt viel lieber Gefahren, weil tatsächlich äußerst kultiviert abgestimmt.

  • Vielen Dank für diese Kommentare! Ich bin es einfach nur leid, dass die deutschen Autos immer in den Himmel gelobt werden! Preis-Leistung steht doch in keinem Verhältnis mehr! Hallo HB, einen Kleinwagen mit Hybrid-Antrieb, als Zweitwagen für die Stadt, zu diesem Preis... Ein unschlagbares Angebot. Das sollten die Deutschen erstmal nach machen... Achso, ich vergaß... die bauen ja Hybridantriebe mit 6-Zylinder Benziner und 20 PS Elektromotor ab 50.000 EUR +, dass nenne ich Sparen! Glückwunsch!

  • Ergänzung:
    Der Yaris Hybrid fährt sich im normalen Betrieb wesentlich angenehmer. Viel weniger Vibrationen und Lärm als der Diesel-Polo. Und das stufenlose Automatikgetriebe ist eine Wohltat für alle Stadtverkehr- und Stop&Go-geplagten.

    Warum das Auto die Erwartungen vieler Kunden nicht erfüllen soll, wie es in der Überschrift steht, wird im Artikel nicht klar. Komisch.

  • Ich selber bin den Polo vor kurzen über 800 Kilometer Stadt, Land und Autobahn gefahren. Der Motor mit seinen starken Vibrationen, der Anfahrschwäche und dem "Nageln" lässt sich wohl kaum als kultiviert uns laufruhig bezeichnen. Das fahren mit dem kleinen Diesel ist einfach nur nervig und eine Zumutung! Liebes HB lobt nur weiter die deutschen Hersteller welche das Rad immer neu erfinden, siehe Artikel über den Posche mit 4-Rad Lenkung, das hatte Nissan schon in den 80´ern :-D

  • Ein typischer Aepfel-Birnen-Vergleich, wie man ihn schon aus deutschen Automobilzeitschriften kennt. Da wird keine Gelegenheit ausgelassen,um die ach so tollen vermeintlich deutschen Produkte (wie viele Teile des Polo kommen tatsaechlich aus Deutschland?) auf Siegertreppchen zu hieven. Zum Schutz der deutschen Produkte, wie es so schoen heisst. Grundsaetzlich sollten wir als Autokaeufer folgende Fragen stellen: Wo ueberall produzieren deutsche Hersteller? Wie viele Komponenten sind deutsch? Man gelangt dann schnell zur Erkenntnis, dass die ach-so-tollen deutschen Autos eben groesstenteils woanders produziert werden. Deutsch ist der Preis, und auch hier stellt sich mir die Frage, warum wir eigentlich so daemlich sind und fuer ein (vermeintlich)deutsches Produkt 40% mehr als in USA zahlen. Auch die Langzeitqualitaeten sind zwischenzeitlich ein Maerchen. Als Fuhrparkleiter von ueber 400 Fahrzeugen stellen sich mir bei den auftretenden Maengeln an deutschen Premium-Produkten die Haare zu Berge. Was Ihren Bericht angeht: Ein wenig mehr Neutralitaet haette Sie zur Aussage hinreissen lassen muessen, dass ein Beziner mit einem Diesel grundsaetzlich nicht vergleichbar ist. Diesel-Hybrid gegen Benzin-Hybrid, das waere es gewesen, aber bei der Hybridtechnolgie hinken die deutschen gewaltig hinterher.Die Einsicht hierfuer fehlt. Fakt ist: Hybridpionier Toyota verkauft ausschliesslich in Laendern, in denen sich der Diesel schwer tut (USA) Benziner. Genau hier ging es um die Optimierungsmoeglichkeiten bei Verbrauch und Abgas. In europaeischen Dieselmaerkten wird ein Hybrid niemals die Absatzzahlen erreichen. In Deutschland ohnehin nicht, sofern nicht VW, Audi, BMW, Daimler draufsteht.

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