Auto-Technik
Wie Serienautos vom Rennsport profitieren

Der Motorsport ist für die Autohersteller nicht nur ein Marketing-Instrument. In ihren Rennwagen erproben sie Technologien, die sich auch in Serienfahrzeugen sinnvoll einsetzen lassen. Prominente Beispiele: Keramikbremsen und der Allradantrieb.
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dpa/tmn ZUFFENHAUSEN. Bei Langstreckenrennen der American Le Mans Series geht es in der Box von Porsche besonders turbulent zu. Biegt der weiß-orange 911 zu einem Stopp ein, stürzt sich die gesamte Crew auf den Rennwagen. Wo sonst nur der Tank gefüllt wird und die Reifen gewechselt werden, lesen nun auch Ingenieure die Bordelektronik aus. Denn der Wagen mit der Startnummer 911 ist mehr als ein Rennwagen: "Dieses Auto ist ein Entwicklungslabor", sagt Porsche-Sportchef Hartmut Kristen.

Die Porsche-Entwickler konzentrieren sich auf den Schwungscheibenspeicher, der anstelle des Beifahrersitzes montiert ist. Er nimmt Bremsenergie auf und liefert Strom für zwei Elektromotoren. Sie verleihen dem Wagen für ein paar Sekunden zusätzlichen Schub. "So können wir auch in Situationen überholen, wo dem Auto sonst die Kraft fehlen würde", sagt Rennfahrer Timo Bernhard. Die neue Technik kommt zwar bis jetzt nur im Rennfahrzeug zum Einsatz. "Wir lernen hier aber viel für die Elektrifizierung unserer Straßensportwagen", sagt Heinz-Jakob Neußer, Antriebsexperte bei Porsche.

Nicht nur der Zuffenhausener Hersteller testet auf Rennstrecken neue technische Fahrzeugkomponenten, die sich möglicherweise auch für die Serienproduktion eignen. "Denn was sich dort unter extremen Bedingungen bewährt, das wird auch im Alltag keine Probleme machen", sagt Albert Biermann, Entwicklungsleiter der BMW M Gmbh in München. "Außerdem erzielt man auf Rennstrecken sehr schnell Ergebnisse. Im Motorsport weiß man oft schon nach einem Wochenende ob und wie eine Komponente funktioniert", erklärt er weiter.

Aus dem Rennsport in die Serienfertigung haben inzwischen viele Autohersteller Keramikbremsen übernommen. Sie sind leichter als herkömmliche Systeme, lassen sich kostengünstiger warten und werden meist in Straßensportwagen oder Luxuslimousinen eingebaut.

Weitere Beispiele sind das Doppelkupplungsgetriebe und die sequentielle Automatik. Auch aktive Motorlager zählen dazu, die man unter anderem im Porsche Turbo oder in der ersten Mercedes S-Klasse mit vier Zylindern - dem S 250 CDI - findet. Durch eine weichere Verbindung zwischen Karosserie und Motor verringern sie Geräusche und Schwingungen.

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