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Laute Musik im Auto ist riskant

Mit der Wattzahl ihrer Musikanlage halten es viele wie mit der Leistung ihres Motors: je größer, desto besser. Viele Fahrer bedenken nicht, dass sie dadurch ihren Ohren schaden und sich Verkehrsrisiken aussetzen.

dpa/gms FREIBURG. Mit der Wattzahl ihrer Musikanlage halten es viele wie mit der Leistung ihres Motors: je größer, desto besser. Viele Fahrer bedenken nicht, dass sie dadurch ihren Ohren schaden und sich Verkehrsrisiken aussetzen.

„Wer sich auf Dauer im Auto "zudröhnt", dem droht, dass er einen bleibenden Gehörschaden davonträgt“, warnt Michael Deeg, Sprecher des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte in Freiburg. Selbst die ab Werk eingebauten Anlagen erreichten Lärmpegel „deutlich über dem Gehör schädigenden Maximum“. Das schafft zwar auch das System zu Hause. Das Risiko, Hörschäden zu erleiden, sei aber im Auto potenziell viel größer: „Der Raum ist kleiner und in sich abgeschlossen. Dadurch wird ein viel größerer Schalldruck aufgebaut.“

Dieser Druck trifft im Ohr nahezu ungemindert auf die Hörzellen. Auf Dauer kommt dabei es laut Deeg zum „Schwellenschwund-Phänomen“: Die Betroffenen nehmen auch bei Stille ein permanentes Rauschen wahr. „Die Sinneszellen haben durch die Einwirkung der Schallwellen einen Schaden erlitten.“ Mögliche Folgen sind dann Schwerhörigkeit oder dauerhafte Ohrgeräusche, so genannter Tinnitus.

Für Hubert Paulus vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) sind leistungsstarke Audio-Anlagen längst das Hauptproblem, wenn es um die Lärmbelastung geht. „Das Lärmniveau der Fahrzeuge ist heute insgesamt deutlich niedriger als noch vor einigen Jahren.“ Seit die Motoren gekapselt und Dämmmaterialien eingebaut werden, sei der Motorlärm im Innenraum kaum noch eine gesundheitliche Belastung.

Um Hörschäden vorzubeugen, rät Michael Deeg, die Anlage im Auto so einzustellen, dass die Lautstärke noch als angenehm empfunden wird. Das dürfe auch einmal etwas lauter sein - „aber nicht so laut, dass es knallt.“

Während Deeg mit dem Wort „knallen“ hier Hörschäden umschreibt, versteht es Almut Schönermarck wörtlich: Durch laute Musik steige die Gefahr, dass es knallt - also das Unfallrisiko - deutlich, sagt die Leiterin der Verkehrsmedizin beim Adac in München: „Je lauter die Musik im Auto ist, desto schlechter ist die Reaktion des Fahrers.“

Gerade im Stadtverkehr ist das Schönermarck zufolge riskant. So kann es zum „Informationsstau“ im Gehirn kommen. Außerdem sei die Alarmierungsfunktion des Gehörs eingeschränkt. Diese Erkenntnisse hat die Expertin in ihrer Zeit als Notärztin oft erlebt: In Musik vertiefte Autofahrer hätten ihren Rettungswagen überhört. Wer so laut Musik hört, dass er selbst ein Martinshorn nicht wahrnimmt, hört eine Hupe schon gar nicht, und im Zweifel ist ein Crash unvermeidlich.

Von den Unfallfolgen abgesehen, kann das für Musikfans teuer werden. Schönermarck berichtet von einem Autofahrer, der wegen Fahrerflucht verurteilt wurde. Er hatte ein anderes Auto gerammt und war weitergefahren - weil er das Radio so laut gestellt hatte, hatte er von dem Zusammenprall nichts mitbekommen. Daher rät Schönermarck, in kniffligen Situationen eines zu tun: „das Radio ausschalten.“

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