Auto
Kombis sind eine beständige Modellgruppe

Großraumlimousine, Kompaktvan, Cabrio-Coupé, Geländesportler oder Crossover - was haben sich die Marketing-Spezialisten der Autohersteller in den vergangenen Jahren nicht alles für neue Karosserievarianten einfallen lassen.
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dpa/tmn LIMBURG. Großraumlimousine, Kompaktvan, Cabrio-Coupé, Geländesportler oder Crossover - was haben sich die Marketing-Spezialisten der Autohersteller in den vergangenen Jahren nicht alles für neue Karosserievarianten einfallen lassen.

Doch auch wenn der PKW-Markt mittlerweile in winzige Segmente zerfällt und alle paar Monate eine neue Nische gefunden wird, gibt es Fahrzeugtypen von erstaunlicher Beständigkeit - Kombis zum Beispiel.

"Die Karosserie-Landschaft mag beweglich sein, aber der Kombi gehört dazu wie Ketchup zu Pommes", sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg in Hessen. Der Kombi sei über eine Dekade mit rund 20 Prozent Marktanteil ein Fels in der Brandung: "Kein Van, Geländewagen oder Crossover konnte ihn umstoßen", sagt der Experte. Bei einigen Baureihen liegt der Kombi-Anteil in Deutschland laut Jato weit über der Hälfte. Beim Audi A6 erreicht er 68 Prozent, beim VW Passat sind sogar neun von zehn Autos ein Variant.

Entsprechend groß ist das Angebot, und es wächst und wächst: Diesen Sommer wurden neue Kombis wie der Seat Exeo ST, der Opel Insignia Sportstourer oder der Renault Mégane Grandtour eingeführt und bestehende Modelle wie der VW Golf Variant oder der Peugeot 407 SW aufgefrischt. Und auch bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main (17. bis 27. September) stehen zahlreiche Kombi-Premieren ins Haus.

Die mit Abstand wichtigste Neuheit kommt dabei aus Stuttgart. Denn ein halbes Jahr nach der Limousine bringt Mercedes jetzt auch das T-Modell der neuen E-Klasse an den Start. Es fasst je nach Sitzkonfiguration bis zu 1950 Liter Ladegut, kann auf Wunsch auch zum Siebensitzer aufgerüstet werden und kostet zunächst mindestens 44 800 Euro. Erst wenn im Frühjahr die Basismotoren nachgereicht werden, sinkt der Preis laut Mercedes in Stuttgart auf 41 948 Euro.

Vielleicht nicht ganz so vornehm, aber annähernd genau so groß und kaum mehr als halb so teuer wird der Skoda Superb Combi, der seine Premiere ebenfalls in Frankfurt feiert. Offizielle Daten des Herstellers stehen noch aus, doch ist die Rede von 4,84 Metern Länge, rund 1900 Litern Ladevolumen und einem Grundpreis um 25 000 Euro.

Dass es auch zwei Nummern kleiner geht, beweist die spanische Schwestermarke Seat, die für Anfang 2010 einen Ibiza ST mit großer Klappe angekündigt hat. Darüber hinaus gibt es zur IAA bei Kia eine Modellpflege für die Kombiversion des C"eed in der Golfklasse und bei Volvo neue Sparmotoren für den V50.

Außerdem werfen für das nächste Jahr bereits weitere Kombi-Neuheiten ihre Schatten voraus. So bereitet BMW den Modellwechsel in der 5er-Reihe und damit auch einen neuen Touring vor. Bei Opel wird auf den fünftürigen Astra nach Angaben von Vorstandschef Hans Demant zügig auch wieder ein Kombi folgen. Und wenn Saab die neue 9-5 Limousine halbwegs erfolgreich an den Start bringt, wird es den schwedischen Cousin des Opel Insignia nach Angaben des Unternehmens ebenfalls wieder als Lademeister geben.

Doch so sehr Familienväter und Handlungsreisende dem Konzept der großen Klappe auch die Treue halten, franst auch das Segment der Kombis zusehends aus. An der Grenze zum Sportwagen platziert Audi dafür im Herbst den A5 Sportback, der zu Preisen ab 33 650 Euro nach den Worten von Pressesprecher Josef Schlossmacher "die Vorzüge eines Avant mit der Eleganz des Coupés" vereinen soll. Trotz schräg gestellter Heckklappe fasst er bis zu 980 Liter.

Wer zur fließenden Form noch die hohe Bodenfreiheit eines Geländewagens sucht, dem empfiehlt BMW künftig den 5er GT. Für mindestens 55 200 Euro soll er laut dem Ex-Designchef Chris Bangle "das beste aus vier Welten" vereinen und Raumkreuzer, Sportwagen, Reiselimousine und SUV in einem sein. Die praktische Seite kommt dabei nicht zu kurz: Denn neben einer variablen Sitzlandschaft mit vier oder fünf Plätzen gibt es eine zweigeteilte Heckklappe und bis zu 1 700 Liter Stauraum.

Dass der Kombi allen Trends trotzen konnte, hat für Marktforscher Margetts einen Grund: "Er bietet so viele Vorzüge: Der Kombi ist das perfekte Vertreterauto, gilt als beliebter Dienstwagen, taugt als Familienkutsche, schluckt jede Menge Ladung, geht konform mit den meisten Firmen-Flottenregeln und hat obendrein einen stabilen Restwert." Trotzdem hat der Kombi zuletzt ein wenig eingebüßt und im ersten Halbjahr 2009 rund fünf Prozent an Marktanteil verloren. Das ist für Margetts aber nur eine vorübergehende Folge der Abwrackprämie, die Segmente begünstigt habe, in denen Kombis traditionell keine Rolle spielen. "Aber das Abwracken findet bald ein Ende, und der Kombi wird seinen Platz wieder einnehmen."

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