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Offroader mit unverwüstlicher Seele: Land Rover Defender

Ein Arbeitstier mit Patina: Vor 60 Jahren tuckerte der erste Land Rover über schlammige Feldwege in Großbritannien. Heute ist das robuste Fahrzeug längst Kult. Mitte des Jahres soll der Ururenkel der Offroad-Ikone auf den Markt kommen.

dpa/tmn LONDON. Ein Arbeitstier mit Patina: Vor 60 Jahren tuckerte der erste Land Rover über schlammige Feldwege in Großbritannien. Heute ist das robuste Fahrzeug längst Kult. Mitte des Jahres soll der Ururenkel der Offroad-Ikone auf den Markt kommen.

Auf seiner Farm kam Maurice Wilks ein Gedanke, ohne den sein Unternehmen die Nachkriegszeit wohl nicht überlebt hätte. Der Ingenieur entwickelte auf Anglesey vor der Nordwestküste von Wales, ein komfortloses Auto, das nichts mit den Luxuslimousinen zu tun hatte, die er vor dem Zweiten Weltkrieg baute. Bauern gehörten zu den Ersten, die das robuste Gefährt testeten.

Doch schon bald sollte aus dem Allradfahrzeug eine Offroad-Ikone werden. Überall in der Welt nennen Fans sie liebevoll „Landy“ - auch 60 Jahre nachdem im Sommer 1947 der erste Prototyp aus der Fabrikhalle rollte. Der Name stand für ein Konzept: Land Rover - ein Rover, der nicht für feine Herrschaften und glatte Straßen, sondern für Landwirte und schwieriges Terrain auf den Farmen gedacht war.

Längst gibt es zwar mit Range Rover und Discovery auch Land Rover, die zu Fahrern in Nadelstreifenanzügen passen. Doch für echte Offroader wie den britischen Autotester Alex Grant steckt die „unverwüstliche Seele“ des alten „Landy“ nicht in den Edelablegern, sondern im Defender. „Er ist das Symbol für solides britisches Auto-Ingenieurwesen“, sagt Grant. „Und zwar so solide, dass heute noch 75 Prozent aller jemals gebauten Defender betriebsfähig sind.“

Dabei sollte der Land Rover eigentlich nur ein Provisorium sein, das die Firma Rover über schwierige Jahre nach dem Krieg bringen könnte. Das britische Königreich gehörte zwar zu den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs, war aber wirtschaftlich kaum weniger ausgeblutet als die Verlierer. Materialien wie Stahl waren knapp. Aus dieser Not wurde der Land Rover geboren. Wilks konzipierte ein Arbeitstier für die Landwirtschaft, das sogar einen Pflug ziehen konnte. Zugleich sollte der Wagen Ladefläche bieten und obendrein auch mal einen Familienausflug in die Stadt ermöglichen.

Zudem war von Anfang an der Export in möglichst viele Länder, darunter auch in Afrika und Asien mit extrem schwierigen Straßenverhältnissen anvisiert. Weil damit Devisen zu verdienen waren, gab es Zuteilungen von Stahl. Allerdings genügten sie gerade so für den Bau des Fahrgestells. Weil die Länge der verfügbaren Stahlteile nicht ausreichte, schweißte man sie - einfach und genial - zu einem Leiterrahmen zusammen, der sich als äußert stabil erwies.

Für die meisten anderen Bauteile, vor allem für die Außenhaut, musste Aluminium verwendet werden. Es war zwar teurer als Stahl, aber dafür in ausreichender Menge zu bekommen. Das Alu-Kleid trug dank einer bald unvergleichlichen Patina aus Beulen und nicht rostenden Kratzern zum Kultstatus des Land Rover bei.

Auch das Grün der ersten Modelle war der Not geschuldet: Freundliche Fahrzeuglacke waren nicht zu bekommen, aber Vater Staat saß auf großen Mengen an Farbe für Panzerfahrzeuge. Die passte gar nicht schlecht zum viereckigen Land-Rover-Look. Bis heute wirkt der Defender wie aus dem Baukasten in Heimarbeit zusammengeschraubt. „Wenn das nicht so wäre“, sagt Chefdesigner David Saddington, „würden uns hartgesottene Fans wohl mit einem Kaufboykott bestrafen.“

Bei jeder Neuentwicklung in der Defender-Erblinie lautete deshalb die Vorgabe für die Designer: „Veränderungen nur, wo Veränderungen nötig sind“. Ausgestattet mit einem 1,6-Liter-Motor, wurde der erste serienreife „Landy“ am 30. April 1948 auf der Motor Show in Amsterdam vorgestellt. Er war auf Anhieb ein Verkaufsschlager.

Knapp sechs Jahrzehnte danach kommt nun Mitte Mai quasi der Ururenkel des ersten „Landy“, der 2007er Defender, zu den Händlern. Dafür wurde die Modellgeneration von 2002 unter der Haube und im Innenraum runderneuert. Der neue 2,4-Liter-Turbodiesel ist leiser als die Td5-Vorgängermaschine. Und mit gut 160 Stundenkilometern (km/h) ist der Defender bei verbesserter Straßenlage eher autobahntauglich.

Ob das jenen Fans gefällt, die auf Traditionswahrung pochen, bleibt abzuwarten. Manchem könnte ein „Landy“ mit bequemen Sitzen und einem ipod-Anschluss zu modern, wenn nicht gar dekadent erscheinen. Immerhin gibt es für Puristen einen „Trost“: Abgesehen von den Luftklappen unter der Windschutzscheibe, die einer Klimaanlage gewichen sind, und einer minimalen Aufwölbung der Haube, ist auch der neue Defender unverkennbar ein Nachfahre des alten „Landy“.

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